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Dem Alltag einen Rhythmus geben

Mit Ritualen können wir unsere Lebenszeit strukturieren; Routinen unterstützen uns dabei, sie bestmöglich zu nutzen. Beides gemeinsam sorgt für einen mentalen Energiekick!

Ob es die morgendliche Meditation geht, die Tasse Tee am Abend, den Frühjahrsputz oder die alljährliche Familienfeier: In unserem Leben gibt es eine Fülle an Dingen, die wiederkehren, die wir regelmäßig oder mit einem ganz bestimmten Bewusstsein tun. Rituale und Gewohnheiten helfen uns, den Tag, das Jahr, sogar das ganze Leben zu strukturieren. Sie geben Halt, unterscheiden das Wesentliche vom Unwesentlichen und sorgen dafür, dass nichts Wichtiges vergessen wird. Wenn man ihre speziellen Kräfte gezielt einsetzt, lassen sich überraschende Erfahrungen machen.

Routine oder Ritual?
Im „normalen“ Sprachgebrauch wird oft nicht zwischen Gewohnheiten und Ritualen unterschieden. Dabei ist das, was ein Ritual von einer Routine unterscheidet, sehr wesentlich: das Bewusstsein. Wie achtsam wird die Sache ausgeführt, mit welchem Wissen um die ihre weiterreichende Bedeutung? Zähneputzen ist kein Ritual – wir machen es zwar täglich, aber nebenher, und verschwenden keinen weiteren Gedanken daran. Rauchen ist eine Gewohnheit; die letzte Zigarette, die bewusst geraucht wird, kann dagegen als Ritual des Abschieds, des Loslassens zelebriert werden. Meditation kann eine tägliche Routine sein, die zu bestimmten Anlässen, etwa bei Vollmond, als Ritual mit mehr Umsicht gestaltet wird: ein bestimmter Zeitpunkt, Kerzen, Blumenschmuck, eine besondere Musik, vielleicht auch gemeinsam mit anderen Menschen. Routine hilft sehr dabei, bestimmte Dinge zu erledigen, sie in unserem Alltag zu verankern – und vor allem: es regelmäßig zu tun -, denn man muss nicht über die Sache nachdenken, sondern tut sie automatisch. Ein Ritual, das ein Bewusstwerden der ausgeführten Handlung voraussetzt, hat in der Regel eine Bedeutung, die darüber hinaus reicht und symbolischen Charakter hat. Wenn es feierlich und in einem exakten Ablauf vollzogen wird, erweitert es sich zur Zeremonie.

Ausnahmezustand im Alltag
Autorin Lore Galitz stellt fest, dass ein Ritual als wiederkehrende, im Ablauf klar definierte Handlungsabfolge „innere Ruhe, Halt und Stabilität“ bringt, aber durch das Heraustreten aus dem Alltag in einen Ausnahmezustand auch wesentlich mehr: „Es schafft einen geschützten Raum der Konzentration und Intensität, durch den Sie sich zentrieren und in tiefere Verbindung kommen können: zu sich selbst und den Sie umgebenen Kräften und Energien.“ In dieser Verbindung liegt für die Ritualmeisterin die Wirkkraft eines Rituals, die uns in Bezug setzt zur übergeordneten Ordnung des Kosmos und so ein ein zentriertes, sinnerfülltes Leben schaffen kann. Ein Ritual setzt einen Kontrapunkt zur „Beliebigkeit unseres Seins“, ist ein „alltagstauglicher Weg zum Innehalten und inneren Loslassen.“ Es erfüllt unsere Sehnsucht, das, was ist, wahrzunehmen und zu würdigen. Damit ein Ritual seine Kraft – auch und gerade in unserem Unbewussten – entfaltet, muss es uns auf der Gefühlsebene erreichen. Dafür werden Handlungen mit Symbolen verwoben, ob nun das Anlegen des Eherings bei einer Heirat oder das Verbrennen einer Strohpuppe zur Vertreibung des Winters. Die stete Wiederholung – individuell und einmalig, wie bei der Eheschließung, oder kollektiv und regelmäßig wie bei bei Frühlingsbräuchen – lädt diese Geste mit Bedeutung auf und verankert sie in uns oder unserer Kultur.

 Galitz nennt als grundlegende Bestandteile eines Rituals die klare Absicht, den geschützten Raum, die innere Zentrierung, den Ablauf und die Anbindung an eine höhere Ordnung. Auf Grundlage dieses Wissens, unter Verwendung der Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft und universaler sowie individueller Symbole und Gestik lassen sich so individuelle Rituale für jeden bestimmten Zweck entwickeln, die eine besondere Kraft geben – gleich, ob es sich um einen Neuanfang, einen Abschluss oder Abschied, Reinigung oder Manifestation von Wünschen handelt. Rituale „schaffen den konzentrierten Freiraum, in dem ein Innehalten, ein Wahrnehmen und Würdigen möglich ist.“

Über die Autorin

Über die Autorin

Martina Pahr lebt vom Schreiben und in München, und zwar beides sehr gern. Den Sommer verbringt sie meist im schottischen Findhorn, den Winter in Asien. Zu den Themen, über die sie für diverse Magazine im In- und Ausland schreibt, gehören persönliche Macht, Eigenverantwortung und Selbstwert – wie auch in ihrem jüngsten Ratgeber: „Sorg’ für dich selbst, sonst sorgt sich kein keiner!”
www.martinapahr.de

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