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    Sarah Backes: Du bist, was du isst!

    Sarah Backes hat sich 7 Tage lang nur von Wildpflanzen ernährt. Wie es Ihr dabei ging, wie sich diese Umstellung auf Ihren Körper und Sie selbst ausgewirkt hat, erzählt Sie uns jetzt. Unteranderem spricht Sie auch darüber, wie Sie die Reaktion Ihres Körpers am Anfang dieser Woche überrascht und auch etwas verwundert hat.

    Ich habe mich entschieden und genau heute soll es soweit sein: Ich möchte nur noch frisches Grün von wilden Pflanzen zu mir nehmen und das eine ganze Woche lang. Währenddessen verzichte ich auf das gemeinsame Abendessen mit meinem Mann und meinen Kindern und werde mich anstelle dessen mit einem wilden Smoothie oder einem Salat von Wald und Wiese begnügen. Verzicht klingt schnell negativ. Dabei will ich meinem Körper nur Gutes tun, will die pure Energie, die im Chlorophyll steckt, in jede meiner Zellen speisen, um gesund und glücklich zu sein. Und vor allem um mich selbst besser zu spüren und meine verworrenen Gedanken zu klären. Sozusagen eine spirituelle Reise mit den Pflanzen zu begehen.
    Die abenteuerliche Idee für meine grüne Fastenwoche kam mir beim abendlichen Durchstreifen des Internets. Ein junger Mann mit Namen Chulio Zillinger erzählte in einem hochspannenden Interview von seiner spirituellen Entwicklung, als er gerade einmal 18 Jahre alt war. Damals erschien ihm nachts eine leuchtende Kugel, die friedlich über seinem Bett schwebte und er beschloss augenblicklich sein Leben umzukrempeln. Was soviel bedeutete, dass er seine Leidenschaft zum Spiele-Zocken am heimischen PC verlor, seinen Job als Koch hinwarf und sich raus in die Natur begab, um fortan nur noch vom Blattgrün zu leben. Und das ganze 9 Monate lang – nur Smoothies und Säfte aus Brennnessel, Löwenzahn und Co. Ich war tief beeindruckt von seinen Erzählungen, sodass ich sofort wusste: Ich kann das auch! Jegliche Bedenken, die grüne Vielfalt vor meiner Haustür könnte mich möglicherweise nicht vollständig nähren, waren plötzlich verflogen. Wenn ein 18-jähriger, der sich, wie er berichtete, vormals nur mit ungesundem Fastfood versorgte, das konnte, dann kann ich es auch. Ich bin voll motiviert. Gut, zugegebenermaßen fange ich nicht bei Null an. Bereits seit sieben Monaten kommen täglich Wildpflanzen auf meinen Teller. Ebenso bilde ich mich ständig fort, welches Kraut essbar ist und welche Heilwirkung darin gespeichert ist. Jedes Blättlein und mag es auch noch so winzig sein, hält ein Geheimnis bereit, welches es nur allzu gerne mit uns teilt. Meine Begeisterung und Liebe für Mutter Erdes Schöpfung ist groß. Jetzt braucht es nur noch Durchhaltevermögen. Heute bin ich voller Vorfreude und innerer Kraft, dass ich es schon schaffen werde. Drei große Smoothies und zwei Grassäfte sind meine erste Tagesration. Und obwohl ich so zuversichtlich bin, war der Abschied vom gewohnten Essen ehrlich gesagt für meinen Verstand nicht leicht. Ich habe den gestrigen Tag – und damit den letzten vor meiner Fastenwoche – regelrecht gefressen. Völlig sinnlos und vermutlich in Panik, ich würde all Das vermissen. Als wollte ich all die leckeren Dinge förmlich aufsaugen, deren einzigartige Sinnlichkeit im Gehirn abspeichern, um auch die kommenden Tage davon zehren zu können.

    Tag 2: Wir sind eins
    Juhu, ich lebe noch! Ein kleiner Scherz… Doch muss ich zugeben, dass ich gestern Abend ordentlich Hunger bekam. Nach zwei großen Gläsern Smoothies aus leckeren Taubnesseln, Brennnessel, Giersch und Labkraut ging es mir schon wieder etwas besser. Und dann haben meine zwei Töchter mir so wunderbar bei der Grasernte im Garten geholfen und einen köstlichen Grassaft mit mir gezaubert. Na klar habe ich auch für Kinder und Mann gekocht. Sogar daneben gesessen und mein grünes Mixgetränk artig gekaut. Ich bin überrascht, wie gut das ging. Zwar fühlte ich mich nicht so satt, als wenn ich die Pizza gleich mitgegessen hätte. Doch wird es daher kommen, dass mein Magen keinen Dehnungsreiz verspürt, sondern einfach nur durch die guten Inhaltsstoffe, die im grünen Zeug reichlich vorzufinden sind, gesättigt ist. Dennoch fühlte ich mich am ersten Abend noch recht müde – keine Spur von dem Energiekick, den ich mir erhofft hatte. Jetzt am Morgen des zweiten Tages fühle ich mich wie immer. Ich kaue auf Karottengrün, das übrig geblieben ist und bin begeistert von dessen Aroma. Besonders schön ist meine Morgenmeditation. Ich sehe mich vor einer prächtigen Wiese stehen und die Pflanzen laden mich ein, sich zu ihnen zu legen. Sie decken mich mit ihren endlosen Stielen und Blättern zu, schmiegen sich an mich wie eine Decke. Dann geschieht etwas Seltsames: Ich verschmelze mit ihnen. Meine Haut wird grün und ist von floralen Strukturen durchzogen. Blüten wachsen in meinen Augenhöhlen und sprießen in meinem Herzen. Wir sind vollkommen eins. Ich danke euch.

