Ursula Karven: Finde deinen inneren Frieden

Loslassen fällt schwer. Aber, man kann es schaffen. Ursula Karven zeigt Ihnen einen Weg...

Loslassen ist leicht dahergesagt. Loslassen fällt schwer. Wir klammern uns an dem fest, was uns Halt gibt. An die Liebe, auch wenn sie längst kaputt ist, an die Kinder, auch wenn sie längst aus dem Haus sind. Die Schauspielerin und Autorin Ursula Karven zeigt uns, wie wir es schaffen können, loszulassen:

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Wenn wir beginnen, uns mit Yoga zu beschäftigen, dann mag es uns als unüberschaubar großes Gebiet erscheinen, so viele Methoden, Begriffe und Ideen finden sich darin. Doch die ganze Vielfalt zielt am Ende nur auf diesen einen Begriff, der den Kern der yogischen Spiritualität bildet: Vairagaya, das Loslassen.

Das Yogasutra des Patanjali, eine der wichtigsten Schriften des Yoga, definiert Yoga als eine Praxis, bei der es darum geht, eine innere Haltung des Losgelöstseins zu üben, die am Ende so weit geht, dass sie unser Vorstellungsvermögen sprengt. Dabei will Yoga nicht etwas aus uns machen, was wir nicht bereits wären, sondern nur die Hindernisse aus dem Weg räumen, die uns nicht erkennen lassen, wer wir in Wahrheit sind.
Patanjali spricht also nicht von Asanas, körperlichen Übungen, die wir auf der Yogamatte einnehmen sollen, sondern von einer Übung des Lebens, die Habenwollen und Nicht-Habenwollen aufgibt, damit unser innerer Frieden nicht zur Geisel jener äußeren Lebensumstände wird, die wir nie ganz in der Hand haben. Zum Loslassen gehört die Zufriedenheit wie zum Festhalten der Schmerz.
Im Yoga hat die Idee des Loslassens viele Facetten: In der Hingabe lassen wir uns selber los und vertrauen uns einer Kraft an, die unendlich viel größer ist als wir. In der Achtsamkeit lassen wir das Verstricktsein in Gedanken und Emotionen los und sind bewusst im gegenwärtigen Moment.
Loslassen heißt: nicht urteilen. Wir hören also auf, die Dinge durch unsere getönte Brille zu sehen und ihnen das Label "gut" oder "schlecht", "mag ich" und "mag ich nicht" aufzukleben. Loslassen ist Flow, mit dem Leben fließen, die Kontrolle aufgeben.
Loslassen ist noch vieles mehr: das Aufgeben nicht hilfreicher Gewohnheiten, Gedanken und Emotionen, vor allem der Bitterkeit, die sich an die unveränderliche Vergangenheit klammert, und der Sorge, die an der unbekannten Zukunft klebt. Loslassen ist Geben und Vergeben. Es meint auch, dass wir damit aufhören, uns dauernd selbst zu begrenzen. Vairagya sprengt die Ketten des Ego, das immer nur um sich kreist – ob es nun kleinmacht oder überhöht. Bis hinein in die konkreten Yoga-Haltungen finden wir Vairagya:
Das Loslassen unnötiger Spannungen in der Körperhaltung.
Das Loslassen energetischer Blockaden, damit Prana, die Lebensenergie, frei fließen kann.
Das Loslassen des Atems. Das Loslassen der Fokussierung auf das Außen, um in der Meditation nach innen gehen zu können. Patanjali fordert uns sogar auf loszulassen, was uns einmal auf den Weg des Yoga gebracht haben mag, nämlich den Wunsch, "höhere" Bewusstseinszustände zu erfahren, die Hoffnung auf "Erleuchtung".
Und natürlich bedeutet Loslassen auch Sterben lernen. Leid aufgeben. Die Botschaft ist einfach, doch sie zu leben ist schwer. Wenn wir loslassen, dann tun wir es im gegenwärtigen Moment.
Warum also nicht jetzt?
