Glennyce Eckersley: Engel auf der Autobahn

Trevor war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Arbeit machte ihm großen Spaß, nur der Weg zur Arbeit wurde von Jahr zu Jahr stressiger. Er wohnte viele Kilometer von seinem Büro entfernt. Und die Straßen wurden von Jahr zu Jahr voller, das Autofahren immer nerviger. Trevor erinnerte sich an Zeiten, wo ihm auf der Straße kaum Fahrzeuge begegneten und er für den Weg ins Büro nicht mehr als eine halbe Stunde brauchte. Jetzt kostete ihm jede Fahrt zur Arbeit mindestens eine Stunde seiner wertvollen Zeit. Ganz abgesehen davon, dass der Verkehr auch immer gefährlicher wird. Es geht vielen Menschen so wie mir: Ich schicke jedes Mal, bevor ich auf eine belebte Autobahn fahre, ein Stoßgebet zum Himmel. Die Engel mögen mich bitte beschützen…

Eines Tages nach einem langen und ziemlich anstrengenden Bürotag musste Trevor noch zu einer längeren Fahrt aufbrechen, um an einer Konferenz teilzunehmen, die am Abend beginnen sollte. Er warf seine Tasche ins Auto, rief seine Frau an und sagte ihr, dass er ihr Bescheid geben würde, wenn er angekommen sei. Das war die Routine, auf die sie immer achteten. Denn seine Frau konnte nur entspannen, wenn sie wusste, dass ihr Mann sicher angekommen war. Dieses Mal war Trevors Frau ganz besonders besorgt. Sie wusste, dass ihr Mann nach dem Bürotag müde und erschöpft war und der Ort der Konferenz fast zwei Stunden Fahrt entfernt. Sie wünschte ihm alles Gute und drängte ihn, ja nicht den routinemäßigen Anruf zu vergessen. „Ja, ich ruf dich auf jeden Fall an“, besänftigte Trevor seine Frau.

Zum Glück gab es dieses Mal auf der Autobahn  ungewöhnlich wenig Verkehr. Trevor war ziemlich verblüfft, als er ein langes Stück nahezu freier Straße vor sich fand und konnte nicht widerstehen, das Gaspedal durchzutreten. Er fuhr so schnell, wie sein Auto es zuließ. Plötzlich hörte er eine  Stimme, sie sprach laut und deutlich und wies ihn an, auf die rechte Fahrspur zu wechseln. Trevor erschrak, dachte erst, er wäre vor Müdigkeit weggenickt und hätte geträumt, schließlich war außer ihm niemand im Auto. Er konzentrierte sich, wollte wach bleiben, aber er fuhr mit hoher Geschwindigkeit weiter. Da hörte er die Stimme wieder, noch lauter und eindringlicher als vorher:  „…fahr bitte auf die rechte Spur!“ Trevor wollte es immer noch nicht glauben, aber jetzt bremste er und lenkte wie von einer unsichtbaren Macht ferngesteuert auf den rechten Standstreifen der Autobahn und blieb stehen. Er war völlig verwirrt, denn die Straße war immer noch frei, soweit das Auge reichte. Dann plötzlich geschah es: Ein großer Lastwagen auf der Gegenfahrbahn kam unvermittelt ins Schleudern,  durchbrach die Mittelleitplanke der Autobahn, raste um Haaresbreite an Trevor vorbei und prallte dann gegen eine Böschung. Trevor saß schockgelähmt in seinem Auto, seine Hände zitterten.

Bald trafen Polizei und Rettungsfahrzeuge ein. Ein Polizeibeamter sagte zu Trevor: „Sie hatten wirklich Glück, dass Sie auf der rechten Spur waren, sonst  könnten Sie mir vermutlich nicht mehr erzählen, was passiert ist.“ In diesem Moment wurde Trevor klar, wie knapp er in dieser Nacht dem Tod entgangen war. Er wurde sich auch bewusst, dass die Stimme, die er gehört hatte, nur die eines Engels gewesen sein konnte. Er hatte seine Frau oft über ihren Glauben und ihre Liebe zu Engeln sprechen hören und kam zu dem Schluss, dass ein Engel ihn in dieser Nacht gerettet hatte.

Trevor erreichte seine Konferenz zwar etwas verspätet, aber immer noch rechtzeitig. Und er nahm sich natürlich auch noch die Zeit, seine Frau anzurufen. Alles ist gut, sagte er, um sie zu beruhigen. Aber dann berichtete er ihr doch von dem schrecklichen Ereignis. Und er erzählte ihr auch von der geheimnisvollen Stimme, die ihn vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Seltsam, seine Frau war nicht besonderes überrascht, als sie von dem Vorfall und diesem kleinen Wunder hörte, gerade so, als hätte sie das alles schon vorausgeahnt. „Ja, ich war dieses Mal in großer Sorge und befürchtete wirklich, dass dir etwas Schlimmes passieren könnte“, sagte sie zu Trevor. „…und deshalb habe ich die Engel inständig um Schutz und Hilfe gebeten.“ Vor Glück, das alles so gut ausgegangen ist, brachen beide am Telefon in Tränen aus. Und dann bedankten sie sich bei ihrem Schutzengel.

 

Foto: Archiv, Shutterstock

Glennyce Eckersley

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