More

    Dr. Daniela Otto: Digital Detox für die Seele

    Eine Einladung zur digitalen Achtsamkeit. Sind Sie wirklich auf der Welt, um Ihr Leben am Handy zu verbringen? Halten Sie kurz inne, lassen Sie diese Frage auf sich wirken. Spüren Sie in diese Worte hinein. Vielleicht finden Sie sie übertrieben. Vielleicht denken Sie, die Antwort ist doch klar und muss natürlich nein lauten.

    Dennoch ist die Frage mehr als berechtigt. Im Durchschnitt verbringen wir täglich 3,7 Stunden alleine am Smartphone. Alle Bildschirme zusammengenommen kommen wir auf bis zu zehn Stunden. Der Sog dieser leuchtenden Bildschirme ist enorm. Sie ziehen uns förmlich an. Mehr noch: Sie machen süchtig. Auch wenn die Digitalisierung große Chancen birgt, so gehen damit dennoch enorme Gefahren einher, allem voran für unsere Seele, die wir inmitten all der digitalen Reizüberflutung immer öfter zu überhören scheinen.

    Ich möchte Ihnen einen Weg zeigen, wie Sie vor lauter Mails, Chats, Tweets, Posts, Likes und Anrufen den Ruf Ihrer Seele wieder hören. Es ist der Weg der digitalen Achtsamkeit, der heute wichtiger denn je ist. Spüren Sie das Leben noch? Durch Bildschirm hindurch können Sie es nicht berühren. Wir müssen endlich erkennen: Zu viel Smartphone ist Gift für uns. Nicht ohne Grund nehmen Depressionen, Angst- und Schlafstörungen zu. Smartphones machen etwas mit uns: Sie verändern unser Gehirn und damit den biologischen Sitz unserer Seele. Wir stehen unter Dauerstress, sind auf Social Media im permanenten Konkurrenzkampf gefangen. In einer Welt, in der sich der Wert eines Menschen anhand von Followerzahlen zu bemessen scheint, geht eines verloren: das Wesentliche. Das, worum es im Leben eigentlich geht. Das Wahre, Gute und Schöne. Die Liebe. Das Unsichtbare. Die Magie. Der Sinn. Und wir verlieren das Wichtigste überhaupt: die Verbindung zu uns selbst, zur eigenen Seele, und zu anderen Seelen.

    Wenn wir aber zurückfinden wollen zu wahrer Verbundenheit, müssen wir bei der liebevollen Selbstbegegnung beginnen. Insbesondere soziale Netzwerke sind zu einem potenziellen Schmerzraum geworden: Neue Krankheitsbilder wie Facebook-Depression, Snapchat-Dysmorphophobie (ein Phänomen, bei dem sich vor allem Frauen ohne Beauty-Filter nicht mehr schön finden) oder Social-Media-Burnout zeugen davon, dass Instagram & Co. toxisch für unser Selbstwertgefühl sein können. Digitale Medien bedienen unsere Gier nach Aufmerksamkeit, jeder Klick und Like ist eine Bestätigung für unser Ego, ein kleiner Dopaminkick, der uns zunächst pusht – doch schnell wird daraus ein narzisstischer Habitus und wir bewegen uns weg von gesunder Selbstliebe, aus der lebensnotwendige Nächstenliebe entstehen kann. Mitgefühl entsteht in unserem Gehirn.

    Die sogenannten Spiegelneurone sind dafür zuständig: Sie spiegeln buchstäblich in uns das Gefühl der anderen, Sie können in sich fühlen, was Ihr Gegenüber fühlt. Sie besitzen also eine Art inneren Spiegeln – nennen wir ihn Seelenspiegel – mit dem Sie sinnbildlich in sich selbst die Seele des anderen erkennen können. Dieser magische neuronale Spiegel in uns, mit dem wir in die Seele anderer blicken können, hat Risse bekommen und ist bei vielen schon blind. Er hat durch all die digitalen Irrwege – den Fokus auf das eigene Ego, die Gier nach Aufmerksamkeit, die Abkehr vom Wesentlichen – trübe Flecken erhalten. Natürlich sehen wir noch ein bisschen etwas, wenn wir hineinblicken. Aber wir sehen es verschleiert. Wir sehen uns nicht mal selbst mehr ganz. Indem wir permanent ins laute, grelle, schrille Außen schauen und den Blick nicht mehr in unser Inneres richten, verlieren wir den Fokus.