Ursula Karven tauchte auf ihrem spirituellen Weg auch tief in die Welt der indischen Götter ein. "Was mich an diesen Gottheiten schon immer fasziniert und inspiriert hat, ist ihre Lebensnähe. Sie stehen für das, was wir Menschen fühlen. Für das, was wir uns wünschen, wenn wir Hilfe brauchen", schreibt sie in ihrem Buch ("Loslassen", Arkana-Verlag). Hier stellt sie einige ihrer Götter vor, die eng mit ihren Yogaweisheiten verbunden sind.
SHIVA. Kaum ein Gott vereint in seinem Wesen solche Gegensätze wie Shiva, der Gott der Zerstörung und der Erneuerung. Deshalb fasziniert er mich so. Schlägt er auf die kleine Trommel, die er an seinem Dreizack trägt, kann er damit das gesamte Weltall wachrütteln. Shiva ist furchteinflößend und gütig zugleich. Dort, wo wir ein Bedürfnis nach Sicherheit haben und uns wünschen, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind, schubst er uns aus dem Nest. Er ist am Wirken, wann immer es an der Zeit ist, alte Hüllen abzulegen oder Grenzen zu sprengen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Das kann schmerzhaft sein, auch wenn man später erkennt, dass es richtig war. Deshalb denke ich an Shiva, wenn es um LOSLASSEN geht. Wandel gehört zum Leben.
BRAHMA ist der Urvater aller Wesen und Schöpfer der Welt. Wenn ich an die Gegenwart denke, denke ich an ihn. Denn nur im gegenwärtigen Moment können wir in vollen Zügen aus unserem Innersten schöpfen und begreifen, was wirklich wichtig ist. Deshalb steht das Jetzt auch für den NEUANFANG. Brahma wird oft begleitet von einem Schwan, der für Reinheit und Unterscheidungskraft steht. Auf dem Rücken des Schwans kann Brahma jeden Ort im Universum erreichen. Genauso wie wir, wenn wir den jetzigen Moment pur und achtsam erleben, sehr vieles auf einmal begreifen können. Weil wir mit dem großen Ganzen verbunden sind. Das ist das, was ich beim Yoga spüre. Nach einer Yoga-Stunde fühle ich, dass ich so, wie ich erschaffen bin, vollkommen bin, und erlebe das Gefühl von innerer Weite und Grenzenlosigkeit.
SURYA. Wenn wir hoffen, denken wir an eine Welt, die besser ist und die in der Zukunft liegt. Wenn wir hoffen, sind wir nicht im Jetzt. Das leuchtet natürlich ein und ist ein wichtiger und wahrer Gedanke. Trotzdem kann ich mir ein Leben ohne Hoffnung nicht vorstellen. Ich würde in meinem Leben nur ungern ganz auf sie verzichten wollen. In Indien verehren viele Menschen den Sonnengott Surya. Die Sonne ist eine höhere Kraft. Die Sonne ist die Antriebskraft des Lebens. Sowie die HOFFNUNG für mich die Antriebskraft der Menschen ist.
VISHNU ist der Erhalter und Beschützer der Welt. Er unterstützt das Gute und bekämpft das Böse. Auf seinem Adler Garuda reitet Vishnu durch den Himmel und kommt nur dann hinuntergeflogen, wenn unten auf der Welt etwas im Argen liegt. Für mich passt dieses Bild von Vishnu, der über der Erde schwebt, gut zum Gefühl der STILLE: Denn die Stille beschützt uns. Sie hilft uns, den Überblick zu bewahren, unsere Möglichkeiten zu sehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Innere Stille ist Frieden – und Leichtigkeit. Gerade wenn ich einen hektischen Tag hatte, suche ich bei mir zu Hause die Stille. Setze mich auf meine Yogamatte und komme erst einmal an. Bei mir. Und der Quelle meiner inneren Ruhe.

Sie müssen sich nicht im Yogarausch verrenken, sich nicht auf den Kopf stellen. Ursula Karven übermittelt Ihnen Gedanken, tiefe Weisheiten aus dem Yoga, wie Sie sich von Zwängen befreien können. Sie brauchen dabei nichts, keine Räucherstäbchen, keine Rituale. Einfach hinsetzen und lesen und über die eigene Situation nachdenken. Ein einziges Wort kann alles verändern.