    Tag 3: Was hab ich mir nur angetan?
    Heute Morgen bin ich extrem müde und ich spüre stark mein Herzchakra. Zugestanden hatte ich doch gehofft, während meines grünen Projekts ein stärkeres Völlegefühl zu erleben. Da ich nun mal weiß, dass Pflanzen alle Nährstoffe enthalten, die ich zum Leben benötige, will ich mich auch als gesättigt wahrnehmen. Dennoch fühle ich mich heute etwas schummrig, als laufe ich auf Watte und ich muss an die Besorgtheit meiner lieben Freunde denken. Fragen wie „Wirst du davon satt?“ und „Nimmst du dann auch genug Protein auf?“ schwirren durch meinen pochenden Kopf. Entschieden habe ich diese fürsorglichen Nachfragen immer lächelnd bejahrt. Ja, ich werde davon satt und Protein ist genügend in Brennnessel, Giersch, Beinwell und Vogelmiere enthalten. Natürlich weiß ich auch, dass der Magen sich überdehnt, wenn er mit kohlenhydratreichem Essen aus dem Supermarkt gefüttert wird und somit zwangsweise ein Völlegefühl produziert. Nach nur ein, zwei Stunden können wir uns bereits wieder völlig leer fühlen, da von den lebensnotwendigen Nährstoffen, die uns Energie für den stressigen Alltag schenken, viel zu wenig enthalten waren. Mit den Pflanzen ist es ein ganz anderes Gefühl von Sättigung. Denn Mutter Natur hat raffinierte Sensoren in unsere Magenwand eingebaut, die sofort melden, wenn wir genügend Vitalstoffe zu uns genommen haben, ohne, dass der Magen sich zwanghaft auszudehnen braucht. Es ist ein anderes Sattsein und daran muss ich mich erst gewöhnen. Es fällt mir tatsächlich schwer.
    Damit nicht genug trage ich heute ein seltsames Kribbeln in mir und ich kann mich nur mühsam auf etwas konzentrieren. Teilweise ist es so, als würde ich schweben, vielleicht sogar dem irdischen Körper entfliegen. Auch dieses sonderbare Gefühl im Kopf, das seit zwei Tagen gegenwärtig ist, raubt mir Energie. Es ist schwer zu beschreiben, nicht wirklich Kopfschmerzen und doch spüre ich dort eine Veränderung. Ein leichter Druck an verschiedenen Stellen. Auch friere ich heute mehr als sonst. Meine Beine wollen sich kaum bewegen, um das nötige Essen heranzuschaffen. Dann erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich ins Grübeln komme, ob das alles gut und richtig so ist, was ich da tue. Ich ertappe mich sogar, wie ich an einem Käsebrot, welches meine Tochter auf dem Tisch vergaß, abbeiße. Nur um es im nächsten Moment wieder auszuspucken. Der Geschmack ist mir bereits jetzt merkwürdig fremd und mein Wille Durchzuhalten, trotz der Einwände meines Verstands groß. Dennoch muss ich zugeben, heute meinen Tiefpunkt erreicht zu haben.

    Tag 4: Chakren-Öffnung
    Yippie! Es ist soweit! Um halb sieben spring ich aus dem Bett und ich fühle mich diesmal gut. Voller Energie und Freude. Zustände, die ich die letzten drei Tage etwas verloren hatte. Auch der sonderbare Druck im Kopf ist wie von Zauberhand verschwunden. Ich singe lauthals – ohne überhaupt das Radio anzuhaben – während ich Auto fahre und grinse über beide Backen. Von morgens bis zum späten Mittag spüre ich meinen Körper intensiver. Meine Chakren scheinen mit mir zu sprechen und während ich draußen auf weichem Moos liege und meditiere, erscheint mir sogar ein Engel. Eine fantastische Erfahrung. Mein Herz ist offen wie ein großes Tor und ich kann mein inneres Leuchten fühlen. Ich bin so beschwingt, dass ich sogar mit den Kindern ins Hallenbad fahre. Keinerlei Kribbeln und Entschweben oder Einwände aus der Verstandsebene trüben den nassen Spaß. Am Abend bin ich dann doch müde und gehe früh ins Bett.

