Zwischen Heiligabend und Dreikönig liegen die Rauhnächte. Viele möchten sie bewusst erleben und haben dann Sorge, etwas falsch zu machen. Die Kartenlegerin Simone Posch erzählt, was hinter den zwölf Nächten steckt und warum ein Zettel und ein paar ruhige Minuten am Abend völlig reichen.
Muss ich jeden Abend räuchern? Was ist, wenn ich eine Nacht verpasse? Brauche ich dafür besondere Karten?
Viele Frauen freuen sich auf die Rauhnächte. Und dann wird aus der Vorfreude ganz schnell eine Liste. Noch etwas, das man richtig machen muss, mitten in der vollsten Zeit des Jahres.
Ich kenne dieses Gefühl, allerdings von einer anderen Seite. Als ich vor vielen Jahren großen Liebeskummer hatte, habe ich gewünscht, und zwar streng nach Plan. Ich habe Bücher gelesen und versucht, alles genau so zu machen, wie es drinstand. Jeden Abend habe ich dieselben Sätze aufgeschrieben, wie es sein soll. Immer wieder dieselben. Und wenn sich nichts getan hat, habe ich den Fehler bei mir gesucht. War ich nicht diszipliniert genug?
Heute sehe ich das anders. Wünschen darf kein Zwang sein. Wir müssen nichts tun, damit unsere Wünsche erfüllt werden. Wir dürfen uns sofort glücklich fühlen, egal wie es außen aussieht, und wir dürfen uns auch schlecht fühlen. Genau so möchte ich dir die Rauhnächte ans Herz legen.
Was die zwölf Nächte bedeuten
Ob du Rauhnächte schreibst oder Raunächte, gemeint ist dasselbe. Woher der Name kommt, wird unterschiedlich erzählt. Manche denken an das Räuchern, das in vielen Gegenden Brauch war. Andere an die rauen, dunklen Winternächte.
Eine Erklärung, die ich besonders mag, hat mit dem Kalender zu tun. Rechnet man nur nach dem Mond, ist ein Jahr elf Tage kürzer als das Sonnenjahr. Diese Lücke füllen der Überlieferung nach die zwölf Nächte. Sie gehören keinem Monat ganz, darum heißen sie auch die Zeit zwischen den Jahren.
Nach altem Brauch steht jede dieser Nächte für einen Monat des neuen Jahres. Die erste Nacht steht für den Januar, die zweite für den Februar, und so geht es weiter bis zur zwölften Nacht, die für den Dezember steht. Früher hat man in diesen Nächten genau hingehört. Man hat sich die Träume gemerkt, aufs Wetter geachtet und die schwere Arbeit ruhen lassen.
Wann die Nächte beginnen, wird nicht überall gleich gezählt. Sehr verbreitet ist die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember als erste Nacht. Dann ist die Nacht vom 4. auf den 5. Januar die zwölfte, und die Nacht auf den 6. Januar ist der Abschluss. Andere fangen erst einen Tag später an, und manche schon mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember. Es gibt da kein Richtig und kein Falsch. Nimm die Zählweise, die sich für dich stimmig anfühlt, und bleib dann dabei.
Der Mond in diesem Winter
In diesem Winter lohnt sich ein Blick zum Mond. Die Rauhnächte 2026/27 haben eine Besonderheit: In der Nacht auf den 24. Dezember ist Vollmond, im Zeichen Krebs. Der Krebs gilt in der Astrologie als das Zeichen von Zuhause und Familie. Passender könnte ein Weihnachtsvollmond kaum sein.
Von da an wird der Mond jede Nacht ein bisschen schmaler. Alle zwölf Rauhnächte liegen also im abnehmenden Mond. Das ist in der Mondlehre die Zeit zum Aufräumen und Abgeben. Am 7. Januar ist dann Neumond im Steinbock, und der Himmel ist dunkel und frei für etwas Neues.
So begleitest du die Nächte
Du brauchst dafür nichts zu kaufen. Ein Heft oder ein paar Blätter reichen, dazu ein Stift.
Am Abend. Nimm dir ein paar ruhige Minuten. Schreib oben auf die Seite, für welchen Monat diese Nacht steht. Dann darfst du dich fragen: Was wünsche ich mir für diesen Monat? Und wie würde sich das anfühlen? Wenn du magst, zündest du eine Kerze an. Lass sie dann bitte nicht allein brennen. Ein kleines Licht in einem Glas tut es genauso. Räuchern kannst du, wenn es dir guttut. Nötig ist es nicht.
