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    Silvia Maria Engl: Warum Fragen oft wichtiger als Antworten sind

    Es gibt sie, diese Zeiten im Leben, wo Veränderung angezeigt ist. Viele Menschen wünschen sich in solchen Fällen, es würde nach dem Äffchenprinzip funktionieren: den alten Ast loslassen, sobald man den neuen Ast schon in der Hand hat. Die Realität will aber oftmals etwas anderes von uns, darüber schreibt Silvia Maria Engel.

    Was aber tut man dann? Wenn man das Alte bereits losgelassen hat, aber nichts, rein gar nichts sich zeigt? Wenn ein Vakuum entsteht? Vielleicht sogar über Wochen und Monate? Unsere Autorin Silvia Maria Engl kennt diesen Zustand. Sie beobachtet ihn aktuell auch auf globaler Ebene und verrät dir, wie sie mit solchen Zuständen der Ungewissheit entspannt umgehen kann.

    Ich kann mich noch gut an den August 2016 erinnern. Der erste Monat in neu gewonnener Freiheit. Andere würden sie Unsicherheit nennen: frisch die Verbeamtung final gekündigt und einfach dem Leben vertrauend, dass Intuition mich nie veräppeln würde. Es war nicht das erste Mal, dass meine innere Stimme mir sagte, dass es Zeit wäre für einen völlig anderen Weg. Nachdem ich mir früher aber noch Einiges hatte ausreden lassen, war ich nun bereit, meinen Weg zu gehen statt den der anderen. Und ich lernte, dass die gefühlte Belohnung dafür mitunter schon mal auf sich warten lassen kann. Und sie gleichzeitig schon da ist, denn:

    Werte verkaufen? Für kein Geld der Welt!
    Ich hatte einfach den Punkt erreicht, wo ich die Treue meinen Werten und Überzeugungen gegenüber nicht mehr gegen Geld verkaufen konnte. Die Freiheit, ich selbst zu sein, war mir wichtiger als (materielle) Sicherheit. Ich ging. Nicht aus Krankheit, Verzweiflung oder aus mangelnder Liebe zum Beruf. Ich ging, weil das, was ich innerlich dachte und fühlte, nicht kongruent war mit dem, was ich in diesem Beruf tun und sagen musste. Der Preis des Selbstverrates war mir zu hoch und nicht in Euro zu bezahlen. Meine Seele war mir mehr wert als ein festes Gehalt mit Pensionsanspruch.

    „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, heißt das berühmte Zitat aus Brechts „Dreigroschenoper“. Ich zuckte mir den Achseln und beschloss, dass das gelten könnte für wen auch immer. Ich wollte meiner Spiritualität Leben einhauchen und nicht nur sagen, dass ich dem Leben vertraute, sondern ihm wirklich vertrauen.

    Und ging davon aus, dass nach dem Loslassen des alten Astes sich rasch ein Wunder ereignen würde, sodass ich fix sagen könnte: „Ha, na also, so geht das!“ Ich malte mir aus, wie ich, durch den Urwald schwingend, die alte Liane bereits losgelassen hatte und im Schwung sich schon die neue lückenlos auftun würde.

    Nett gehofft. Weit gefehlt.
    Vielmehr sah die Realität so aus, dass ich erst mal nach unten auf den Boden plumpste, sanft und weich, aber eben nix mit Schwung und Wunder und weiter. Anstatt dank meines Vertrauens in das Leben elegant durch die Lüfte zu sausen, durfte ich erst mal zu Fuß gehen. Ich wusste weder wohin noch wie lang. Ich hatte die klassische Mutlücke, wie ich es nenne, betreten, bei der niemand weiß, wie groß und breit sie ist. Es kann sein, dass sie sich sehr rasch schließt oder eben … auch nicht. In meinem Fall kann ich dir rückblickend verraten, dass sich satte fünf Monate gar nichts tat. Nichts, nada. Fünf Monate, in denen ich von Reserven lebte und täglich auf einen Impuls wartete, der aber nicht kam. Und ich wusste auch nicht, dass das nach fünf Monaten enden würde. Weil ich gar nichts wusste. Außer einer einzigen Sache:

