More

    Mischa Miltenberger: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott

    Über den Mut zur Ehrlichkeit und die Wunder des Lebens. Heilung beginnt dann, wenn wir aufhören, uns selbst zu verarschen. Oder anders formuliert: Das Mutigste, was wir im Leben tun können, ist authentisch zu sein und uns in all unserer Verletzlichkeit zu zeigen. „Wie kommst du darauf?“, wird Mischa Miltenberger dann gefragt.

    Was heißt das für mich und damit als weitergegebene Erfahrung auch für das Leben anderer Menschen?

    Ich könnte an dieser Stelle eine hochglanzpolierte Heldengeschichte präsentieren. Meine Erlebnisse der vergangenen acht Jahre geben das locker her. Meine journalistischen Fähigkeiten ebenso. Der Mann, der sich nach zwei Jahrzehnten mit Panikattacken, Depressionen, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit selbst aus dem Schlamassel befreit hat. Aber ich bin kein Held, ich bin der Mann, der am tiefsten Punkt seines Lebens aufgewacht ist und eine klare Botschaft bekommen hat: Dein Leben hat etwas mit dir zu tun. Deinem Denken, deinen Gefühlen, deinen Entscheidungen, deinem täglichen Handeln. Du bist kein Opfer! Und jetzt zieh los und finde heraus, wie Leben und Gesundheit wirklich funktionieren.

    Das habe ich getan. Und erstaunliche Antworten bekommen. Die zwei wichtigsten:
    – Deine Ehrlichkeit heilt dich und damit auch andere Menschen.
    – Du wirst immer geführt und es liegt einzig an dir, ob du dich dieser Führung anvertraust oder weiter deinen ängstlichen Verstand regieren lässt.

    Was für das konkrete Beispiel dieses Artikels heißt: Ich habe vorher gebetet. Eine klare Bitte um Führung durch diese Zeilen. Wie kann ich mich hineinfallen lassen in diesen Artikel? Was will von mir geschrieben werden, damit am Ende das zu lesen ist, was tief aus meinem Herzen kommt? Das, was mich gerade berührt. Nicht das, was gut funktioniert im Sinne einer perfekten Außendarstellung.

    Mein Verstand läuft Amok („Das kannst du nicht bringen, denk an dein Business!“) und ich schmunzle. Dasselbe hat er mir dutzende Male gesagt, als ich oft mit zittrigen Fingern einen meiner provokanten Blogartikel online gestellt habe. Dabei habe ich gemerkt: Hinter dieser Angst liegt die Freiheit. Ich schreibe nicht, damit es mir danach besser geht und ich der Welt gezeigt habe, was für ein toller Hecht ich bin. Ich schreibe, weil ich Menschen berühren möchte – auch wenn das im ersten Moment verunsichern, erschrecken oder weh tun kann.

    Ich bin weder Feel-Good-Ratgeber noch habe ich die ultimative 7-Punkte-Checkliste für dich, die dir dauerhaftes Glück und lebenslangen Mut beschert, sobald du hinter jeden Punkt einen fetten grünen Haken gesetzt hast. Mein einziger Auftrag ist: Wahrhaftigkeit jenseits aller Erwartungen. Schonungslose Ehrlichkeit, um das leidige Maskenspiel des Glänzens und Performens zu beenden. Denn erst, wenn wir keine Show mehr vorspielen, kann sich unser Nervensystem entspannen. Mit dieser Erlaubnis geben wir gleichzeitig anderen Menschen, die mit uns zusammen sind, Texte von uns lesen oder Audios von uns hören, das Signal: Du darfst dich hineinentspannen. Du bist okay, genau so, wie du bist. Du darfst so sein mit all deinen Macken und Neurosen. Du genügst. Gibt es ein größeres Geschenk?

    Ja, ich habe von einem Auftrag geschrieben. Ich gehe sogar noch weiter und spreche von einem göttlichen Auftrag. Wie hätte ich ohne Gottes Hilfe einen Ausweg aus meinem langen Leid erfahren sollen? Woher hätte ich den Mut nehmen sollen, mich nach 40 Jahren Versteckspiel ganz offen mit allem zu zeigen, was mich ausmacht? Natürlich war es meine Entscheidung, mein Leben im Innen und Außen radikal umzukrempeln und dieser Entscheidung in voller Radikalität und Klarheit Taten folgen zu lassen. Doch war das wirklich mein Wille? Oder wessen Wille geschieht da?

