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    Stephanie Lafranque: Mondsüchtig

    Der Mond ist uns näher, als die blasse Kugel am Himmel es vermuten lässt. Seine Phasen beeinflussen unsere Stimmungen, machen uns Mut oder lassen uns auch einfach mal in den Tag träumen. Anlässlich des Supermondes, am 27.4., zeigt die Autorin Stephanie Lafranque uns einen Weg, wie wir diese Weisheit wieder aktivieren können.

    Wenn wir die Mond-Energie richtig nutzen, finden wir den richtigen Zeitpunkt für wichtige Projekte, lernen auf unser eigenes Tempo zu hören und öffnen uns für Selbsterkenntnis und Intuition. Als Frauen sind wir mondsüchtig, ein Leben lang. Zum besseren Verständnis der Macht des Mondes hier einige Auszüge aus dem neuen Buch von Stephanie Lafranque. Die Autorin zeigt uns einen Weg, wie wir diese Weisheit wieder aktivieren können.

    Ich war ein braves und schüchternes Kind, so habe ich zum Beispiel nie im Matsch getollt. Aber meine Sinne lagen ständig auf der Lauer, als wäre ich ein kleines Tier. Gerüche habe ich aus Kilometern Entfernung wahrgenommen, ich habe alles gehört, ich war neugierig auf neue Geschmäcke, meine Hand tauchte ins Wasser und strich über Blumen und Gräser. Ich träumte. Meine Großmutter, mit der ich viel Zeit verbrachte, lehrte mich wie nebenbei die Pflanzenkunde und den Jahreskreis. Vor allem aber schenkte sie mir ihre besondere Gabe: die Kunst des Träumens.

    Der Mond war unser Begleiter. Ich war damals ganz bei mir, meine sechs Sinne waren geschärft. Doch die Zeit verging, ich wurde groß und vergaß. Ich legte mein Fell ab, um Kleider zu tragen. Vor zwölf Jahren habe ich mein erstes Kind bekommen, ein Mädchen. Und da, so versunken und eingemummelt in mein Muttersein, hörte ich auf einmal wieder mehr, ich schaute über die Grenzen des Sichtbaren hinweg, spürte die Farben um mich herum, beim Essen schmeckte ich jede flirrende Faser, ich berührte Körper und empfing ihre Energie. Ich begann, mich an meine erste Haut zu erinnern. Und dann tat ich einen Schritt zurück in diese Ursprünglichkeit, indem ich die Pille absetzte und mich auf meinen natürlichen Zyklus besann. Und eines Nachts, schon einige Zeit nach ihrem Tod, kehrte meine Großmutter im Traum zu mir zurück und überbrachte mir eine Nachricht: Sie mahnte mich, dem Ruf des Mondes zu folgen. Ich begriff sofort, welches Geschenk sie für mich hatte: Sie gab mir mein Fell zurück. Heute bin ich es, die Frauen einlädt, zu ihrer ersten Natur zurückzufinden, indem sie mir folgen. Der Mond ist ein urzeitlicher Begleiter, der uns zu uns selbst führt. Die Art, wie unsere Gesellschaften bemüht sind, die Erinnerung an diese lunare Verbundenheit zu vertreiben, offenbart im Grunde nur die Angst vor der Macht der Frau.

    Doch seit unzählbaren Zeiten leitet der Takt dieses Gestirns unsere Schritte: Seine vier Phasen und zwei Bewegungen sind universell und kosmisch, sie wirken auf Geburt, Werden und Sterben und sorgen für zunehmende und abnehmende Energie. Ich möchte erreichen, dass wir uns diesem Zyklus anschließen: Wir werden entdecken, dass wir ihn schon immer in uns tragen. Wir gelangen zu einem natürlicheren Leben und werden die, die wir wirklich sind. Wir können uns besser verstehen, besser auf uns hören und unsere ureigene Kraft zurückgewinnen. Die alten Weisheiten und das bewusste Hören auf uns selbst weisen uns den Weg zu wilder Weiblichkeit. Inmitten dieser chaotischen Welt gibt es eine Kraft, die uns ruft. Der Platz von uns Frauen wird neu definiert: Es geht um das Gleichgewicht in unserer Beziehung zu den Menschen und zur Natur. Wenn wir uns unserem Innersten widmen, widmen wir uns auch der Erde, wir fühlen uns mitten im Universum aufgehoben. Werden wir Hüterinnen des Mondes, wie die Tempelpriesterinnen der Antike.

