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Wie du Streithammeln ganz schnell den Wind aus den Segeln nimmst

Diese fünf Techniken machen dich stark und beruhigen schnell streitsüchtige Mitmenschen.

Familienstreitereien, Ärger am Arbeitsplatz bis hin zu politischen Konflikten können mit einer einfachen Methode erfolgreich gemeistert werden. Die Grundlage dafür bilden emotionale Intelligenz und die Kunst des Zuhörens. Als Mitbegründer des “Prison of Peace”-Projekts und durch seine Arbeit mit Häftlingen in kalifornischen Hochsicherheitsgefängnissen kommt Rechtsanwalt Douglas E. Noll zu dem Schluss, dass wir statt auf die Worte auf die Gefühle der anderen hören müssen. Mit der Wahrnehmung und der Widerspiegelung der Gefühle des Gegenübers lässt sich das eigentliche Problem hinter dem Streit ergründen und eine Problemlösung herbeiführen.

 

Warum akzeptieren so viele Menschen Gewalt als Lösungsweg für Streitigkeiten?

Douglas E. Noll: Menschen akzeptieren Gewalt als Lösungsweg für Streitigkeiten, weil sie oft nicht wissen, dass sie Alternativen haben. Zudem neigen Menschen, die durch ihre Erziehung und ihre Umwelt auf Gewalt programmiert sind, dazu, auf Gewalt zurückzugreifen, um Konflikte beizulegen, anstatt auf friedliche Wege. Wir sollten daran denken, dass gewalttätige Killer nicht als solche geboren werden, sondern dass sie durch äußere Umstände dazu gemacht werden.

Ist es nicht wahr, dass der Stärkere oder jener, der Druck ausübt, normalerweise gewinnt?

Douglas E. Noll: Normalerweise nicht. Beispielsweise im Tai-Chi, der ältesten Kampfkunst, gilt: je schwächer du bist, desto stärker bist du, und je verletzlicher du bist, desto mächtiger bist du. Ein Tai-Chi-Meister kann einen stärkeren Gegner jeder Zeit durch Nachgiebigkeit und Verletzlichkeit besiegen. Das gleiche gilt für viele andere Konflikte. Natürlich kann es sein, dass man angesichts von Aggression und Gewalt zum Schutz Gegengewalt einsetzen muss. Dennoch erreichen Gewalt und Aggressivität als offensive Strategie selten die beabsichtigten Ergebnisse.

Was sind die fünf Techniken für emotional intelligente Streitlösungen?

Douglas E. Noll: Emotionale Intelligenz beschreibt fünf verschiedene Fähigkeiten: erstens das Bewusstsein für die eigenen emotionalen Erfahrungen, zweitens die Fähigkeit, die eigenen Gefühle anzupassen, drittens die Fähigkeit, auch entgegen der eigenen Emotionen zu handeln, viertens die Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen zu erkennen, und fünftens die Fähigkeit, sich emphatisch auf andere einzulassen,

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten zur Deeskalation?

Douglas E. Noll: Die grundsätzliche Fähigkeit, die ich unterrichte, besteht aus drei Schritten: Ignorieren Sie die Worte des anderen, versuchen Sie seine Gefühle einzuschätzen und reflektieren Sie seine Emotionen mit einfachen Du-Aussagen, wie „Du fühlst dich nicht verstanden“. Wenn diese 3-Schritte-Methode richtig eingesetzt wird, kann sie eine verärgerte Person in 45 bis 90 Sekunden beruhigen.

Gibt es verschiedene Methoden der Deeskalation? Beispielsweise im Hinblick auf unempfängliche Jugendliche oder Ehepartner, die vor einer Scheidung stehen?

Douglas E. Noll: Nein. Die Grundfertigkeit zur Streitschlichtung funktioniert sowohl bei unempfänglichen Jugendlichen, bei wütenden Ex-Ehepartnern oder bei anderweitig verärgerten, aufgeregten Personen. Das menschliche Gehirn ist fest programmiert, wie es Informationen empfängt, und entsprechend gibt es ebenfalls allgemein-gültige Möglichkeiten, wie unser emotionales Zentrum beruhigt werden kann.

