Die Vorbereitung auf den Tod – ein spirituelles Abenteuer im Film

© Universum Film

Manche nennen es „das letzte Abenteuer“, andere sprechen von der einzigen großen Aufgabe, die wir bewältigen müssen: unser Sterben. Im Film „Das Ende ist mein Anfang“ mit Bruno Ganz geht es um diese letzte Reise.

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Es wird viel gestorben im Kino und im Fernsehen. Meist auf gewaltsame Weise: Mord, Totschlag, Unfall sind in der „Unterhaltungs“-industrie die gängigen Methoden, ein Leben zu beenden. Sterben geschieht ganz beiläufig, eine Figur scheidet „aus dem Spiel“, für den Fortgang der Handlung ist sie nicht mehr vonnöten – das Leben im Film, es geht irgendwie weiter.

Auf der Strecke bleibt dabei, neben der Filmfigur, das Sterben selbst. Das letzte Abenteuer, die große Aufgabe, sie werden selten zum Inhalt einer Geschichte gemacht. Selten einmal wird ausgelotet, was es eigentlich auf sich hat mit dem Sterben. Im Film „Das Ende ist mein Anfang“ ist das anders.

Inhalt des Films „Das Ende ist mein Anfang“

Tiziano Terzani ist am Ende seines Lebens angekommen. In ihm wütet der Krebs, sein Körper verfällt, doch noch ist sein Geist hellwach, und so ruft der ehemalige Journalist Folco zu sich, seinen Sohn, für eine Art Vermächtnis: Tiziano will Folco aus seinem Leben erzählen, von seiner Kindheit, der Jugend, von seiner Arbeit als Korrespondent für die Zeitschrift Spiegel.

Tiziano Terzani hat es wirklich gegeben, der Film ist eine sensible Adaption seiner Lebenserinnerungen, ein wunderbares Kammerspiel, angeführt von einem ergreifend spielenden Bruno Ganz. Viel mehr geschieht im Grunde genommen nicht, doch diese Lebensbeichte eines am Rande des Todes stehenden Menschen, die Monologe und Dialoge schenken unbändige Kraft für das eigene Leben.

Starke Kontraste für starke Gefühle

Folco Terzani (gespielt von Elio Germano) hat die Gespräche mit dem Vater nach dessen Tod als Buch veröffentlicht. Aus den Gesprächen wird deutlich, was für ein vielschichtiger, interessanter Zeitzeuge Tiziano war. Auch wenn im Film nicht alle biografischen oder politischen Inhalte des Buches aufgegriffen werden, so entsteht doch eine atmosphärische Intensität, die sich aus starken Kontrasten speist. 

Da ist als allererstes natürlich die Hauptperson selbst, Terzani alias Ganz. „Ich habe mein ganzes Leben ungeheuer intensiv gelebt“, erfährt der Zuschauer aus seinem Mund, „und ich habe nicht das Gefühl, ich hätte irgend etwas versäumt.“ Und statt dass er leidet unter dem nahenden Abschied, scheint Tiziano sich auf den Tod zu freuen: „Der Tod ist tatsächlich das einzig Neue, was mir noch passieren kann“, sagt er und muss selber lachen über diese Erkenntnis. Seine Angst hat er im Griff: „Warum haben wir bloß solche Angst vor dem Sterben?“, fragt er. „Wo’s doch alle schon getan haben vor uns.“

Die Gespräche zwischen Vater und Sohn finden im Haus der Terzanis statt. Das steht auf einer Anhöhe in der Toskana, die den malerischen Hintergrund bildet für die philosophischen und spirituellen Überlegungen von Tiziano. Und auch die Toskana wirkt als starke Kontrastierung, wenn zum Beispiel Judith Kaufmann (Kamera) die Figuren so zeigt, dass sie in der überwältigenden Größe der Natur nahezu verschwinden.

Die Erkenntnis aus dem Film „Das Ende ist mein Anfang“

An der Seite von Tiziano steht seine Frau Angela, im Film dargestellt von der österreichischen Schauspielerin Erika Pluhar. An seiner Seite – nicht in seinem Schatten, denn auch Angela besaß einen Ruf als Autorin. „Sie war alles für mich“, hat Tiziano einmal über sie gesagt. Schlicht, ergreifend, wahr. Angela charakterisierte ihren Mann als jemanden mit einer großen Neugier auf Menschen und ihre Lebensumstände. Vielleicht steckt in diesem Wesenszug Tizianos der Kern, die Botschaft des Films: Wirklich und wahrhaftig neugierig sein kann nur, wer sich ganz darauf einlässt, was jetzt passiert. Was im Jetzt passiert. Wer weder träumt von anderen, besseren Zeiten noch hadert mit den verpassten Gelegenheiten einer Vergangenheit. Tiziano lebt ganz im Hier und Jetzt: Er genießt das Leben! Und so kann er sich mit ganzem Bewusstsein seinen letzten Tagen widmen: im Beisein seiner Familie (Tochter Saskia kommt noch hinzu, gespielt von Andrea Osvart) und mit der Vorfreude auf den Tod, die ihn sagen lässt: „Das Ende ist mein Anfang!“

Am Ende entlässt Folco die Asche des toten Vaters von einem Berggipfel in die Luft. Und wie ein Vogelschwarm, der sich im Herbst auf die große Reise begibt, weht diese Wolke durch den Himmel. Ein mutmachendes, ein tröstliches Bild.

In der hinreißenden Landschaft der Toskana kommen sich Vater und Sohn näher.
Bruno Ganz (links) als Tiziano Terzani und Elio German als Folco in einer Szene des Films »Das Ende ist mein Anfang«. © Universum Film

 

Tiziano (bruno Ganz, links) hat seinen Sohn eingeladen, ihn alles zu fragen: über sein Leben und zu seinem bevorstehenden Tod. Es entwickelt sich eine innige Vater-Sohn-Beziehung.
Das Aufnahmegerät hält die Gespräche fest. Drei Monate nach dem Tod des Vaters gibt der Sohn das Buch heraus, das Vorlage wurde für das sensible Kammerspiel: »Das Ende ist mein Anfang«. © Universum Film


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