    Lernen wir, seine Energien zu deuten: Lesen wir seine Phasen, spüren wir seine Bahnen, nutzen wir die lunaren Archetypen, entdecken wir die Urweisheit magischer Pflanzen, nehmen wir Bräuche in unser Leben auf. Während der beiden großen monatlichen Energieportale zum Neumond und zum Vollmond können wir uns auf die dort wirkenden natürlichen Kräfte stützen und unsere zyklische Natur ausleben. Wie Ebbe und Flut die Meere bewegen, werden auch wir innerlich bewegt. Wenn wir diese Verbundenheit aufdecken, werden wir uns der Vergänglichkeit aller Dinge bewusst und spüren, dass wir einem System angehören, das größer ist als wir selbst. Eignen wir uns das Wissen der wilden Frauen an, hören wir auf die Schwingungen unseres Erdenleibs. Werden wir die, die wir im tiefsten Innern schon immer waren, werden wir unabhängig, frei und kreativ.

    Die Mondphasen

    INNERLICHKEIT Dem Neumond entspricht die Periode. Es ist die Phase der Hüterinnen der Nacht, in der die Energien sich abdunkeln und nach innen gehen. Die Entsprechungen in der Natur sind der Winter und das Element Erde. In dieser Zeit sollten wir in uns gehen, unsere Felder brachliegen lassen und ruhen. Heißen wir die Leere und die Dunkelheit willkommen, feiern wir den Stillstand, um unsere Erde anschließend noch fruchtbarer vorzufinden. In diesem besonderen Moment, da wir uns auf unsere inneren Kräfte besinnen, sollten wir uns verlangsamen und regenerieren. Kosten wir unsere Empfindsamkeit und starke Intuition aus, die sich durch Träume und Visionen äußert.

    KRAFT Im ersten Viertel, wenn der Mond zunimmt, wächst auch die weibliche Energie. Es ist die aktive Phase vor der Ovulation, die Hüterin des Morgengrauens tritt hervor und ruft den Frühling und das Element Luft. Wir wachen wieder auf, starke Energien werden geweckt. Ideenreich, unabhängig und dynamisch widmen wir uns kraftvoll unseren Zielen. Es ist der Moment der Entscheidungen und Taten.

    STRAHLEN Der Vollmond entspricht der Ovulationsphase und dem Moment, da die weibliche Kraft ganz da ist. Das Mütterliche und damit das Kreative treten hervor. Wir sind nun Hüterinnen des Zenits, dem der Sommer und das Element Feuer angehören. Es ist eine Zeit des Leuchtens, wir stecken voller Kraft und unsere inneren Energien sind stark genug, damit wir uns nach außen wenden können. Proaktiv strahlen wir eine satte Vitalität und eine brodelnde, intensive Kreativität aus, wir können anderen Liebe, Zärtlichkeit und Verständnis schenken.

    INSTINKT Im letzten Viertel, wenn der Mond wieder abnimmt, schlagen wir den Weg in unser Inneres ein, wir folgen dem Ruf unserer Intuition. Es ist die Phase der Hüterinnen der Dämmerung, sie steht mit dem Herbst und dem Element Wasser in Verbindung. Wir kehren auf unser Fleckchen Erde zurück und lassen uns von unserem Instinkt leiten. Dabei widmen wir uns besonders unserem Körper und unseren Empfindungen, wir beginnen den Abstieg in die Tiefe, wobei aber ein Teil unseres Wesens der Imagination und kreativen Inspiration geöffnet bleibt.