    Legen Sie für diese Übung Ihr Smartphone beiseite, damit Sie ganz ungestört bleiben.
    Schließen Sie die Augen, bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit zu Ihrem Atem. Stellen Sie sich vor, wie der Atem ganz ruhig durch Sie hindurchfließt, wie ein harmonischer Bach auf einer ebenmäßigen, blumenbedeckten Frühlingswiese. Die Sonne scheint. Ihr Atem durchströmt Sie.  Mit jeder Einatmung atmen Sie neue Energie und Sonnenlicht ein. Mit jeder Ausatmung atmen Sie verbrauchte Energie und Schatten aus. Mit jedem Atemzug fühlen Sie, wie Sie sich innerlich reinigen. Sie werden ruhiger, fühlen sich klarer, wacher.

    Stellen Sie sich Ihre Seele als inneren Spiegel vor. Schauen Sie genau hin und erkennen Sie, wo Ihr Seelenspiegel blinde Flecken hat, Flecken, die der Heilung bedürfen: Flecken der Traurigkeit, der Einsamkeit, des Schmerzes. Verbinden Sie sich nun innerlich mit dem Sonnenlicht. Es wird immer heller, zum gleißenden Himmelslicht.
    Stellen Sie sich nun vor, wie das Licht Ihren inneren Spiegel reinigt. Wie die negativen Emotionen schwinden. Wie alles heil wird. Wie der Spiegel wieder klar wird.
    Betrachten Sie sich selbst in diesem gereinigten Spiegel. Es gibt kein „falsch“ oder „richtig“. Vertrauen Sie darauf, dass das Bild, das sich vor Ihrem inneren Auge zeigt, wahrhaftig ist. Verweilen Sie in dieser Begegnung mit sich selbst. Schenken Sie sich selbst Mitgefühl.
    Fluten Sie Ihre Seele mit Liebe und Licht.

    Sagen Sie sich innerlich: „Ich bin Liebe und Licht.“ Wiederholen Sie dieses Mantra im langsamen Rhythmus Ihrer Atemzüge. Fühlen Sie, wie Ihre Seele zu leuchten beginnt und sich dieses Licht tausendfach in dem sauberen Spiegel bricht.Ein inneres Strahlen erfüllt Sie und die Welt um Sie herum.

    Betrachten Sie dieses heilsame Licht in sich. Spüren Sie es, halten Sie es, weiten Sie es aus: Stellen Sie sich vor, wie das helle Licht und die Liebe Ihrer Seele weit über Ihren Körper hinausstrahlen. Wohin auch immer Sie gehen, Sie verbreiten Liebe und Licht. Wem auch immer Sie begegnen – er tritt in den Glanz Ihres Seelenlichts und erfährt Liebe. Verweilen Sie in dem Gefühl der liebenden Verbundenheit mit sich selbst und der Welt. Wenn Sie so weit sind, öffnen Sie die Augen und kommen Sie zurück in die Wirklichkeit.

    Dr. Daniela Otto ist Expertin für Digital Detox. Ihr neues Buch „Digital Detox für die Seele“ (Irisiana, 16 Euro) ist das erste Buch, das die Trends Achtsamkeit und Digital Detox vereint. Sie zeigt Wege auf, mit denen wir Social Media und Smartphone bewusst und achtsam nutzen können. Digitale Achtsamkeit ist der Weg, wie wir wieder zu einem wahrhaftigen Verbundenheitsgefühl im Hier und Jetzt zurückfinden können.
    Mehr dazu: www.danielaotto.com // @drdanielaotto
    Das Buch ist auch erhältlich unter: www.mondhaus-shop.de

    Engelwege

    Karl Horat: Die Hand des Engels

    Die Hand des Engels Sertão im Hinterland von Brasilien: Tausende Quadratkilometer Trockensteppe, Sand, Staub, Dornbüsche u

    Meist gelesen