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    Stefan Trumpf: Gelassenheit – die verlorene Tugend

    Gelassenheit ist ein großes Wort. Es wiegt schwer dieses Wort, irgendwie. In Zeiten, in denen ein tiefer Spalt durch unsere Gesellschaft zu gehen scheint, scheint die Gelassenheit tief in diesen Spalt gefallen zu sein. Über Gelassenheit, die verlorene Tugend, und wie du sie wieder findest, schreibt unser Autor Stefan Trumpf.

    Meinungen werden zu Dogmen erhoben, nur die eigene Position kann die richtige sein, einen Konsens zu erreichen, ist in einem stets aufgeheizten Klima scheinbar unmöglich. Dabei ist es ganz egal, wohin wir unseren Blick wenden. Ob in Politik, Kultur oder auch unter Spirituellen, ist Gelassenheit beinah zum Fremdwort geworden. Es wird geschimpft, polemisiert und selten scheint der Geduldsfaden kürzer gewesen zu sein, als heutzutage.
    Warum fällt es uns so schwer, gelassen zu bleiben? Wann ist sie uns abhanden gekommen, die Gelassenheit, und können wir sie wiederfinden?
    Die Antwort muss Ja! lauten, können wir. Und vielleicht wird es Dich überraschen, aber der Weg zu mehr Gelassenheit ist in der Tat ganz einfach.

    Natürlich ist das, was ich sage, nur meine Sichtweise. Auch wenn ich hier aus Erfahrung spreche, und ich sicher bin, die Menschen, die ich die Freude hatte, ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten, würden diese bestätigen.

    Lass uns einmal kurz darüber nachdenken, was uns denn unsere Gelassenheit raubt.
    Und damit meine ich nicht einmal eine konkrete Situation oder ein Verhaltensmuster, nein, ich meine tatsächlich, was ist der Grund, dass wir nicht mehr gelassen sein können? In der Regel fehlt uns etwas Wichtiges, wenn wir nicht gelassen sein oder reagieren können. Es fehlt uns die Distanz.
    Wir sind zu sehr in alles involviert, zu nah an allem dran. Wir nehmen alles schlicht zu persönlich. Das soll keine Kritik sein oder belehrend wirken. Es wird ja in den sozialen Medien, im Fernsehen und überall in der Gesellschaft alles dafür getan, dass das so ist. Der Druck, den wir von allen Seiten erleben, ist enorm. Überall soll man sich engagieren, teilnehmen, eine Meinung haben, sich äußern, Partei ergreifen, sonst ist man out, nicht up-to-date, grenzt sich selber aus oder wird ausgegrenzt. Und je klarer man seine Position nach außen vertritt, je deutlicher man seine Meinung kundtut, desto mehr wird man wahrgenommen. Und das wollen wir ja schließlich alle. Das Kind in uns, das nie erwachsen wird, schreit nach Aufmerksamkeit und möchte gesehen werden. Und wehe, es wird übergangen oder vielleicht mit einer anderen Meinung konfrontiert. Dann wird die Welt zum großen Sandkasten, in dem mit Dreck geworfen wird. Es ist dieses Kind in uns, das die Distanzen überschreitet, das verhindert, dass wir uns ENTwickeln und das, leider, allzu oft die Kontrolle über uns gewinnt. Es ist unser Ego, das mit diesem unserem inneren Kind gemeinsam am Ruder steht, das sich wichtig macht und von dem wir nur allzu gern glauben, das seien tatsächlich wir.

    Wir schreien unser Gegenüber an, weil wir das Gefühl haben, nicht gehört zu werden.
    Der Grund für unser Geschrei ist meistens Angst. Wir haben Angst, zu wenig zu bekommen. Zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Nahrung, Wärme, Sicherheit oder Liebe, wobei die Begriffe im Lauf der Zeit immer dehnbarer geworden sind. Heute wird die Leasingrate für unser Auto schon großzügig in den Bereich der überlebensnotwendigen Nahrung hineinmanövriert, und wenn das Geld knapp wird, und die Rate vielleicht nicht bezahlt werden kann, dann ist das Geschrei groß, denn auch die Angst ist groß.
    Es ist die Angst davor, wie ich im Außen wahrgenommen werde. Wie stehe ich da? Werde ich geachtet, respektiert, habe ich ein gutes Image? Die Aufmerksamkeit ist ständig im Außen. Meine ganze Kraft geht damit ins Außen. Meine Energie fließt ins Außen, denn Energie folgt bekanntlich der Aufmerksamkeit. Damit lasse ich mein Innerstes beinah schutzlos zurück. Mein Blick verfängt sich ständig in Details, mein Geist ist ständig in der Zukunft, denn ich muss mich ja sorgen, dass morgen alles gut wird, ich morgen noch besser dastehe als heute oder dass ich morgen … morgen … morgen … Oder ich hänge in der Vergangenheit fest und beklage verpasste Chancen und Möglichkeiten. Selten bin ich im Hier und Jetzt, wo ich einzig und allein die Macht habe, etwas zu verändern.

    Meine Aufmerksamkeit springt auf den Steinchen eines riesigen Mosaiks hin und her, im verzweifelten Versuch, dadurch das große Ganze zu erfassen. Doch ich scheitere. Ich muss scheitern, denn zu nah und zu sehr bin ich an den einzelnen Steinchen dran und zu wenig Distanz habe ich, um das ganze Bild zu sehen. Ich werde verwickelt und von Stein zu Stein gezogen, von Meinung zu Meinung, von Beurteilung zu Beurteilung. Meine Kraft geht mir aus und in meiner Verzweiflung möchte ich mich schützen. Wie ein wildes Tier fühle ich mich in die Ecke gedrängt und beginne um mich zu schlagen. Von Gelassenheit bin ich also ganz weit entfernt.

