Interview: Mit Daniel Meurois zu seiner Neuerscheinung „Hinter Meryems Schleier“

Ein Interview mit Daniel Meurois zu seiner Neuerscheinung

Frage: Warum ist es heute wichtig, dass die Menschen vom Leben der Maria (Meryem) erfahren?

Daniel Meurois: Die Kirche räumt ihr im Allgemeinen keinen großen Platz ein. Sie wird als Mutter von Jesus (Jeshua) beschrieben. Wir wissen, dass Jeshua durch den Christus, der ihn in überschattete, eine Aufgabe von kosmischer Dimension ausführte. Aber was war die Aufgabe von Meryem?

Anhand der Erfahrungen, die ich ich in der Akasha-Chronik sammeln konnte, wird wiederholt deutlich, dass beide von demselben Geist ausgegangen sind, von einem Geist, der sich in zwei Seelen von außergewöhnlicher Dimension aufgeteilt hat, um eine Mission zu erfüllen. Umso bedauerlicher ist es, dass in den klassischen Evangelien überhaupt nichts von der kosmischen Rolle steht, die Maria gespielt hat. Ihr Name wird hier nur wenige Male erwähnt.

Frage: Zunächst hatte sie ja eine außergewöhnliche Kindheit als »weiße Taube«, d. h. als Vestalin der Essener Bruderschaft …

Daniel Meurois: Ja, sie hatte die Aufgabe, das heilige Feuer der Essener-Bruderschaft zu bewahren. Das war eine jahrhundertealte Tradition: Ein junges Mädchen wurde nach bestimmten Kriterien aus diesen Gemeinschaften in Galiläa ausgewählt und dann aus ihrer Familie herausgenommen. Vom Alter von sechs Jahren bis zur Pubertät hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihnen. Sie wurde regelmäßig in eine Einweihungslehre unterwiesen und lernte, das heilige Feuer im Tempel nach einer Reihe von Ritualen zu bewahren. Dies verlieh dem betreffenden Mädchen eine ganz einzigartige Bewusstseinstiefe.

Frage: Wie würden Sie die Persönlichkeit Meryems beschreiben?

Daniel Meurois: Sie hatte etwas offensichtlich sehr Sanftes an sich, aber gleichzeitig besaß sie eine ziemlich außergewöhnliche Fähigkeit zur Rebellion. Zudem war Meryem von einer tiefen spirituellen Sehnsucht erfüllt, die sie durch ihre Art zu sein und durch das Wissen über die Flamme, das sie in ihrer Kindheit erhalten hatte, vermittelte. Auch war es erstaunlich, die Beziehung zwischen ihr und ihrem Mann Josef zu sehen, der ein Hohepriester der Essener-Bruderschaft war. Beeindruckend war auch ihre Zeit in Ephesus in Griechenland, wohin es sie wenige Jahre nach der Kreuzigung zusammen mit dem Jünger Johannes verschlug. Dort fühlte sie sich verpflichtet, nicht auf missionierende Weise über die Lehre Jeshuas zu sprechen, denn dadurch wäre diese schnell zu einem Dogma entartet. Vielmehr drängte ihr sanftes Wesen sie dazu, einfach von einem Menschen zu sprechen, den sie gekannt und der dieses gesagt und jenes ausgestrahlt hatte … Sein Name spielte keine Rolle! Er rief einfach nur zur Liebe auf. Es ist einfach auf diese Weise, dass sie das Wirken Jeshuas verkündete.

Frage: Es gibt nicht viel Geschriebenes zu diesem Thema.

Daniel Meurois: Ich glaube, es gibt überhaupt keine schriftlichen Grundlagen hierzu! Natürlich bin ich mir bewusst, dass es in meinem Buch Dinge gibt, die manche Menschen schockieren können. Denn wir begeben uns hier in eine Art kosmische Dimension, die sich durch eine Frau ausdrückt, von der letztlich niemand etwas weiß. Sie entspricht ganz und gar nicht dem Bild von der sogeannten Heilige Jungfrau des Katholizismus, die die Hände zum Gebet faltet und bei ihrem Sohn für dieses oder jenes Fürbitte einlegt. Bei Meryem handelt es sich in Wirklichkeit um einen Avatar, ebenso wie ihr Sohn Jeshua einer war.

