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    Aufbrechen

    Warum sollen wir überhaupt zu so einer Reise aufbrechen? Unsere Sehnsucht weiß die Antwort längst: Etwas soll anders werden!

    Wohin soll der Weg führen?
    Natürlich wäre es schön zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Bei den großen Wendepunkten im Leben geschieht es oft, dass wir zwar herausgerissen werden aus dem Alten, aber nicht unbedingt wissen, wohin der Weg führen wird. Trotzdem sollten Sie das Thema „Ziel“ nicht ganz ausblenden und sich schon vor der Reise damit beschäftigen. Der Endpunkt einer inneren Pilgerreise ist nicht immer klar sichtbar. Und der Weg dorthin verläuft meist nicht geradlinig. Um- und Irrwege gehören dazu. Der TV-Entertainer Hape Kerkeling verließ auf seiner berühmt gewordenen Jakobsweg-Reise einmal die vorgezeichnete Route, verlor die Orientierung und beschloss umzudrehen. Da entdeckte er in der Einöde einen kleinen Dackelmischling, den jemand an einem verrosteten Schild angebunden hatte. Kerkeling erkannte: Niemand anderer als er sollte der Retter dieses Hundes sein. Diese Geschichte ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie segensreich Um- und Irrwege sein können – ganz egal, ob wir sie bewusst oder unwissentlich einschlagen. Denn im Nachhinein erweisen sie sich womöglich als richtige Route oder wichtiger Abstecher.

    Wieder zum Anfänger werden
    Wer zum ersten Mal den realen Jakobsweg geht, ist ein Anfänger. Auch wenn er sich vorher informiert hat, weiß er nicht, was ihn erwartet. Wir sind ebenso Anfänger auf unserer inneren Pilgerreise. Etwas ändert sich in unserem Leben, und das bedeutet: Wir sind nicht mehr auf ganzer Breite die Experten, die wir vorher waren. Bei beruflichen Veränderungen etwa bringen wir zwar Können und Erfahrung mit, aber vieles haben wir neu zu lernen. Die Kinder gehen aus dem Haus, oder eine Beziehung endet – plötzlich werden wir wieder zum Anfänger, weil wir neu lernen müssen, als Paar oder als Alleinlebende unseren Alltag zu gestalten. Wie fühlt es sich an, in Ihrem Alter noch einmal Anfänger zu sein? Wichtig ist, dass Sie sich dieses Anfängersein gestatten. Dass Sie sich nicht mit der Erwartung überfordern, Sie müssten alles sofort perfekt hinbekommen. Sie sind unterwegs, das ist erst einmal das Wichtigste. Das andere werden Sie lernen, Schritt für Schritt. Lassen Sie sich Zeit, Sie dürfen langsam vorwärtsgehen, um lernen zu können. Achten Sie nur auf eines: Gehen, Schritt für Schritt, aber auch innehalten und die Einsamkeit genießen. Wahrnehmen, ohne zu bewerten. Achtsam sein, den Atem wiederentdecken. Die eigenen Gefühle annehmen und sich in der neuen Situation nicht überfordern: Wenn wir in dieser Haltung auf dem inneren Pilgerweg unterwegs sind, dann bleiben wir offen für das Gute, das uns auf dieser Reise jederzeit entgegenkommen kann.

    Aufs Bewerten verzichten!
    Die Wahrnehmung ist ein wichtiger Aspekt, denn sie ist unser Schlüssel zur Außenwelt und ebenso nach innen. Doch was versteht man darunter eigentlich genau? Nehmen wir als Beispiel den Geruch von frisch gebrühtem Kaffee: Der Geruch ist ein Sinnesreiz. Er löst in uns eine Sinnesempfindung aus. Aus Erfahrung wissen wir bereits, wie Kaffee duftet. Wir verknüpfen also die geruchliche Sinnesempfindung mit der Erfahrung – und aus dieser Verknüpfung entsteht die Wahrnehmung: Wir nehmen den Duft frischen Kaffees wahr. Zur reinen, puren Wahrnehmung gehört es, nicht zu bewerten. Das fällt jedoch oft nicht leicht. Denn wir bewerten beinahe ständig und merken es nur nicht. Die Bewertung ist meist genauso schnell da wie die Wahrnehmung und oft so fest mit einer Sache verknüpft, dass sie sich automatisch einstellt und uns daran hindert, wirklich wahrzunehmen. Nach diesem Mechanismus funktionieren zum Beispiel Vorurteile. Jedoch passen nun, da wir einmal aufgebrochen sind, die alten Kriterien vielleicht gar nicht mehr, nach denen wir bislang zwischen Gut und Schlecht unterschieden haben. Vielleicht verstellen sie uns den Blick auf mögliche neue Erfahrungen, die wert-voll für uns wären. Versuchen wir daher als Anfänger auf unserem Pilgerweg, auf das Bewerten zu verzichten und offen zu sein.

     

    Dr. Christiane Schlüter hat evangelische Theologie studiert und darin auch promoviert. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin sowie Weiterbildungen zur Psychodrama-Leiterin, in Seelsorge und Gesprächsführung. Sie lebt und arbeitet heute als Journalistin und freiberufliche Buchautorin in Augsburg. Ihre Schwerpunkte sind Psychologie, Philosophie und Religion – zu diesen Themen hat sie bereits mehrere Bücher verfasst, darunter bei GU:
    „DER INNERE JAKOBSWEG. Der praktische Ratgeber für den inneren Pilgerweg zu einem  sinnerfüllten Leben“ und den erfolgreichen Tischaufsteller „DER JAKOBSWEG FÜR ZU HAUSE“. Erhältlich auch unter: www.mondhaus-shop.de
    Mehr Informationen: www.christiane-schlueter.de

    Engelwege

    Mein Tagebuch der Hoffnung

    Mein Tagebuch der Hoffnung von Karina Wagner

    Gemeinsam mit dem wundervollen Engelmagazin darf ich ein tägliches Tagebuch der Hoffnung mit dir teilen.

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