Deine 1. Übung
Vergeben heißt, ganz im Jetzt sein.
Vergeben bedeutet viel mehr als nur verzeihen. Vergebung ist etwas ganz anderes, sie geht viel tiefer. Sie ist auch ein Loslassen. Wenn wir den Groll loslassen, den wir gegen einen anderen hegen, befreien wir uns selbst vom Schmerz. Vergebung ist weise, weil sie unser Herz reinigt und den Geist frei macht. Sie ist eine sinnvolle Entscheidung, denn wer vergibt, beschließt, die Vergangenheit loszulassen. So führt die Vergebung in die Freiheit und Liebe des gegenwärtigen Augenblicks.

Deine 2. Übung
Der Zweifel hat zwei Gesichter
Manchmal heißt es im Yoga, der Zweifel sei eine Schwäche. Um das richtig zu verstehen, müssen wir genauer hinsehen. Es gibt nämlich zwei Arten von Zweifel. Das unentschlossene mentale Pendeln zwischen hier und dort kann am Ende dazu führen, dass wir gar nichts mehr tun. Unentschlossenheit, ein anderes Wort für diese Art des Zweifels, schwächt uns. Doch es gibt auch eine kluge Seite des Zweifels. Sie ermöglicht, neue Erfahrungen zu machen, ohne naiv jedem Unsinn auf den Leim zu gehen.

Deine 3. Übung
Den Neubeginn findest du in dir
Atha heißt JETZT, ist das erste Wort des Yogasutra. Die Idee ist, dass das Leben uns hierher geführt hat, an diesen Punkt, der nicht nur ein Zeitpunkt ist, sondern auch ein Wendepunkt: Yoga führt uns in unser Inneres, denn dort, sagen die Weisen, liegt das Geheimnis der Existenz verborgen. "Geh nicht hinaus in den Blumengarten!", ruft der Poet Kabir. "Der Blumengarten ist in deinem Körper." In den Blumengärten der Welt, will Kabir sagen, können wir tun und erreichen, so viel wir wollen. Doch die Antwort auf die großen Fragen des Lebens werden wir dort nicht finden. Jetzt also ist es so weit! Du wachst auf, wendest dich nach innen und beginnst die Suche. Und, so ist das Versprechen, du wirst finden, was du niemals verloren hast.

Deine 4. Übung
Höre den Klang der Stille
Ist die Welt von heute nicht das Gegenteil von Stille? Oft ist das Leben ein hektisches Rattenrennen, in dem einer den anderen zu überholen sucht und Entscheidungen so schnell getroffen werden müssen, dass man nicht einmal mehr die Zeit findet, in Ruhe über die Dinge nachzudenken. Wie können wir in dieser umtriebigen Welt Stille finden, gar unsere Essenz? Patanjali würde wohl sagen: Auf deinen inneren Frieden kommt es an, nicht so sehr darauf, ob auch das Außen still ist, denn das ist es nicht. Das Leben ist ein buntes Kaleidoskop von Erfahrungen. Dein innerer Friede hängt davon ab, wie du dich zu diesen Erfahrungen in Beziehung setzt: Wo du festhältst oder ablehnst, verlierst du die Stille. Eine weitere, konkrete Empfehlung würde er uns noch mit auf den Weg geben: Schaffe dir zu Hause eine Insel der Ruhe – und sei es nur ein kleines Eck in deinem Zimmer. Und spätabends oder frühmorgens, wenn die Welt noch schläft oder wann immer dir danach ist: Setze dich hin, und suche das Licht in deinem Herzen. Höre den Klang der Stille, und gib ihr Raum – in deinem Zimmer und in deinem Leben.

Deine 5. Übung
Die Sinne führen dich ins Jetzt
Die Sinne sind unsere Tore zur Welt. Anders als der Geist, der über Vergangenheit und Zukunft sinnieren kann und das auch allzu gerne tut, funktionieren die Sinne nur in der Gegenwart. Der Akt der Wahrnehmung geschieht immer jetzt. Nur jetzt kann ich sehen und fühlen, kann ich hören, schmecken und riechen. Nur jetzt kann ich leben. Die Sinne wurden uns sicher nicht geschenkt, um sie unbenutzt zu lassen, sondern damit wir die Welt durch sie erfahren. Nur eines, das sollten wir dabei nicht vergessen: Wir sind viel mehr als das, mehr als Sinne, mehr als Körper, mehr sogar als Geist – wir sind eins mit der über-sinnlichen Quelle, aus der wir kommen. Unsere Sinne sinn-voll zu leben, verlangt, sie achtsam zu nutzen. So kommen wir ins Jetzt.

