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Warum ich deine Schwächen so liebe

Schwächen verbinden, weil sie oft mehr über unsere Gefühle sagen als die Perfektion, so der buddhistische Lehrer Haemin Sunim

Selbst wenn wir in einer Welt der Unvollkommenheit leben, können wir nicht aufhören, sie zu lieben. Unser Leben ist einfach zu wertvoll, um es mit Hass und Abneigung gegenüber Dingen anzufüllen, die uns nicht gefallen oder die wir nicht verstehen.

Wenn wir auf spiritueller Ebene reifer werden, entwickeln wir mehr Mitgefühl und lernen die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Dies lehrt uns wiederum, der Unvollkommenheit, unserer und die der anderen, mit mehr Nachsicht zu begegnen. Auf diese Weise können wir unser Leben so betrachten, wie eine Mutter liebevoll ihr Kind ansieht. Hast du schon davon gehört, dass eine Umarmung das Leben angeblich um einen Tag verlängert? Zwar lässt sich das nicht beweisen, aber niemandem wird es schwerfallen, die Botschaft in dieser Aussage zu verstehen. In harten Zeiten hilft eine spontane, liebevolle Umarmung mehr als vernünftige Erklärungen.

In meiner Anfangszeit in Amerika dauerte es lange, bis ich mich an die westlichen Begrüßungsrituale gewöhnt hatte. Wir Koreaner begrüßen uns, indem wir höflich den Kopf neigen. Unter den verschiedenen Begrüßungsformen war die Umarmung für mich die ungewohnteste. Vor allem als Mönch schämte ich mich, und es erschien mir ebenso befremdlich wie belastend, anstatt mit gefalteten Händen eine Verbeugung zu vollführen, jemanden mit weit geöffneten Armen an den Körper zu drücken. Nach einiger Zeit konnte ich gute Freunde und Kollegen zwanglos beim Abschied umarmen, da zu meinem eigenen Erstaunen die anfängliche Unbeholfenheit nach und nach verschwunden und einem Gefühl von enger Verbundenheit, Vertrautheit und Herzlichkeit gewichen war. Dem Psychologen Anthony Grant von der Sidney-Universität zufolge blockieren Umarmungen die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, stärken das Immunsystem, senken den Blutdruck und reduzieren wirksam psychische Ängste und das Gefühl von Einsamkeit.

Sich diese kurze Zeit für geliebte Menschen zu nehmen wirkt Wunder, wenn es darum geht, eine gewisse Schutzhülle gegen den alltäglichen Stress aufzubauen. Als Mönch gibt es für mich Zeiten, in denen es meine Aufgabe ist, Menschen eine solche Schutzhülle zu geben. Ich erinnere mich noch an eine Frau, die bei einer meiner Lesungen war. Es kamen ihr plötzlich die Tränen und sie sagte mir: „Haemin Sunim, mein Mann ist vor zwei Monaten bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ich war so geschockt, dass ich den ganzen Tag nur zu Hause blieb und apathisch herumsaß.“

Buchtipp

Haemin Sunim
“Die Liebe zu den nicht perfekten Dingen”
Verlag: Scorpio Verlag
ISBN: 978-3-95803-159-3
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