    Das liest sich gerade wie aus der Feder eines Hardcore-Gläubigen. Weit gefehlt. Erst vor wenigen Jahren habe ich mich zum ersten Mal wieder getraut, den Namen „Gott“ laut auszusprechen. Denn nach traumatischen Erfahrungen in einem streng katholischen Elternhaus wollte ich mit Gott und dem ganzen Verein nichts mehr zu tun haben. Weil ich keine Ahnung hatte, um was es da wirklich geht. Und keine Lust mehr, die Gallionsfigur eines florierenden Wirtschaftsunternehmens anzubeten. Auf Sprüche wie „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ hätte ich – ein 100 % Verstandesmensch und Kontrollfreak – mit Sicherheit eine bitterböse ironische Antwort gehabt. Gleichzeitig weiß ich heute: Gott hat mein Leben gerettet. Und mir Freiheiten, Sichtweisen und vor allem tiefe Begegnungen voller Liebe mit Menschen ermöglicht, die ich mir in der Form niemals hätte ausmalen können.

    Der Moment, als ich verstanden habe, dass es eine leise (und manchmal auch sehr deutliche) innere Stimme gibt, die wesentlich intelligenter und zielführender als mein Verstand ist, hat alles verändert. An den entscheidenden Stellen meines neuen Lebens habe ich so deutliche Hinweise bekommen („Von nun an steht deine Gesundheit an erster Stelle!“, „Kündige deinen Job!“, „Kauf dir einen VW Bus und mach eine lange Reise!“, „Schreib einen Blog und erzähle ehrlich über dein Leben!“, „Arbeite mit Menschen!“, „Schreib ein Buch!“ u.v.m.), dass ich Gott ein Leben lang dafür danken werde. Und mir selbst, weil ich sie angenommen habe. Radikal, ohne an die Folgen zu denken.

    Denn jetzt kommen wir zum Preis des Experimentierens. Pionier sein und Radikalität klingen unglaublich sexy und nach dem großen Abenteuer des Lebens. Ist es auch. Einzig, es macht das Leben nicht wirklich einfacher, nur wahrhaftiger. Denn eine Frage steht immer im Raum: Lebe ich wirklich das, was das Leben gerade von mir will, oder ruhe ich mich auf Dingen aus, die funktionieren? Die Konsequenz der göttlichen Führung: Ich kann nicht mehr planen. All mein Wollen ist vergebens. Ideen und Konzepte, wie mein Leben besser, schöner, reicher, fröhlicher verlaufen sollte – ein Fall für die Mülltonne. Kosmisches Gelächter inklusive. Alle wohlmeinenden Kalendersprüche und spirituellen Weisheiten ein Fall für die Abteilung Humor im Universum.

    Lesen Sie den ganzen Artikel im ENGELmagazin März/ April 2022.

    Vom Hasenfuß zum Mutmacher

    „Mut ist Angst plus ein Schritt“ ist die Antwort auf die entscheidende Frage in Mischa Miltenbergers Leben: Wie schafft man nach 20 Jahren mit Panikattacken und depressiven Episoden die Kehrtwende? Wie findet man zu einem mutigen, freudvollen und selbstbestimmten Leben? Und stimmt es wirklich, dass auf Angst und Depression nicht lebenslänglich steht? Heute arbeitet Mischa Miltenberger als Coach und Seminarleiter – doch es ist noch gar nicht lange her, da bedeutete jeder Tag für ihn einen Ritt durch die Hölle: von Panikattacken bis hin zum totalen Zusammenbruch. In seinem Buch erzählt er von seinem Kampf, dem Tag der Erlösung und wie er seitdem sein Leben mutig und selbstbestimmt gestaltet. Ein Geheimrezept gegen die Angst gibt es nicht. Deshalb enthält das Buch keine Wissensvermittlung, keine Konzepte, Tools oder Therapiemethoden. Stattdessen berichtet Mischa Miltenberger schonungslos ehrlich und mit viel Humor von seinen Erfahrungen. Die 15 Rezepte für ein mutiges Leben haben ihm dabei geholfen, seine Gedanken und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Mit ihnen will er seine Leser inspirieren, das Leben aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und Lebensfreude, Leichtigkeit und Neugier wiederzuentdecken. Sein Buch ist ein Weckruf, nicht mehr vor den eigenen Ängsten davonzulaufen – und gleichzeitig eine Liebeserklärung an das Leben.

    Buch: „Mut ist Angst plus ein Schritt“ (Humboldt Verlag –
    ISBN 9783869106830)
    Erhältlich auch unter: www.mondhaus-shop.de

    Engelwege

    Katharina Strätling: Familie

    Katharina Strätling hat uns ein wunderschönen, rührenden Text zum Thema "Familie" geschrieben. Vor allem, weil momentan in

    Meist gelesen