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    J.P. Vaswani: Der zweite Blick sieht tiefer

    Das Leben hindert uns, anders zu sein. Sagen wir. Wir müssen uns anpassen, unsere Rolle in der Gesellschaft übernehmen. Das verlangt schon der Job von uns, sagen wir. Und doch sehen Sie auf diesen Seiten einige Menschen, die anders waren und anders sind.

    Wie J. P. Vaswani, einer der bekanntesten spirituellen Lehrer Indiens, der 99 Jahre alt wurde und zuletzt 100 Geschichten schrieb und sammelte, die unser Leben verändern können. Eine Geschichte für jedes Jahr – der Abschied, der ihm nicht gegönnt war. Er starb wenige Tage vor seinem 100. Geburtstag. Aber seine Geschichten leben weiter, die uns zeigen, wie wir anders leben können, achtsamer, mitfühlender und ganz einfach bewusster.

    Es gibt Geschichten, die über einen Menschen mehr erzählen als viele Worte in einem Interview. Einfache, ehrliche, simple Geschichten, die J. P. Vaswani scheinbar sehr am Herzen lagen, die er uns hinterlassen hat – wie das Erlebnis mit dem kleinen Jungen und dem Vögelchen, das den Tierschützer unter 99 anderen sehr berührt haben muß. Er schreibt:

    Ein kleiner Junge saß auf einer Parkbank und hielt behutsam einen Spatz zwischen seinen Händen. Der Vogel hatte einen gebrochenen Flügel. Eine freundliche Frau sah den Jungen dort sitzen, wie er mit ernster Miene den verwundeten Vogel streichelte.

    „Kleiner, soll ich den Spatz für dich nach Hause nehmen und gesund pflegen?“, fragte sie sanft und legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter.
    Sie nahm an, dass der Vogel dem Jungen leidtat und dass er nicht wusste, was er mit ihm machen sollte.
    „Ich verspreche, ihn zu dir zurückzubringen, wenn er wieder gesund ist“, fuhr sie fort. „Und dann lassen wir ihn zusammen frei.“
    Der kleine Junge dachte einen Moment nach. Dann sagte er: „Vielen Dank, Ma’am, aber ich möchte mich lieber selbst um den Vogel kümmern.“
    Er machte eine Pause und fügte dann hinzu: „Ich verstehe ihn besser, wissen Sie?“
    Die Frau wollte gerade etwas erwidern, als der Junge aufstand. Erst da sah sie, dass er behindert war: Er trug eine Prothese am linken Bein.
    Selbst Mitgefühl folgt dem Gesetz der Anziehung.

    Der Weise Vaswani lehrt uns mit dieser Geschichte: Versetze dich in andere Menschen hinein, bevor du deinen Standpunkt äußerst. Versuche ihre Seite der Geschichte und die Gründe für ihr Verhalten zu verstehen, bevor du vorschnell Ratschläge erteilst. Frage dich, ob du dich ähnlich verhalten würdest, wenn du in der gleichen Situation wärst. Dieser Blick nach innen, verbunden mit einem Hinterfragen der Hintergründe wird deine Einstellung mildern, und du wirst umsichtiger und einsichtiger handeln.

    J. P. Vaswani hat seine Erzählungen und Anekdoten bei seinen Vortragsreisen durch die Welt zusammengetragen. Sie sollen uns zeigen, was im Leben wirklich wichtig ist, und dass die Wahrheit in den einfachsten Dingen liegen kann. Wir lernen im Alltag, wenn wir bereit sind, anders zu sein, uns nicht anzupassen – sondern offen zu bleiben, achtsam, für die Wunder, die uns begegnen.

     

    J. P. Vaswani, geboren 1918, war einer der bekanntesten spirituellen Lehrer Indiens und Leiter der Sadhu Vaswani Mission. Als weltweit geschätzter Redner und Autor hat er u. a. vor der UN und dem Weltparlament der Religionen gesprochen. Seit Jahrzehnten verbreitet er so seine positiven Botschaften von Liebe, Glaube, Freude und Frieden auf der gesamten Welt. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
    Sein Buch: „Der Opal, der nicht leuchten wollte. 100 Geschichten, die dein Leben verändern“ (Ullstein-Verlag)

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