Wenn du Karten hast. Leg dir am Abend eine Karte für den Monat dieser Nacht. Das kann ein Tarot sein, ein Lenormand oder deine Engelkarten. Du musst sie nicht deuten können. Schau sie einfach an und schreib auf, was dir als Erstes auffällt. Eine Farbe oder ein Gefühl. Als Kind haben mich an den Karten meiner Mama vor allem die Bildchen fasziniert. Das reicht als Anfang.
Am Morgen danach. Schreib deinen Traum auf, bevor der Tag ihn mitnimmt. Ein Satz reicht. Am Abend kannst du dazuschreiben, wie es dir ging und was dir begegnet ist. Was dir das alles bedeutet, entscheidest du.
Wenn du eine Nacht verpasst. Dann ist das so. Das Leben ist zwischen den Jahren oft laut, mit Besuch und vollen Tischen. Fang einfach mit der Nacht an, in der du gerade bist. Die Rauhnächte laufen dir nicht davon, und niemand führt eine Strichliste.
Die 13 Wünsche
Ein Brauch, den viele lieben, sind die 13 Wünsche. Vor der ersten Nacht schreibst du 13 Wünsche auf 13 kleine Zettel. Du faltest sie, mischst sie und legst sie weg, ohne hineinzuschauen.
In jeder der zwölf Nächte nimmst du einen Zettel und liest ihn nicht. Du gibst ihn ab. Viele verbrennen ihn, dann bitte in einer feuerfesten Schale und nie unbeaufsichtigt. Du kannst ihn genauso gut in eine kleine Schachtel legen und ihn dort lassen. Dann gehört er nicht mehr dir, sondern dem Himmel, deinen Engeln oder dem Leben, je nachdem, was dir nah ist.
Am 6. Januar ist ein Zettel übrig. Den öffnest du. Um diesen dreizehnten Wunsch darfst du dich selbst kümmern.
Für mich passt dieser Brauch sehr gut zu dem, was ich heute übers Wünschen denke. Du weißt nicht, welcher Wunsch gerade dran ist. Du gibst das Wie und das Wann aus der Hand. Versprechen kann dir dabei niemand etwas, ich auch nicht. Aber du hast in diesen zwölf Nächten zum ersten Mal seit Langem in Ruhe hingeschaut, was du dir eigentlich wünschst.
In meinen Beratungen geht es fast immer um die Liebe. Viele Frauen fragen mich, ob da überhaupt noch ein Mann kommt. Wenn das auch deine Frage ist, dann schreib auf deinen Zettel nicht nur einen Namen. Schreib, wie sich die Liebe anfühlen soll. Gesehen werden. Sich fallen lassen können. Das ist oft der ehrlichere Wunsch.
Wenn es schwer wird
Manchmal kommt in diesen stillen Nächten etwas hoch. Eine Erinnerung oder ein Mensch, der dir fehlt. Das darf da sein. Du musst in den Rauhnächten nicht ständig dankbar und gut gelaunt sein. Setz dich hin, lass das Gefühl da sein, und wenn du magst, schreib es auf.
Ich weiß, das klingt manchmal leichter, als es ist. Aber es geht vorbei. Es geht immer vorbei, und es verändert sich immer.
Und am Neumond
Ein Astrologe hat einmal zu mir gesagt: „Sag doch mal dem Mond deine Wünsche.“ Der Satz ist mir geblieben, weil er so leicht klingt. Kein Plan, keine Methode. Vielleicht magst du das am 7. Januar ausprobieren, am Neumond nach den Rauhnächten. Schau in deine Notizen, nimm den Wunsch, der dich am meisten berührt, und sag ihn dem Mond. Laut oder leise. Mehr musst du nicht tun.
Über die Autorin

Simone Posch legt seit 2012 Karten, später kam eine tiefgehende Astrologie-Ausbildung dazu. Auf die Karten wurde sie schon als Kind durch ihre Mutter aufmerksam. Unter ihrem Autorinnennamen Die Sternenleserin erscheint am 7. Januar 2027, dem Neumond nach den Rauhnächten, ihr erstes Buch „Liebe manifestieren mit Herz und Mond“. Darin geht es ums Wünschen in der Liebe, ganz ohne Druck. Zu den zwölf Nächten gibt es bei ihr ein kostenloses Rauhnacht-Tagebuch mit 13 Wunschzetteln zum Ausdrucken. Wer sich mit der E-Mail-Adresse anmeldet, bekommt es nach der Bestätigung. Ab dem 24. Dezember kommt dann jeden Abend ein kurzer Brief zur Nacht: www.diesternenleserin.de











