Engel im Tourbus: Rocksängerin Doro Pesch
Die Düsseldorferin Doro Pesch hat eine riesige Fanschar, in Deutschland ebenso wie in ihrer zweiten Heimat, den USA. Zunächst mit der Kultband "Warlock", später als Solokünstlerin "Doro" zeigt die zarte Powerfrau den harten Jungs, wo es musikalisch lang geht. Sie spielte mit Bands von Bon Jovi bis Metallica. Wie passt das zusammen mit einem spirituellen Leben?
EM: Du hast eine ganz besondere Beziehung zu Deinem Schutzengel, was für Erfahrungen hast Du gemacht?
Doro: Also ich war schon öfter in Situationen, die böse hätten enden können und ich habe gefühlt, da hat noch jemand mitgeholfen, da hat sich mein Schutzengel stark gemacht.
Vor ein paar Jahren landete ich am Düsseldorfer Flughafen und dort wurden gerade Schweißarbeiten durchgeführt. Meine Eltern wollten mich abholen. Plötzlich hat es gequalmt. Mein Vater konnte damals nicht mehr so gut gehen und ich habe ihn mit Hilfe meiner Mutter raus geschleppt. Zehn Minuten später hat der ganze Flughafen gebrannt, es kamen einige Menschen dabei ums Leben. Ich dachte mir noch, das war ja in letzter Sekunde, dass wir da raus kamen.
EM: Wie sieht Deine persönliche Art aus, Engel wahrzunehmen?
Doro: Ich habe noch nie einen Engel gesehen, jedenfalls nicht in der traditionellen Form, wie man es sich vorstellt. Ich würde es beschreiben wie Lichtpunkte oder wie kleine Sternchen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass jeder einen Schutzengel hat, ich glaube auch an Wunder. Ich versuche, jeden Tag spirituell zu leben, etwas Gutes zu tun, Menschen fröhlich zu machen.
EM: In welchen Situationen nimmst Du Kontakt mit den Engeln auf?
Ich bete fast täglich. Besonders in schwierigen, ja, ausweglosen Situationen bete ich ganz stark und merke dann immer wieder, da hat sich was zum Positiven gewendet, das Problem hat sich gelöst aus für mich völlig unerklärlichen Gründen. Früher habe ich solche Erlebnisse sogar aufgeschrieben, heute tue ich das leider nicht mehr.
EM: Gibt es weitere Beispiele?
Doro: Beim Schreiben eines Songs rufe ich den Erzengel Gabriel. Wenn ich dann ganz, ganz tief einatme, spüre ich diese Engelsenergie, wie sie mich begleitet und mir hilft. Das ist eine starke Kraft, so stark, dass ich sie aus mir selbst heraus nicht entwickeln könnte. Vor allem bei Herausforderungen, zum Beispiel vor einem wichtigen Konzert- jedes Konzert ist so etwas wie ein kleines Abenteuer- bete ich vorher ein paar Minuten lang. Dann fühle ich mich gestärkt und spüre, wir gehen im Team an die Sache heran und alles wird gut.
EM: Du hast von Erzengel Gabriel erzählt, mit dem Du Dich verbindest, dann von Deinem Schutzengel- fühlst Du unterschiedliche Energien?
Doro: Ja, das ist schon unterschiedlich. Ich rufe verschiedene Erzengel an und das fühlt sich immer ein bisschen anders an, ähnlich wie eine andere Persönlichkeit- und jeder Engel steht ja auch für bestimmte Energien, also zum Beispiel kämpferische oder kreative Energien.
EM: Stimmt es, Dass Du Deinen Schutzengel auch in Form einer Kette immer bei Dir hast?
Doro: Ja, das ist richtig, aber nicht nur die Kette. Wenn wir auf Tour sind, habe ich nicht viel Zeit. Aber kurz vor dem Gig besuche ich gern ein paar nette Läden und finde dann meistens auch so kleine, schöne Schutzengelchen und die werden dann im Tourbus aufgestellt. Ich habe immer das Gefühl, wenn die Mitglieder der Roadcrew oder die Musiker an dem Engelchen vorbeigehen, dann kriegen die einen positiven Schub. Es tut ihnen gut, auch wenn sie nicht dran glauben oder keine Beziehung dazu haben. Diese Engelfigürchen sind meistens überall verstreut im Tourbus, manche sind vielleicht auch etwas kitschig, aber wunderschön. Ich bringe eigentlich aus jedem Land etwas mit.
