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    Michaela Merten & Pierre Franckh: Wo versteckt sich das Glück?

    Die Suche nach dem Glück ist genauso alt wie der denkende Mensch selbst. In jeder Epoche der Menschheit und allen Gesellschaftsformen hat man sich an dieser fundamentalen Frage nach dem Glück die Köpfe heißgeredet, Hunderte von Büchern darüber geschrieben und mindestens genauso viele Studien zu diesem Thema verfasst worden.

    Daraus wurden verschiedene Geistesschulen etabliert, Weltbilder geformt und Wissenschaften gegründet. Sind wir dem Glück ein Stückchen nähergekommen? Oder haben wir uns noch weiter davon entfernt? Werden wir den Entwicklungssprung zum wirklich glücksfähigen Menschen schaffen? Zu einem Menschen, der aufs Positive schaut und offen für die Veränderungen des Lebens ist? Der Ja zu sich selbst und seinem Umfeld sagt? Der emphatisch ist, Verständnis für alle aufbringt und ein authentisches Leben lebt? Zu einem Menschen, dem das Miteinander wichtiger ist als die Trennung? Der Zugang zu der Weisheit und der Wahrheit seines Herzens hat?

    Oder haben wir Menschen einen Hang zum Unglücklichsein? Wollen wir im Grunde genommen gar nicht glücklich sein? Ist es eine Utopie, eine Illusion, das Glück dauerhaft halten zu wollen? Sind wir in einer Art „Sehnsuchtsschleife“ gefangen, in der es sich besser anfühlt, das Ziel nie zu erreichen?
    Solange wir wie hypnotisiert auf den uns umgebenden Horizont starren, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen, versäumen wir zu einem guten Teil das richtige Leben. Brauchen wir eher eine „Anleitung zum Unglücklichsein“, wie sie Paul Watzlawick schon in den 1980er-Jahren schrieb, als eine Anleitung zum Glücklichsein? Sind wir vielleicht sogar süchtig danach, ständig das Negative zu suchen und demnach natürlich auch zu finden?
    Wo stehen wir heute? Wo ist die stärkende Vision einer Glück bringenden Zukunft? Wo ist die Freude geblieben, die Motivation, die Inspiration, die spielerische Leichtigkeit des Seins? Wofür entscheiden wir uns, als Individuen und als Gemeinschaft, die nur ein gemeinsames Zuhause haben: unsere Erde?

    Schaffen wir es, zu Freudebringern, Enthusiasmusgebern, Glücksgestaltern, Dankbarkeitsträgern und Liebenden zu werden? Liebevoll in Gedanken, Worten und Taten? Immer das Verbindende findend und das Trennende durch Herzensbegegnungen heilend? Die Welt und uns umarmend und den Herzschlag der Schöpfung spürend?
    Mitten in einer Zeit von weltweit enormen Veränderungen haben wir nach Antworten gesucht, bei Experten, Glückssuchern, Glückslehrern und Glücksbringern. Bei Ärzten, Neurowissenschaftlern, Psychologen, Influencern. Ganz einfach bei Menschen, denen diese Fragen und die möglichen Antworten darauf keine Ruhe lassen. Bei Menschen, denen das Wohlbefinden, der „Faktor Glück“ für unsere Gesellschaft und jede und jeden Einzelnen wichtig und zur Herzensangelegenheit geworden ist. In der ersten Folge unserer Serie antwortet Diplom-Psychologin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl.

     

    Glücksbringer Nr. 1 von Stefanie Stahl

    Warte nicht darauf, dass da draußen etwas passiert, das dich zufriedener und glücklicher macht. Das wahre Glück, die tiefe Zufriedenheit findest du nur in dir. Nur du selbst hältst den Schlüssel für ein erfülltes Leben und glückliche Bezie- hungen in der Hand. Nur du selbst kannst dem Kind in dir Heimat geben. Dafür brauchst du keine jahrelangen Therapien. Du musst auch nicht in die hintersten Provinzen deiner Seele wandern.
    Es genügt, wenn du dich deinem „inneren Kind“ zuwendest und dir dabei drei Etappen vornimmst: Lerne dein Schattenkind kennen und schließe Freundschaft mit ihm, stärke dein Erwachsenen-Ich und befreie dein Sonnenkind. Denn das Sonnenkind ist der wahre Glücksbrin- ger, in jedem von uns, weil es für alle gesunden, starken und fröhlichen Persönlichkeitsanteile steht. Ich will dir zeigen, wie du zu deinem Sonnenkind vordringst, wie du es nährst und seine Strahlkraft in dir vergrößerst.
    Meine Methode zur Arbeit mit dem inneren Kind, die ich in jahrelanger Praxis entwickelt und in meinen Büchern auf- geschrieben habe, gebe ich auch in Seminaren weiter. Für dieses Glücksbringer-Buch habe ich daraus einen Schnellkurs entwickelt. Nimm dir einige Blatt Papier und einen Stift zur Hand und begib dich mit mir auf die Reise zu deinem inneren Kind.

    Das „innere Kind“ steht für unsere kindlichen Prägungen. Sind diese positiv, gehören sie zum „Sonnenkind“, die negativen werden dem „Schattenkind“ zugeschrieben. Probleme bereitet uns vor allem das Schattenkind. Es hat aus den Botschaften der Eltern oder anderer Bezugspersonen negative Glaubenssätze gebildet und abgespeichert. Solche Überzeugungen entstehen zwar in den ersten Lebensjahren, sie machen uns aber auch später noch das Leben schwer, weil sie uns prägen und sich auf unser Selbstwertgefühl und unsere Beziehungen auswirken.