    Ich hatte ganz sicher das Richtige getan. Auch wenn sich keine Belohnung sofort dafür zeigte.
    Gleichzeitig gelang es mir, in den langen Monaten ruhig zu bleiben. Klar, immer wieder kamen mal Existenzängste hoch. Dann rief ich eine Freundin an, der ich eingebläut hatte, mir in solchen Fällen einfach kommentarlos zuzuhören, bis ich alles „ausgekotzt“ hatte („Oh Gott, ich werde aus meiner Wohnung geworfen werden, ich gehe zugrunde!“). Wie gesagt, sie durfte auf nichts davon eingehen, denn das hätte mein Drama nur genährt. Ich wollte weder Beschwichtigung noch Mitleid noch Belehrung. Einfach das Drama da sein lassen, es sehen und dann war es auch nach einer Weile wieder gut. Sie fragte bestenfalls irgendwann: „Bist du fertig für heute?“ Dann horchte ich kurz in mich hinein und wenn der Dramentsunami wieder vorbei war, sagte ich nur: „Ja, danke dir! Gibt es bei dir noch was Neues?“, und wir wechselten das Thema.

    Wozu wäre der eigene Glaube gut, wenn man ihn selber nicht glaubt?
    An etwas Höheres, Großes zu glauben, ist einfach, wenn alles läuft. Nur allzu gern sonnt man sich in den eigenen Manifestationskünsten, wenn etwas funktioniert hat. Was aber ist mit dem Glauben daran, dass in jeder Dunkelheit ein Geschenk wartet? Dass man an jeder Manifestation beteiligt ist, auch wenn sie nicht schmeckt? Wie tief geht dein Glaube wirklich?

    Wie sehr sind bei dir Gesagtes, Getanes und Geglaubtes im Einklang?
    Ich denke, es ist ein guter Zeitpunkt, um sich das zu fragen. Denn nicht nur ich bin gerade wieder in einer Art Vakuum geparkt, sondern sehr viele Menschen auf dieser Welt.

    Für viele funktioniert das Alte nicht mehr. Sei es, dass durch die politischen Maßnahmen ihre materielle Existenz ausgelöscht wurde, weil sie für ihre Verhältnisse zu lange nicht arbeiten durften; sei es, dass sie durch künstliche Intelligenz ersetzt werden; oder sei es, weil sie einfach, wie ich, fühlen, dass ein Wandel ansteht und sich dem hingeben. Nur, einmal mehr, ist der neue Ast, an dem man sich festhalten könnte, noch nicht da. Manche meinen ihn zu erkennen, wenn andere Versprechungen machen. So wird zum Beispiel die Impfung von vielen als der neue Ast angesehen. Endlich könnte dann alles wie gehabt weitergehen. Bitte verstehe mich richtig: Dieser Text ist nicht der Ort für eine weitere dieser unzähligen Impfdebatten. Ich weise nur darauf hin, dass die Impfung von einigen Menschen als genau das gesehen wird. Dadurch wird sehr wohl verständlich, warum sie wütend sind, wenn manche das Ergreifen dieses Sicherheit versprechenden Astes verweigern. Andere wiederum sehen darin etwas völlig anderes und dadurch ihre Freiheit bedroht. Und so streiten sie und erkennen nicht, dass sie absolut das Gleiche wollen: Sie alle wollen ihre Freiheit. Die einen um jeden Preis, die anderen weigern sich zu glauben, dass man für Freiheit überhaupt einen bezahlen müsste. Was ich damit sagen will, ist: Was, wenn wir uns mal auf das gemeinsame Ziel unserer Freiheit und Sicherheit konzentrieren würden und nach Lösungen suchen würden, die jenseits vorgekauter Antworten liegen könnten? Und ja, ich habe Fragen lieber als Antworten. Denn Fragen öffnen Räume, während Antworten Türen schließen.

    Was, wenn wir wieder öfter unsere innere Führung befragen würden statt vermeintliche Retter im Außen?
    Und das gilt für jedes Thema im Leben. Auch und gerade für dein ganz persönliches Vakuum. Denn was ist an so einem Vakuum des nicht Wissens, was die eigene Zukunft bringt, denn so schlecht? Eine Frage, die mir immer wieder hilft, ist:

    Wenn ich sicher wüsste, dass ich in einem Jahr völlig angekommen bin im Neuen, würde es mich dann jetzt stören, gerade mal nichts zu tun zu haben oder jetzt nicht zu wissen, wohin die Reise geht?