    Unsere Reise mit dem Mond

    Der Mond ist ein faszinierendes Gestirn, er kann uns besänftigen und wiegen, aber auch kräftig durcheinanderrütteln, indem er unsere Seele offenlegt. Seine zyklische Kraft verbündet sich mit anderen Einflüssen, mit den Energien der Jahreszeiten, der Pflanzen und der großen weiblichen Archetypen. Im energetischen Jahresablauf beginnend mit dem Monat März lehrt uns der Blick auf Neumond und Vollmond, diese als Verbündete zu gewinnen. Auf diese Weise vertiefen wir unsere Selbsterfahrung und unsere Wahrnehmung der Welt. Außerdem bereichern wir unser Leben um alte Riten, denn jedes große Mondportal lässt sich durch ein Ritual begleiten. Dieser Pfad aus Licht und Schatten öffnet eine Quelle in uns, eine Quelle des Entdeckens und Fragens, eine Quelle der Heilung, der Weisheit und des Verständnisses. Wir kehren zu unserer ursprünglichen „Wildheit“ zurück.
    Der monatliche Vollmond und Neumond
    Jeden Monat erfahren wir die mit dem Vollmond verbundenen Energien, es ist eine Phase der Kraft, der Dankbarkeit und der Träume. Wir laden uns neu auf. Der Neumond dagegen ist eine Phase der Reinigung, des Neuanfangs, der Offenlegung unserer Intentionen. Alles ist Energie und wir weichen nicht von dieser Regel ab. Durch Meditation und Mantras können wir die lunaren Energien an unsere Chakren binden. Die sieben Chakren liegen entlang eines „Kanals“, der vom Damm bis zum Scheitel verläuft. Chakra ist Sanskrit und bedeutet „Rad“. Die kleinen kreisenden Spiralen sind Portale, durch die Energien fließen. Sie sind Grundlage der ayurvedischen Medizin, die sich wie die chinesische Medizin auf energetische Kreisläufe stützt. Das Muladhara oder Wurzelchakra liegt in der Dammregion; das Svadhisthana oder Sakralchakra befindet sich oberhalb der Schamgegend und drei Fingerbreit unterhalb des Bauchnabels; das Manipura liegt am Solarplexus; das Anahata ist das Herzchakra und befindet sich auf der Brustmitte; das Vishuddha ist das Halschakra; das Ajna ist das Stirnchakra oder das Dritte Auge und befindet sich kurz oberhalb der Augenbrauen; und das Sahasrara oder Kronenchakra schließlich liegt als siebtes Hauptchakra am Scheitel, also auf dem Oberkopf. Durch die monatliche energetische Analyse können wir uns auf die großen Mondeinflüsse einlassen und lernen die Kräfte kennen, die unsere innere Welt und unsere äußeren Beziehungen bewegen.
    Der Hexenmond
    Diese symbolische Dekodierung der monatlichen Vollmonde bezieht sich auf die neuheidnische Wicca-Religion, die sich auch als „Religion der Hexen“ sieht. Sie beinhaltet schamanische Themen wie den Glauben, dass Dinge der Natur beseelt sind. Die Energien dieser Bewegung ermuntern zur Spiritualität und räumen der Poesie und Vorstellungskraft großen Platz ein. Die Wicca-Philosophie lehnt sich an heidnische Bräuche an und erstrebt ein Leben in Einklang mit dem Göttlichen und der Natur. Begründet wurde die Bewegung in den 1950er-Jahren in England von Gerald Gardner, seitdem wurde sie vor allem in feministischen Milieus in den USA weitergeführt. Sie steht für einen freien Glauben ohne Dogmen, die Rituale sind sehr gegenwärtig und voller Respekt vor der Erdenmutter. Wie der Schamanismus eröffnet die Wicca-Religion ein neues Feld zur Erforschung des Weiblichen, es geht um die Suche nach Unabhängigkeit und Kraft – nicht, um diese gegenüber unserem Umfeld auszuüben, sondern um ein starkes und authentisches Leben zu führen.
    Heidnische Feste: die acht Höhepunkte des Jahres
    Der Mond war der erste zeitliche Bezugspunkt der Menschheit, seine Zyklen ermöglichten es den Erdbewohnern, sich in Gesellschaften zu organisieren.  Die zur praktischen Zeit gewordene kosmische Zeit bildete die Grundlage für heidnische Zeremonien und Landwirtschaft. Die Jahreszeiten rhythmisieren unser Leben. In der heidnischen Tradition gibt es drei Hochzeiten, die mit Festen begangen werden und im „Jahresrad“ verortet sind. Dieser Jahreskreis unterteilt sich folgendermaßen: Die Sommersonnenwende (Litha) und die Wintersonnenwende (Jul) sowie die Tagundnachtgleichen im Frühling (Ostara) und im Herbst (Mabon) sind die grünen oder kleinen Sabbate. Zwischen ihnen reihen sich die großen oder weißen Sabbate ein, die „Feuerfeste“ namens Samhain (Nacht zum 1. November), Beltane (Nacht zum 1. Mai), Lughnasadh (1. August) und Imbolc (1. Februar). Diese acht Feste als Punkte im Jahreskreis folgen den ebenso zyklisch angeordneten acht Mondphasen.

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