    Das Schattenkind steht also für den Anteil in uns, der verletzt und entsprechend labil ist. Solange das Schattenkind unbewusst bleibt, laufen unsere psychischen Programme automatisch ab. Wenn wir die Glaubenssätze dagegen kennen, können wir uns in krisenhaften Situationen selbst regulieren. Also heißt die erste Aufgabe: Finde deine Glaubenssätze!
    Mach dir zunächst bewusst, wie du deine Eltern als Kind erlebt hast: Wofür haben sie dich gelobt? Wofür getadelt oder bestraft? Haben sie dir das Gefühl vermittelt, wertvoll zu sein? Haben sie dir eher vermittelt, eine Freude oder eine Last zu sein? Beantworte dir diese Fragen und achte darauf, welches Gefühl sich bei dir einstellt. Dieses Gefühl bildet die
    Basis für immer noch gültige Glaubenssätze, also Überzeugungen, die dich schon ein Leben lang begleiten. Sie sagen nichts über deinen eigenen Wert aus, sondern nur etwas über deine Eltern. Hättest du andere Eltern gehabt, hätten sie dir andere Glaubenssätze mitgegeben.

    Schreibe deine Glaubenssätze auf!
    Glaubenssätze prägen unterschiedliche Lebensbereiche: deinen Selbstwert, deine Beziehungen und deine Ansichten über die Welt im Allgemeinen.

    • Typische negative Glaubenssätze, die unmittelbar den Selbstwert betreffen, sind:
      „Ich genüge nicht.“ „Ich bin ohnmächtig.“ „Ich bin nix wert.“ „Ich bin dumm.“ „Ich komme zu kurz.“ „Ich tauge nix.“ „Ich bin zu dick.“
    • Typische negative Glaubenssätze über die Beziehung zu den Eltern: „Ich bin allein.“ „Ich bin nicht gewollt.“ „Ich falle zur Last.“ „Ich kann nicht vertrauen.“ „Ich bin für deine Launen verantwortlich.“ „Ich bin schuld.“ „Ich komme zu kurz.“ „Keiner versteht mich.“
    • Typische negative Glaubenssätze, die die Lösung für das Problem mit den Eltern darstellen, sind: „Ich darf keine Schwächen zeigen.“ „Ich muss funktionieren.“ „Ich darf mich nicht lösen.“ „Ich muss gute Leistungen bringen.“
      „Ich darf dich nicht enttäuschen.“ „Ich darf keinen eigenen Willen haben.“ „Ich darf nicht fühlen.“
    • Typische negative Glaubenssätze über die Welt im Allge­ meinen sind: „Männer sind böse.“ „Frauen sind schwach.“ „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ „Es wird einem nix geschenkt im Leben.“ „Die Welt ist schlecht.“ „Reden bringt nix.

    Es ist wichtig, dass du die Gefühle identifizierst, die zu deinem Schattenkind gehören. So kannst du dich in Zukunft – mit deinem Erwachsenen-Ich – schnell dabei ertappen, wenn du im Modus des Schattenkindes gefangen bist – und entsprechend gegenregulieren.
    Bestimmt hast du gemerkt, wie unangenehm die negativen Gefühle sind, die die Glaubenssätze auslösen. Um mit diesen negativen Gefühlen klarzukommen beziehungsweise um sie am besten gar nicht erst zu spüren, hat jeder von uns Schutzstrategien entwickelt.
    Schutzstrategien können ganz unter- schiedlich sein, deshalb will ich einige typische aufzählen, um dir die Suche zu erleichtern:
    – Verdrängen, Schönreden, Tagträumen
    – Delegieren von Verantwortung, Opferdenken
    – Flucht, Rückzug, Vermeiden
    – Tarnung, Rollenspiel, Lügen
    – Hilflosigkeit, Kindbleiben
    – Perfektionsstreben, Schönheitswahn
    – Harmoniestreben, Idealisierung
    – Jammern, Klammern
    – Shoppen, Konsum, Sucht
    – Macht- und Kontrollstreben
    – Mauern und Verweigern
    – Attackieren und Fordern
    – Rationalisieren und Intellektualisieren
    – Abwertung und Arroganz

    Notiere, welche Schutzstrategien du anwendest. Formuliere dazu Ich- Sätze mit deiner konkreten Schutzstrategie, beispielsweise: „Ich will alles perfekt machen.“ Oder: „Ich verliere mich im Seriengucken …“

    Lesen Sie den ganzen Artikel im ENGELmagazin März/ April 2022.


    Pierre Franckh, Michaela Merten: „Die 12 Glücksbringer.
    12 Erfolgsautoren schenken dir ihr Glücksgeheimnis.“
    Graefe und Unzer Verlag. Erhältlich auch unter:
    www.mondhaus-shop.de

     

    Stefanie Stahl ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin in freier Praxis in Trier. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen Bindungsangst, Stärkung des Selbstwertgefühls und Arbeit mit dem „inneren Kind“.
    Als Bestsellerautorin hat Stefanie Stahl unter anderem die Bücher „Das Kind in dir muss Heimat finden“ und „Jeder ist beziehungsfähig“ geschrieben und damit ein Millionenpublikum erreicht.
    www.stefaniestahl.de

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