    Antwort: Nein, natürlich nicht! Ich würde meinen „Urlaub von der Alltagsagenda“ feiern und genießen. Und du sicher auch!

    Warum also nicht lieber davon ausgehen, dass es genau so sein wird anstatt das eigene Denken den ganzen Tag mir Horrorszenarien beschäftigt zu halten und die Energie dauernd auf das zu lenken, was du NICHT willst?

    Gerne empfehle ich denen, die auf Angstvisionen nicht verzichten können aufgrund ihrer Konditionierungen, dann wenigstens für einen fairen Ausgleich zu sorgen. Dazu fordere ich sie dann auf:

    „Mal jetzt mal deine Ängste so richtig aus! Sprich laut über sie und mach sie richtig groß!“ Das laute Aussprechen kann helfen, die Ängste aus dem verborgenen Dunkel ins Licht zu holen. Dinge, denen man ins Gesicht sieht, sind meist schon weniger schreckhaft. Dann die Bitte:

    „Und wenn du schon den Worst Case so gut malen kannst, dann bitte jetzt mal den Best Case! Was würden denn im besten Fall rauskommen? Auch bitte in groß und bunt!“

    Für mich immer wieder faszinierend zu sehen, wie Menschen binnen Sekunden von „schrecklich“ zu „fantastisch“ wechseln können! Mit einem Mal strahlen sie und erzählen begeistert, wie toll es laufen könnte für sie. Da gehört die Energie hin, und sei es, um den gegenwärtigen Moment einfach schön zu gestalten!

     

    Darum mein Idee heute für dich

    Nutze dein persönliches Vakuum doch einmal, um deine Spiritualität zu durchleuchten. Wie sehr sind das, was du glaubst, im Einklang mit dem, was du denkst, sagst und wie du handelst?

    Was kannst du hier und jetzt verändern, damit mehr Harmonie und Einklang hier herrschen kann?

    Welche Geschichte könntest du in einem Monat/Jahr erzählen über diese Zeit, die dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde?

    Und was kommt im allerbesten Fall heraus? In groß und bunt geschildert?

    Teile dich mit! Teile deine selbstehrlichen Einsichten, ohne Selbstmitleid, sondern einfach nur ehrlich, mit einem anderen Menschen.

    Wenn du wie ich deine Ängste einfach mal laut aussprechen willst, dann stell dir einen Wecker! Mehr als drei Minuten solltest du darauf nicht verwenden, weil sich spätestens dann das Drama sowieso wieder im Kreis dreht. Nach drei Minuten der Klage ist üblicherweise alles gesagt (sofern du keine ernstzunehmende Angststörung hast. Das ist natürlich etwas anderes und da arbeite lieber mit deinem/r Therapeuten/in).

    Je mehr dein Glaube an die Engel, das Leben, das Universum, an Gott im Einklang sind mit dem, was du denkst, sagst und wie du handelst, umso freier und glücklicher wirst du dich fühlen.

    Und so genau nebenbei wirst du fantastische Ergebnisse haben, denn deine Resonanz wird eine völlig neue und andere sein.

    Was, wenn das Vakuum, das du eben durchlebst, in Wahrheit das größte Geschenk wäre, das dir je gemacht wurde?

    Ich wünsche dir viel Freude im Nichts. Denn nur im Nichts ist alles möglich.

     

    Silvia Maria Engl, geboren und aufgewachsen im Bayerischen Wald: „Die Liebe zur Natur und vor allen Dingen zum Wald wurde mir also schon doppelt in die Wiege gelegt (,Silvia’ bedeutet ,Wald’). Als Teenager und junge Erwachsene fand ich das alles eine Zeit lang eher weniger prickelnd. Heute jedoch weiß ich meine Wurzeln wieder sehr zu schätzen.“ Mag Bäume, Oberbayern, überhaupt diese schöne Erde, asiatisches Essen, Liebe, gelebte Spiritualität (ob man sie so nennt oder nicht), Gesundheit, Lachen, Wandern, Tanzen, Joggen, Radfahren, Yoga, Bodypump, Menschen und Leben so ganz allgemein. Und Persönlichkeitsentwicklung sowieso! Einziges Dogma: Keine Dogmen! („Und sogar dieses Dogma würde ich loslassen.“) www.silvia-maria-engl.com

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