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ENGELmagazin Autor Clemens Kuby

Kuby: “Ich trenne mich von allem”

Der Erfolgsfilmer und Bestsellerautor Clemens Kuby begann im Alter von 65 ein neues Leben.

Im Interview mit Chefredakteur des ENGELmagazins, Tonio Montel, spricht er über Religion, Heilung und seine Arbeit.

ENGELmagazin (EM): Du warst ja mal Buddhist, wie bist du darauf gekommen?

Clemens Kuby: „Auf Umwegen. Ich hatte ein Haus gekauft in einem ganz kleinen Dorf. Ich wollte auf dem Land mit der Natur leben. Die Leute im Dorf haben gesagt: ‘Dein Haus war früher unsere Wirtschaft, die musst du wieder aufmachen!’ Und dann stand ich eben da und hab immer am Abend so die 200 Bier gezapft, bis mein Unfall geschah, damals 1981 nachdem ich kurz vorher aus meiner Partei Die Grünen ausgestiegen war, weil 1980 der Erfolg mit der ersten auf Anhieb gewonnen Landtagswahl in Baden Württemberg das Ego vieler Parteifreunde so aufgeblasen hat, dass daraus ein abscheulicher interner Machtkampf wurde. Ich bin auf dem Dach meines Hauses ausgerutscht und 15 Meter in die Tiefe auf Asphalt gefallen. Ich war querschnittsgelähmt. Vor mir ein Leben im Rollstuhl.“ Clemens Kuby wird mit dem Hubschrauber von einem Krankenhaus ins andere gebracht. Sie geraten in ein Gewitter, Todesangst macht sich breit.

EM: Dieser Moment hat dich zum Nachdenken gebracht, sagst du. Er hat dich zu einer Umkehr in deinem Leben gebracht?

Kuby: „Nicht nur zum Nachdenken. Das hat mich zur Trennung von meiner ersten Frau gebracht. Wir hatten vier Jahre vor meinem Unfall ein gemeinsames Kind, das aber drei Tage nach der Geburt gestorben ist. Als der Hubschrauber im Gewitter so gebeutelt wurde und Hagelkörner auf uns niederprasselten, dachte ich: Es war alles verkehrt. In den letzten sieben Jahre war alles verkehrt. Ich trenne mich von allem.“

EM: Und das war auch der Schlüssel zu deiner Heilung?

Kuby: „Auch das“, sagt Clemens Kuby. „Zumindest das, was ich jetzt auch immer bei jeder Heilung sehe: Man muss seine Vergangenheit regeln. Also die Konflikte bereinigen. Dazu gehört ja auch immer eine größere Lebensveränderung. Ich sage in meinen Seminaren: ‘So dramatisch die Diagnose ist, so dramatisch muss die Lebensveränderung sein, damit Heilung geschieht.“

EM: Ok, kapiert, die Ursache haben wir jetzt. Aber deshalb steht keiner vom Rollstuhl auf, weil er weiß, was ihn da reinbrachte. Oder?

Kuby: „Das andere Problem bei mir war: Ich hatte kein Motiv, wofür ich gesund werden möchte. Es ist mir nichts eingefallen, überhaupt nichts. Ich lag da, gelähmt, und war zu einer Art Zwangsmeditation verurteilt. Und da kam ein Bild hoch: Ich möchte Leute kennenlernen, die keinen Strom haben, keine Straßen, kein weißes Mehl, keinen Zucker und die keine Touristen kennen. Zwei Tage später stand plötzlich mein Freund Fritz an meinem Bett. Ich sage zu ihm: ‘Du Fritz, ich habe eine neue Idee. Ich möchte Leute kennenlernen, die keine Straßen, keinen Strom haben … Er sagt: ‘Ja, die kenn ich! In Ladakh’. Nun hatte ich ein Ziel: Am nächsten Tag hat sich der erste Zeh gerührt.“

EM: Das war also der Anfang deiner Heilung, weil du ein Ziel hattest? 

Kuby: „Ich hatte ein Motiv, gesund zu werden! Ich will nach Ladakh! Ich wurde gesund, zwei Jahre später komme ich dann in Ladakh an, der Fritz war längst weg und ich musste mich alleine durchschlagen.“

Foto: EM/Archiv

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