Frage: Dem Buch ist zu entnehmen, dass Meryem einen hohen Anspruch an sich selbst hatte.

Daniel Meurois: Ja, das war ein Anspruch, der an den ihres Sohnes erinnert, sich immer wieder in Frage zu stellen, sich immer mehr abzuverlangen. Ebenso vermochte sie sich, ohne mit der Wimper zu zucken, den Mächten der Finsternis zu stellen. Im fortgeschrittenen Alter wird Meryem konkret mit der Welt der Archonten konfrontiert, die das illusorische Universum erzeugen, in dem sich unsere Menschheit befindet. Meryem konfrontiert diese Kräfte mit einer Stärke, die man bei einer Frau dieser Sensibilität nicht vermutet hätte. Und im selben Zuge sehen wir, dass sie ein Leben als Frau gelebt hat. Sie war ein inkarniertes Wesen, das mehrere Kinder hatte und weitere Kinder adoptiert hat. Sie hatte diese Fähigkeit in sich, eine universelle Mutter zu sein.

Frage: Ihre menschliche Seite hat mich wirklich berührt …

Daniel Meurois: Ja, die menschliche Seite ist wichtig! Sie ist eine innere Stärke, die dafür sorgt, dass wir trotz der Schwierigkeiten, die jedes inkarnierte Leben mit sich bringt, zentriert und auf einer hohen Ebene bleiben. In ihren Lehren vermittelte Meryem vor allem Freude und Zärtlichkeit. Sie sprach von der Wichtigkeit, immer offene Hände zu haben und bereit zu sein, damit alles zu empfangen.

Frage: War auch das Gebet in ihrem Leben präsent ?

Daniel Meurois: Ja, aber das Gebet ist nicht etwas, was wir uns gewöhnlich darunter vorstellen, es ist nicht das Bitten um etwas. Äußerlich mag es so aussehen, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine Vereinigung des Bewusstseins mit dem Göttlichen. Meryem nahm keine Bittstellerhaltung ein, denn für sie war das Gebet vor allem eine Verschmelzung: „Mein Gott, lass geschehen, was geschehen muss. Ich stehe dir vollkommen zur Verfügung …“

Frage: Das Buch zeigt auf, dass eine tiefe Verbindung zwischen Meryem und Isis besteht …

Daniel Meurois: Ja, sie entdeckt sich selbst als die Reinkarnation der Isis, die im Alten Ägypten verehrt wurde. Das ist ziemlich außergewöhnlich. Wenn man die Statuen der Isis betrachtet, sieht man eine Frau, die auf einem steinernen Thron sitzt, mit ihrem Kind auf dem Schoß. Das entspricht genau dem Bild der Jungfrau Maria mit ihrem Kind, wie es in der christlichen Tradition oft dargestellt wurde.

Frage: Wie war es für Meryem, von der Mutter zur Jüngerin zu werden?

Daniel Meurois: Manchmal fiel es ihr schwer, sich zu positionieren.  „Soll ich mich als seine Mutter zu erkennen geben oder habe ich einfach nur die Rolle einer Jüngerin?“ Diese ganze Phase des öffentlichen Lebens von Jeshua war für sie sehr schwierig. Wochenlang wussten viele Menschen am Ufer des Sees von Tiberias nicht, dass sie die Mutter von Jeshua war.

J.-C.:  Was erhoffst du dir für die Menschen, die dieses Buch lesen werden?

Daniel Meurois: Sie werden von einer Frau erfahren, die kosmische Weiblichkeit und mütterlicher Zärtlichkeit verkörpert. Ich hoffe, dass meine Leser dadurch wachsen werden. Im selben Zuge bin ich mir bewusst, dass dieses vorliegende Buch wie auch andere meiner Bücher nicht für die Gegenwart verfasst wurden. Sie wurden für die nächsten zwei oder drei Jahrhunderte geschrieben. Sie werden wohl erst dann ihren vollen Wert entfalten …

Daniel Meurois:

Hinter Meryems Schleier. Das geheime Leben von Maria.

Silberschnur Verlag,

448 Seiten, gebunden, 30 Euro

ISBN: 978-3969331330

 

Engelmagazin

Engelwege

Meist gelesen