Deine 6. Übung
Finde im Atem wieder heim zu dir
Atem ist Leben. Atem ist Geist. Nicht nur im Yoga fließt beides zusammen. Der Atem ist unser Verbündeter auf dem Weg zum inneren Licht. Ruht unsere Aufmerksamkeit auf dem Atem, dann sind wir bei uns, in uns, der Geist nicht hinausgeschleudert und verstrickt in die Welt. Atem ist Leben, Geist und Mitte. Er ist immer bei uns, begleitet und trägt, durchströmt und belebt uns. Er ist die Heiligkeit des Lebens selbst. Wenn wir jeden Tag achtsam atmen, und seien es nur ein paar Minuten, dann schaffen wir Raum für diese Heiligkeit. Und irgendwann finden wir das große Geheimnis in jener Stille, die zwischen Ein- und Ausatmung verborgen liegt.

Deine 7. Übung
Die Hoffnung raubt dir den Frieden
So vollkommen menschlich und verständlich es ist, dass wir Hoffnungen haben, so liegt doch auch ein Problem darin: Hoffnungen und Wünsche nehmen unserem Geist den Frieden im Jetzt, weil sie ihn an einen unvorhersehbaren Zustand in der Zukunft binden. Wir hoffen oder wünschen jetzt, dass die Dinge in unserem Leben sich in der Zukunft so oder so entwickeln, oder falls wir im Moment glücklich sind, so bleiben, wie sie sind. Woher nehmen wir eigentlich die Sicherheit, dass die Erfüllung unserer Wünsche, wirklich das Richtige für unseren Lebensweg ist? Was ist, wenn alles anders kommt als erhofft, erwünscht oder erwartet? Läge nicht viel mehr Frieden darin, das Leben jeden Moment so anzunehmen, wie es ist, ohne uns Hoffnungen für die Zukunft zu machen?

Deine 8. Übung
Mach dein Leben zur Meditation
Meditation ist im Grunde etwas sehr Einfaches: Wir üben, unsere Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand zu richten und sie dort zu halten. Es bleibt dabei ganz uns überlassen, welches Objekt wir wählen: den Atem, einen Klang, ein Bild, ein Gebet, ein Mantra – was immer uns anzieht. Das Prinzip ist also einfach, allein der Geist will nicht immer so wie wir: Er schweift dauernd ab und will andere Objekte greifen. Buddha verglich ihn einmal mit einem zappelnden Fisch, auch er hatte mit ihm zu kämpfen. Daran ist also nichts Verwerfliches. Wir holen den Geist einfach sanft wieder zurück zum Objekt der Meditation. Meditation ist eine Übung in Achtsamkeit, die man eigentlich überall und bei jeder Gelegenheit machen kann: Man versucht, klar im Moment zu sein, ausgerichtet auf das, was ansteht. Im Zen sagt man: "Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich." Alles kann zur Meditation werden.

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Weitere Informationen:

Ursula Karven ist dreifache Mutter, Schauspielerin, Unternehmerin und Yoga-Botschafterin. Bekannt aus vielen internationalen Kino- und Fernsehrollen. Als sie auf die Abhandlung des Philosophen Dr. Ralph Skuban über das Yogasutra von Patanjali stieß, bat sie ihn, mit ihr ein Buch zu schreiben („Loslassen. Yogaweisheiten für dich und überall“). Der Wissenschaftler und Autor leitete eine Einrichtung für Demenzkranke in Bayern.

www.ursula-karven.de
www.ralphskuban.de

Ursula Kargen und Dr. Ralph Skuban, Loslassen Yoga Weisheiten für dich und überall

Literaturangaben:

Ursula Karven
Dr. Ralph Skuban

Loslassen.
Yoga-Weisheiten für
dich und überall.

Arkana-Verlag

 

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Von Herz fuer Herz

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