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    Christiane Schlüter: Der innere Jakobsweg

    Veränderungen gehören zu unserem Leben dazu. Manchmal brechen sie abrupt über uns herein und sind nicht zu übersehen. Manchmal kommen sie beinahe unbemerkt oder bleiben sogar zu lange aus, sodass wir sie geradezu herbeiwünschen. Also brechen wir doch einfach auf. Jetzt! Gehen wir auf den inneren Jakobsweg! In jedem Fall fordern sie uns dazu auf, jetzt nicht stecken zu bleiben oder sich im Kreis zu drehen, sondern sich auf einen neuen Weg zu machen. Auf einen Weg nach innen, auf eine Pilgerreise zu uns selbst. Pilgern im Kopf und im Herzen ist möglich.

    Mut haben. Zeit nehmen. Offen sein
    Wer sich auf Pilgerreise macht, braucht den Mut für den ersten Schritt. Er muss bereit sein, sich Zeit zu nehmen und offen zu sein. Wer ausschließlich losfährt, um anzukommen, hat den Blick fest auf das Ziel gerichtet und übersieht deshalb oft, was rechts und links des Weges liegt. Pilgern geschieht ohne Eile. Das Ziel liegt am Ende des Weges. Es soll auch erreicht werden, aber nicht die Zukunft ist wichtig, sondern die Gegenwart. Für sie offen zu sein, das ist eine grundlegende Haltung beim Pilgern. Bereiten Sie sich für die Reise vor. Alle Umbrüche und Neuanfänge, Krisen und Höhepunkte, die Sie bereits erlebt haben, können Sie als Kraftquelle für Ihre aktuelle Situation nutzen. Schauen Sie also, bevor Sie Ihre neue innere Pilgerreise antreten, erst einmal zurück und machen Sie sich bewusst, wie Sie früher mit Umbruchsituationen umgegangen sind. So lernen Sie sich selbst und Ihre Stärken besser kennen. Damit schaffen Sie sich eine gute Ausrüstung für den jetzigen Weg. Woran merken wir, dass es Zeit ist für den Aufbruch zu einer inneren Pilgerreise? Manchmal ist die Situation so deutlich, dass wir gar nicht mehr dazu kommen, uns diese Frage überhaupt zu stellen. Das gilt vor allem für Ereignisse, die ohne unser Zutun geschehen. Sie sind zu weilen durchaus willkommen. Ebenso deutlich, doch ungleich schmerzhafter sind wir zum Aufbruch gezwungen, wenn wir krank werden oder gar einen nahestehenden Menschen verlieren. Auch hier müssen wir reagieren. Vorwärts, vorwärts – und erst im Gehen kommt uns zu Bewusstsein, wie viel sich jetzt geändert hat. Vielleicht versuchen wir auch, uns gegen das Geschehene zu stemmen. Einfach weil es so schwer ist zu akzeptieren, was geschehen ist. Die erste Wegstrecke einer solchen Pilgerreise werden wir dann mit dem Versuch zubringen, die geänderte Situation innerlich überhaupt erst einmal anzunehmen.

     

    Aufbrechen – was heißt das?
    Um loszugehen, braucht es eine Öffnung, die den Weg nach draußen freigibt. Wenn wir aufbrechen, so überschreiten wir die Grenzen unserer bisherigen persönlichen Welt. Aufbrechen heißt jedoch nicht nur Öffnung, sondern auch Bruch: Wenn etwas aufbricht, so wird sichtbar, was darunterliegt. Denken Sie an frisches Brot: Wenn man es bricht, so öffnet sich die Kruste, und das weiche Innere kommt zum Vorschein. So ist es auch mit dem Aufbrechen im Sinne des Losgehens. Vielleicht ist das sogar der Grund, warum wir losgehen: Weil wir ahnen, dass etwas unter dieser Kruste liegt, die mit den Jahren immer dicker geworden ist. Wir tun es mit Mut im Herzen und innerlich mit dem Kind, das wir einst waren, an unserer Hand. Wir richten unseren Blick in die Zukunft. Dorthin, wo wir das Ziel erahnen. Es ist wie ein Leitstern, der uns leuchtet und die Richtung weist. Aber was ist so leuchtend, dass es uns für unser eigenes Leben den Weg weist? Die Antwort: Unsere Visionen weisen uns den Weg.
    Wie die Sterne bei Nacht, so ist auch die Vision ein optisch wirkendes Phänomen – nur mit dem Unterschied, dass sie vor dem inneren Auge steht. Wenn Sie also bewusst eine Vision von Ihrer eigenen Zukunft entwickeln, so motivieren Sie sich damit zugleich, Energie in die erwünschte berufliche oder private Veränderung zu stecken. Und am besten erschaffen Sie Ihre Vision, indem Sie sich einmal ganz konkret ausmalen, wie Ihr Leben nach dieser Veränderung sein wird, was Sie dann an einem typischen Tag tun und erleben werden und wie sich alles anfühlen wird. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und werfen Sie einen Blick in die Zukunft.

    Dr. Christiane Schlüter hat evangelische Theologie studiert und darin auch promoviert. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin sowie Weiterbildungen zur Psychodrama-Leiterin, in Seelsorge und Gesprächsführung. Sie lebt und arbeitet heute als Journalistin und freiberufliche Buchautorin in Augsburg. Ihre Schwerpunkte sind Psychologie, Philosophie und Religion – zu diesen Themen hat sie bereits mehrere Bücher verfasst, darunter bei GU: „DER INNERE JAKOBSWEG. Der praktische Ratgeber für den inneren Pilgerweg zu einem  sinnerfüllten Leben“ und den erfolgreichen Tischaufsteller „DER JAKOBSWEG FÜR ZU HAUSE“. Erhältlich auch unter: www.mondhaus-shop.de
    Mehr Informationen: www.christiane-schlueter.de

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