EM: Auf Deinem Album "Fear no Evil"gibt es einen Song mit dem bezeichnenden Titel "Walking with the Angels". Erzähl doch mal, wie kamst Du darauf?
Doro: Ich wollte diesen Song schreiben, weil mir schon soviel Gutes passiert ist. Besonders in Zeiten, in denen man allein ist, wo einem keiner helfen kann. Da ist es eine gute Sache, wenn man ein kleines Gebet schickt und die Engel zu sich bittet. Ich möchte den Menschen, die sich gerade in einer verzweifelten Situation befinden, damit einen Denkanstoß geben, es vielleicht auch mal zu probieren. Den Song habe ich als Duett aufgenommen mit der Sängerin von Nightwish, Tarja Turunen. Sie ist ursprünglich eine ausgebildete Opernsängerin und hat eine wunderschöne, glasklare Stimme.
EM: Du möchtest diese Botschaft also durchaus weiter geben an andere Menschen?
Doro: Ich will niemandem was aufdrängen, nur eine Möglichkeit aufzeigen, wie man mit nur einem Wort oder einem Gedanken Hilfe bekommt. Wir bereisen ja alle möglichen Länder, bei den Indianern zum Beispiel bin ich besonders gern. Dort sind es keine Engel, sondern andere Wesenheiten. Für mich bedeuten Engel positive Energie, Unterstützung und Hilfe.
EM: Wann hast Du das zum ersten Mal bewusst gefühlt?
Doro: In einer Situation, die sich zunächst mal gar nicht so dramatisch oder spektakulär anhört. Wer sich erinnert, vor ein paar Jahren gab es mal die Fernsehsendung "Boulevard Bio". Dorthin wurde ich mit meiner Mutter eingeladen, das Thema war "Mütter und Töchter". Meine Mutter sagte, sie tue alles für mich, aber sie wolle um keinen Preis im Fernsehen auftreten. Wir konnten aber gar nicht mehr nein sagen, also flehte ich alle meine Freunde an, für uns zu beten. Meine Mutter war aufgeregt, hat geschwitzt, ich habe ihre Hand genommen und selbst ganz intensiv gebetet. Und da habe ich das erste Mal diese Engelpower gespürt. Ich blickte mich um und sah auf den Schultern aller Zuschauer Lichtpunkte sitzen. Plötzlich war soviel Liebe da. Und es wurde die schönste Sendung, die ich je erlebt habe. Meine Mutter erzählte witzige, interessante Geschichten und anschließend gratulierte man uns zu diesem Auftritt.
EM: Es gibt viele prominente Künstler aus dem Musikgeschäft, die sich zu ihrer Spiritualität bekennen, jüngstes Beispiel Tina Turner. Hast Du das Gefühl, hier gibt es eine besondere Öffnung für spirituelle Dinge?
Doro: Auf jeden Fall, als Kreativer hat man einen besonderen Draht dazu. Immer, wenn ich anfange zu schreiben, habe ich das Gefühl, das Bewusstsein öffnet sich auf einer bestimmten Ebene. Man kann eine Quelle anzapfen, eine Quelle, die immer da ist und fließt, für jeden. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Künstler, irgendwo in der Welt verstreut, die sich hundertprozentig nicht kennen, unabhängig voneinander die gleichen Einfälle haben. Das gab es auch schon bei mir. Ich habe Songs geschrieben, die mir sehr gut gefallen haben und kurz, bevor das Album herauskam, hatte eine andere Band den gleichen Titel oder das gleiche Thema. Ich fühle mich manchmal auch mehr wie ein Medium für eine Sache, die geschrieben werden muss. Es ist nicht so, dass ich mich mit einem Blatt Papier hinsetze und schreibe. Die besten Ideen kamen immer ganz tief aus dem Herzen, kurz bevor ich einschlafe oder dann im Traum.
Das Lied "Walking with the angels" können Sie hier sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=iGbddNNeeLY
Die Homepage von Doro:
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