    Tag 5: Immer das gleich Thema: Was essen die anderen?!
    Zugegebenermaßen ist es manchmal noch schwer für mich, dem gut riechenden Essen, welches meine Mitbewohner verspeisen, zu widerstehen. Es ist nicht so, dass ich kläglichen Hunger leide. Allmählich habe ich mich mit dem etwas anderen Sättigungsgefühl arrangiert. Es ist mehr ein emotionaler Hunger, den ich verspüre. Das Zusammensein bei Tisch, der Geschmack auf der Zunge und der gute Geruch. Darum gönne ich mir heute eine Besonderheit: Ich liebe es, mir zu meinem täglich frischen Grün nun eine süße, kernige Feige zu gönnen. Sie gibt nochmal eine ganz andere Geschmacksnote hinzu und besänftigt mein emotionales Verlangen nach Befriedigung.

    Tag 6: High Energy
    Heute ist Sonntag. Ich bin früher als alle anderen wach. Voller Energie erledige ich die Arbeiten, die im Haushalt so anfallen. Obwohl ich gerade meine Menstruation bekomme, spüre ich nichts von der Müdigkeit, die mich sonst immer überfällt. Ich ziehe eine Karte von meinem Orakel-Kartenset, um die Botschaft für den heutigen Tag zu empfangen. „Ich folge dem Fluss meiner Seele.“ Beschwingt trete ich an die Zimmerpflanzen heran und beginne mit ihnen zu sprechen, wünsche ihnen einen schönen Tag und frage sie, wie es ihnen geht. Das Bild der jeweiligen Pflanze erscheint in meinem Herzen, als ich die Augen schließe und ich bin überzeugt mit ihnen kommunizieren zu können.
    Dieser Abend ist besonders. Ich bin nicht wie sonst müde und schaue auch nicht auf die Uhr, wann es denn Zeit fürs Bett ist. Ich räume noch auf, als die Kinder schlafen und erledige einige Arbeiten. Solch eine beflügelnde Energie habe ich selten. Es fällt mir eher schwer, mich irgendwann zu stoppen. Noch im Bett kann ich es nicht fassen, ich lese und lese…ohne ein Ende. Mir wollen einfach nicht die Augen zufallen.

    Tag 7: Entgiftung
    Am Morgen springe ich problemlos aus dem Bett. Summend bereite ich das Essen für die Kinder vor und erfreue mich meines Seins und meiner unerschöpflichen Energie. Ich habe das Gefühl, alles gleichzeitig tun zu können. Die Welt gehört heute mir.
    Noch überraschter bin ich, als ich auf dem Klo sitze. Und wie ich bereits gesagt hab, habe ich meine Periode. Doch fällt diese viel weniger intensiv aus als früher. Nicht, dass ich zuvor über Bauchschmerzen zu klagen gehabt hätte. Es ist die Blutmenge, die mich staunen lässt. Normalerweise blute ich sehr stark. Kaum eine Nacht in der ich nicht die Binde wechseln muss, bevor sie überläuft. Und nun ist die Binde noch nicht einmal voll! Aus purer Verblüffung muss ich an eine Fernsehdokumentation zurückdenken, worin Frauen der Naturvölker gefilmt wurden, die sehr viel weniger während ihrer Regel bluten. Dies wurde damit erklärt, dass wir Frauen der westlichen Zivilisation durch die säurehaltige Ernährungsweise viel zu entgiften hätten, was somit auch auf die Blutmenge zurückzuführen ist. Ich bin begeistert: Ein Wahnsinnszeichen dafür, wenn man bedenkt, wie extrem ich in nur einer grünen Fasten-Woche bereits entgiftet habe.

    Ende??
    Am achten und letzten Tag bin ich sehr stolz auf mich. Ich habe mein Ziel erreicht. Ich fühle mich gut, nicht so überladen – im Bauch ebenso wie im Kopf. Vieles ist klarer, so hatte ich es mir gewünscht. Ich wollte in diesen Tagen mehr zu mir selbst finden. Lästige Stimmen in meinem Kopf verstummen lassen und mich aufs Wesentliche besinnen. Ich genieße meinen Erfolg und nehme die Körper-Entgiftung gerne als Bonusgeschenk obendrauf mit. Ich fühle, wie viel ich erreichen kann, wenn ich bereit bin für Veränderung. Und der bekannte Satz des Philosophen Ludwig Feuerbachs wird mir immer bewusster: „Der Mensch ist, was er isst.“ Die einzige Frage, die bleibt: Soll es das gewesen sein? Ein wenig bin ich sogar traurig, denn die Woche hat mir Vieles geschenkt. Jedes Mal wenn ich zukünftig meinen Magen überdehne, weil das Essen wieder einmal leckerer aussah, als ich tatsächlich Platz dafür in mir drin finde, blicke ich vermutlich wehmütig auf diese Woche zurück. Und ich weiß, ich werde es wieder tun. Jetzt klopft bereits der Herbst mit aufbrausendem Wind an die Fenster und verteilt seine bunte Blätterpracht auf der kalten Erde. Die grüne Pflanzenpracht zieht sich allmählich in Gaias Schoß zurück. Doch wenn im Frühjahr wieder üppige Grünkraft aus ihr empor sprießt, bin ich sicher wieder mit dabei!

    ©Sarah Backes (www.gruenermond.de)

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