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    Pierre Franckh: Was brauchen wir?

    In dieser leistungsorientierten Welt gelingt es uns immer weniger, zu entspannen und uns dem Nichtstun hinzugeben, wir unterwerfen uns stattdessen einer nie endenden Betriebsamkeit. Wir scheinen ohne Leistung gar nicht mehr leben zu können. Sobald wir einen Moment nichts tun, kommen wir uns wertlos vor, meint Pierre Franckh.

    In Wahrheit haben wir durch unser suchtartiges Verhalten längst jegliche Orientierung verloren. Gehetzt von der eigenen Triebhaftigkeit, werden wir von Tag zu Tag unzufriedener. In unseren Kellern und Kammern sammeln sich immer mehr nutzlose, abgelegte Waren an. Denn wir benötigen bereits Neues, bevor wir das Alte überhaupt ausgiebig genossen haben.
    Wir fühlen uns gehetzt, müde, überfordert und abgespannt. Selbst in unserer Freizeit stehen wir unter Druck und Stress.
    In Wahrheit entfernen wir uns bei dieser zwanghaften Suche immer mehr vom Glück.
    Warum wollen wir dann noch immer mehr? Selbst wenn wir unsere Ziele endlich erreicht haben?

    Ganz einfach: Suchtartiges Verhalten löst sich nicht einfach in Luft auf, wenn wir unsere ersten Ziele erreicht haben. Suchtartiges Verhalten sucht nach neuen Zielen. Wenn sich das eigentliche Glück, das wir uns erhofft hatten, nicht einstellt, sammeln wir noch mehr Geld, noch mehr Macht, noch mehr Prestige. Wir alle kennen Politiker, die selbst im hohen Rentenalter nicht auf ihre Ämter verzichten können. Manager, die trotz ihrer vielen Millionen noch immer glauben, zu wenig Geld zu verdienen. Makler, Spekulanten, deren Gewinn und Freude darin besteht, andere zu übervorteilen. Suchtartiges Verhalten lässt uns niemals genug haben.
    Immer wenn wir glauben, dass wir dringend etwas benötigen, unterliegen wir dieser Sucht. In Wahrheit brauchen wir unglaublich wenig, um glücklich und zufrieden leben zu können. Was benötigen wir schon wirklich?

    Neunzig Prozent der Menschheit wäre glücklich, wenn sie das in ihrem Leben erreicht hätte, was wir bereits besitzen oder geschaffen haben. Wir nicht. Kein Wunder. Wir verhalten uns ja auch wie Suchtkranke. Und wie allen Suchtkranken kommt auch uns mit der Zeit jeglicher Realitätssinn abhanden. Wie jeder andere Suchtkranke auch verlieren wir immer mehr den Kontakt zu unserer Familie. Und so gibt es immer mehr Singles, allein und anonym in der Großstadt, abgeschnitten und weit entfernt von ihren Familien, auf der Suche nach Glück.

    Selbst eine Partnerschaft unterliegt heute ganz bestimmten Leistungskriterien. Dass wir die meisten davon selbst nicht erfüllen können, spielt für uns dabei keine Rolle. Oft genug verlässt man sogar lang gewachsene Beziehungen und wendet sich einem jüngeren, attraktiveren Partner zu, weil er einem nicht nur die Wiederkehr der Jugend verspricht, sondern auch das Ansehen und die Bewunderung seiner Mitmenschen. Und weil uns all das nicht wirklich glücklich macht, nimmt die Sehnsucht nach Glück immer weiter zu. Und schon unternehmen wir noch mehr, um endlich dieses in weiter Ferne liegende Ziel zu erreichen. Allerdings setzen wir noch immer die vollkommen falschen Mittel ein.
    Was du nun ändern sollst? Zunächst genügt es vollkommen zu erkennen, dass du dich in Wahrheit wie ein Suchtkranker verhältst.

    Wenn du möchtest, kannst du auch jedesmal, wenn du wieder wütend oder ärgerlich wirst, enttäuscht oder traurig, aufbrausend oder kämpferisch bist, einmal überprüfen, wie dieses Gefühl entstanden ist. Was war der eigentliche Auslöser dafür?
    Zunächst wirst du den Fehler bei den anderen suchen. Aber wenn du genauer hinsiehst, wirst du erkennen, dass hinter diesem Gefühl stets eine Forderung von dir steckt, die ein anderer erfüllen soll.

    Wenn du also wieder einmal glaubst, etwas unbedingt bekommen zu wollen – Sex, Geld, Zuneigung, Anerkennung, Macht, oder irgendeinen schönen begehrenswerten Gegenstand, der für Glück steht – erkenne einfach, dass du gerade wieder von einem alten Programm gesteuert wirst.
    Tatsache ist jedenfalls, dass, wenn wir mit dem kleinen Bildschirm, mit der kleinen Kamera nicht zufrieden und glücklich sind, wir es mit dem technisch wesentlich besseren und neueren Teil auch nicht sein werden.

    Pierre Franckh ist SPIEGEL- und FOCUS-Bestsellerautor.
    Er ist mit Michaela Merten – ebenfalls Bestsellerautorin und Coach – verheiratet. Gemeinsam haben sie die Online-Academy & Community: www.Happiness-House.de gegründet, eine Plattform für Persönlichkeitsentwicklung.
    Mehr Informationen: www.Pierre-Franckh.dewww.Michaela-Merten.de

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