    Wie komme ich jetzt also zurück zur Gelassenheit? Wie kann ich sie finden? Wo ist sie denn?
    Ich bin ja kein Mönch, der sich in ein Kloster zurückziehen kann, um sich von so vielen äußeren Eindrücken wie möglich abschotten zu können. Ich habe einen Alltag, vielleicht Kinder, einen Beruf, muss pendeln, habe den ganzen Tag mit Menschen zu tun, such es Dir aus. Wenn ich also im Außen mich nicht ins Kloster zurückziehen kann, dann muss ich das Kloster in mir finden. Ich darf erkennen, dass es in mir einen Rückzugsort, einen Raum, einen Tempel gibt, der nur mir ganz allein gehört. Es gibt ihn diesen persönlichen Raum. Der Weg dorthin ist denkbar einfach, Du kannst ihn durch Meditation entdecken und erforschen. Du brauchst keine Impulse von außen, kein höheres Wesen, das Dich leitet. Nichts hat in diesem Raum Bestand, außer Du möchtest das so. Dieser Raum ist Dein persönliches Kloster, wenn Du so willst. Und so persönlich und individuell dieser Raum auch ist, er ist die Schnittstelle zu allem, was ist. Er verbindet Dich mit allem, was ist. Er ist wie eine Seifenblase, die in einer viel größeren, ja unendlich großen Seifenblase schwebt. Er ist wie der Tropfen im Ozean, wie innen, so außen.

    Haben wir diesen Zugang erlangt, können wir erkennen, dass alles, was ist, miteinander verbunden ist, dass wir alle Teil eines gewaltigen Bewusstsein sind, das uns durchdringt und sich so durch uns selbst erfährt; ein Bewusstsein, das durch uns wächst und lernt. Unsere damit so hoch geschätzte Individualität wird als Illusion durchschaut, das Ego als Werkzeug des Verstandes auf seinen Platz verwiesen. Die Identifikation damit endet. Wir können erkennen, dass in allem und jedem, was uns begegnet, das universelle Selbst lebt und seinen Ausdruck findet. Wenn wir diesen Punkt erreicht haben, werden wir wie von allein aufhören, Dinge persönlich zu nehmen, denn es gibt nichts Persönliches. Die Vorstellung, etwas könnte persönlich gemeint sein, richtet sich an Dein Ego,
    das Hand in Hand mit Deinem inneren Kind nur darauf wartet, dass Du ihm wieder in die Falle gehst und es die Kontrolle übernehmen kann. Und ja, wahrscheinlich wird das passieren, denn wir sind Menschen, und nicht immer ist unsere Aufmerksamkeit und unsere Achtsamkeit zu 100% da, wo sie sein sollte. Manchmal ist sie halt im Außen und verliert sich in den Details. Dann weißt Du, es Zeit, einen oder zwei Schritte zurückzutreten. Es wird Zeit, die Situation, die gerade versucht, Dich wieder in Verwicklungen zu fangen, zu verlassen. Es wird Zeit, Dich wieder zu ENTwickeln. Dann weißt Du, es wird Zeit, wieder zu Deiner Mitte zurückzukehren, in den Rückzugsort, den Du in Dir trägst.

    Schließ die Augen, atme ein, lass Deinen Atem fließen, in Deinem eigenen, ganz persönlichen Rhythmus. Wende Deinen Blick nach innen und öffne die Tür zu Deinem inneren Tempel, Deinem inneren Kloster. Du lässt zurück, was Dich aus der Ruhe bringt, atmest aus, was verhindert, dass Du ganz im Hier und Jetzt ankommst, und findest etwas, was Du vielleicht verloren geglaubt hast, Deine Gelassenheit.
    Je öfter Du Dich in Deinem Raum, Deinem Rückzugsort, Deinem inneren Kloster oder Tempel aufhältst und von dort aus beobachtest, und handelst, desto mehr wirst Du in völliger Gelassenheit kommunizieren, handeln und leben. So einfach ist das.

     

    Stefan Trumpf wird von vielen Menschen, die ihm live oder online begegnet sind, als Weltenlehrer bezeichnet. Nach zahlreichen Ausbildungen in Meditation, verschiedenen Heiltechniken und Geheimlehren erkannte er für sich, dass die Zeit reif ist für eine zeitgemäße Spiritualität. Er suchte einen für ihn gangbaren Weg, vertiefte sein Wissen über Neurowissenschaften, Epigenetik und Quantenphysik und fand Parallelen in den Weisheitslehren des Ostens sowie dem europäischen Druiden- und Schamanentum.
    Eine rückwärtsgerichtete Spiritualität lehnt er ab. Sein umfangreiches Wissen stellt er Menschen live und online, in individuellem Mentoring, weltweit zur Verfügung. Dabei legt er Wert auf individuelle Erfahrung und Wahrnehmung, Dogmen gibt es bei ihm nicht. Damit erreicht er immer mehr Menschen, die sich, inspiriert durch seine Texte und Live-Events auf ihren ganz persönlichen Weg der SELBSTerfahrung machen. Begegnungen mit Stefan Trumpf lassen niemanden unberührt. In seinem aktuellen Buch „Inspirationen“ zeigt er einmal mehr Wege zu einer zeitgemäßen Spiritualität und einfachem Sein.
    www.thespiritualpunk.com

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