Wenn wir streiten, geben wir gerne dem anderen die Schuld. Warum?

Douglas E. Noll: Dies hat dem Selbstwertgefühl und dem Wahren des Gesichts zu tun. Wir sind darauf konditioniert, für unsere Fehler keine Verantwortung zu übernehmen. Wir fühlen Scham und Schuld für unsere eigenen Fehler, was oft schmerzhaft genug ist. Folglich neigen wir dazu, Verantwortung anderen in die Schuhe zu schieben. Persönliche Verantwortung für die eigenen Fehler anzuerkennen, erfordert ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz und einem starken Selbstwertgefühl.

Gibt es so etwas wie einen guten Streit oder ist Streit per se negativ?

Douglas E. Noll: Ich glaube nicht, dass Streit je gut sein kann. Alle empirischen Beweise zeigen, dass Streiten und Konflikte schlecht für die Gesundheit sind. Studien in den USA und in Dänemark haben belegt, dass Streit in Familien zu frühem Tod durch eine Vielzahl an Krankheiten und Süchten führen kann.

Der eine ist ruhig, der andere hitzig. Wie kann man gegen seine Natur ankommen?

Douglas E. Noll: Persönlichkeit ist nur teilweise genetisch bedingt und meist durch unsere Umwelt mitbestimmt. Das heißt, unsere Persönlichkeiten werden durch unser frühes Lernumfeld als Säuglinge und Kleinkinder in uns programmiert. Wir mögen auf bestimmte Charaktereigenschaften prädisponiert sein, jedoch werden diese Eigenschaften vielmehr durch unsere Umwelt aktiviert oder gehemmt. Die gute Nachricht ist, dass jene, die sich ändern möchten, ihren Verstand umprogrammieren können. Für manche ist dieser Prozess einfach, für andere dagegen sehr schmerzhaft und schwierig.

Kann ein richtiger emotionaler Ausbruch nicht auch einen reinigenden Effekt haben?

Douglas E. Noll: Meinungsverschiedenheiten sollten immer zivilisiert ablaufen und es gibt keine Entschuldig für Unhöflichkeit, Respektlosigkeit oder Grobheit. Es ist ein großer Mythos, dass ein echter emotionaler Ausbruch kathartisch oder reinigend sei. Dies basiert auf in Verruf gebrachten Ideen Freuds, die ihre Gültigkeit schon vor einigen Jahrzehnten eingebüßt haben. Nichtsdestotrotz gilt in der Laienpsychologie weiterhin, dass seinem Ärger Luft zu machen der richtige Weg ist, mit Gefühlen umzugehen. Die empirische Beweisführung zeigt aber das Gegenteil. Der effektivste Weg, um mit starken Emotionen fertig zu werden, ist, diese zu reflektieren.

Kleinere Kinder haben manchmal Phasen, in denen sie absolut trotzig sind. Wenn gutes Zureden nicht hilft, was soll man dann machen?

Douglas E. Noll: Ich unterrichte, dass man zuerst für die Deeskalation der Emotionen des Kindes sorgen sollte, danach kann man das Problem lösen. Falls man versucht, die Probleme vor der Deeskalation zu lösen, wird das Kind nicht in der Lage sein, zuzuhören, und wird mit seinem Trotzanfall weitermachen. Falls die Deeskalation bei dem Kind gelingt, hat man eine viel bessere Chance, eine dauerhafte Lehre zu erteilen.

Buch-Tipp

Douglas E. Noll
Die elegante Art, Hitzköpfe und andere Streithammel zu beruhigen
Verlag: Scorpio
ISBN: 978-3-95803-140-1

Über den Autor

Über den Autor

Douglas E. Noll ist ein preisgekrönter Autor, Mediator und Trainer für die Entwicklung von Führungsqualitäten. Nach 22 Jahren beendete er seine erfolgreiche Karriere als Rechtsanwalt, um Friedensstifter zu werden. Er ist Mitbegründer des “Prison of Peace” und hilft Menschen weltweit, schwere und emotional tief verankerte Probleme zu lösen. Er lebt mit seiner Frau in Kalifornien.
www.dougnoll.com

 

 

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