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Die Seele kommt da nicht mit

Liebe Leser des ENGELmagazins, liebe Engel-Fans,

warum tun wir uns diese immer schnellere, lautere Welt an?

 

Vor kurzem fühlte ich mich wie eine Schnecke, die meinen Weg in einem Waldstück kreuzte. Ich hatte mich auf den Weg einer neuen Erfahrung gemacht: Ich wanderte 70 Kilometer durch meine niederbayerische Heimat. Für die Strecke, die man mit dem Auto in 1,5 Stunden fährt, brauchte ich vier Tagesreisen zu Fuß. Mein Rucksack war wie mein Schneckenhaus; darin befand sich alles, was ich wohl überlegt und reduziert für den Fußmarsch gepackt hatte. Unnötiger Besitz hätte mich im wahrsten Sinne des Wortes nur belastet. Als ich diese Schnecke mit ihrem großen, wunderschönen, beige-grau marmorierten Haus traf, wurde mir das verzerrte Verhältnis, das wir mittlerweile dank unserer schnellen Fortbewegungsmöglichkeiten zu Distanzen haben, klar.

Die Geschwindigkeit, die eigentlich uns Menschen entspricht, ist die Schrittgeschwindigkeit. Dabei sind wir mit Körper, Geist und Seele bei jedem Schritt genau da, wo wir gerade sind, erleben jeden Meter, den wir hinter uns bringen ganz bewusst, weil wir ihn uns mit unserer Muskelkraft selbst erarbeiten müssen. Autos und Flugzeuge waren vor zigtausenden von Jahren, als die Schöpfung den Menschen in diese Welt schickte, einfach nicht vorgesehen. Wie soll unsere Seele dann damit klar kommen, wenn sie in einen Flieger gesetzt und auf der anderen Seite des Globus quasi wieder ausgesetzt wird?

Nach vier Tagen in der Einsamkeit von Wäldern und Bergen, in denen ich nur wenigen Menschen begegnete, kam ich an meinem Zielort an und wurde auf dem Weg zu meinem Auto quer durch die Kleinstadt ziemlich gestresst. Kaum betrat ich den Gehsteig an einer großen Straße, hasteten Dutzende Menschen an mir vorbei, die Autos rasten wie gefühlte Düsenjets, der Lärm war für meine an die Stille der vergangenen Tage gewöhnten Ohren unerträglich. Die Schnelligkeit, die Lautstärke – einfach zu viel.

Was ich in diesem Moment so bewusst und extrem wahrnahm, das ist jedoch unser Alltag. Was tun wir uns da eigentlich an?

In diesem Sinne

 

Jessica Hirthe

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