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    Sonja Schmidt-Liebert: Seelenpferde und Pferdeseelen

    Autorin Sonja Schmidt-Liebert beschreibt in dieser Geschichte, wie es ist, wenn du im falschen Körper richtig bist. Die kleine Seele saß auf ihrer Wolke. Sie war ein wenig ungeduldig, doch ihre Zeit war jedoch noch nicht gekommen. Um sich die Zeit zu vertreiben, bis sie auf die Welt kommen sollte, las sie im Buch ihres Seins.

    Mit diesen Worten, die ich vor rund 10 Jahren schrieb, wurde mir bewusst, warum ich mich wohl niemals richtig zugehörig gefühlt hatte.
    Tatsächlich konnte ich lange Zeit mit dem Mensch-Sein gar nicht viel anfangen. Ich verstand all die komplizierten Regeln und Vorschriften nicht. Egal in welchen Bereichen, ich hatte immer das Gefühl, dass ich in etwas hineingepresst werde, das meinem Wesen nicht entspricht. Nur bei und mit den Pferden konnte ich mich so entfalten, entwickeln und sein, wie meine Seele sich das wünschte. Dort konnte ich einfach sein.

    Das Gefühl reichte
    Als Kleinkind wurde ich das erste Mal auf ein Pferd gesetzt und es war ein Gefühl von „hier bin ich zu Hause“, das in mich einströmte. In diesem Moment erwachte etwas in mir, das noch keine Worte fand. Vielleicht auch deswegen, weil ich keine Worte suchte. Das Gefühl reichte. Ich wollte mehr von und mit diesen wundervollen Wesen.

    Ich durfte mich noch in Geduld üben, bis meine Eltern mir tatsächlich ermöglichten, diesem Traum zu folgen. Ein sehr nützlicher Zeitraum, um meinen Willen auch zu bekräftigen und viele Hürden auf dem Weg zu überbrücken. Ich lernte schon hier Durchhaltevermögen, Konsequenz und Selbstdisziplin. Und das sollte ich auf diesem Weg auch brauchen. Denn die Schule, durch die mich die Pferde schickten, war lebenserschaffend und fähigkeitsentwickelnd. Die andere Schule war dank meiner Eltern an die Schule der Pferde gekoppelt. Die Motivation, auch in der „normalen“ Schule gute Noten abzuliefern, war dadurch gesichert. Man kann davon halten, was man will, ich habe dadurch gelernt, dass es manchmal auch Dinge zu tun gilt, die nicht so viel Spaß machen, um seine Träume zu verwirklichen. Und diese Einstellung hat mein Leben in vielerlei Hinsicht schon sehr erleichtert.

    Das Leben beschenkte mich mit Reitunterricht der damals „anderen Art“, denn mein Reitlehrer brachte uns schon vor rund 30 Jahren Reiten aus der Körpermitte bei. Wir saßen oft mit geschlossenen Augen auf dem Pferd. In dieser Zeit lernte ich nicht nur meine Körpermitte kennen – auch wenn sich selbige manchmal am Boden anstelle auf dem Pferd wiederfand –, sondern ich lernte auch mit meinem Körper zu fühlen. Und ich lernte etwas sehr Wesentliches: Du stirbst nicht, wenn du dich schämst und auch nicht, wenn du ausgelacht wirst. Denn ja, das war damals noch Reitunterricht für Spinner.

    Jeder gute Tag, genauso wie jeder schlechte Tag, war eine Vorbereitung auf genau diesen Moment.
    Und natürlich entstand in dieser Zeit der Traum, den viele Pferdemädchen haben: das eigene Pferd. Bei uns damals noch Black Beauty, heute ist es Ostwind, der die Herzen der Pferdemädchen höherschlagen lässt. Und auch dieses Mal war es so, dass das Leben mich mit keinem einfachen und selbstverständlichen Weg beschenkte. Ich durfte auch zur Erfüllung dieses Traumes meinen Willen, meine Fähigkeiten und mein Durchhaltevermögen stärken. Ich möchte an dieser Stelle betonen, ich bin Widder – Sonne und Mond – und Geduld gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken. Doch ist das Ziel wichtig genug, wachsen wir über uns hinaus. Und so war es auch hier. Mein Erwachsenenleben begann mit 18 Jahren und der Entscheidung die Verantwortung für mein erstes eigenes Pferd zu übernehmen. Und ja, der Traum war Black Beauty.

    Die Realität war ein riesengroßer „alter“ Schimmel mit so viel Feuer und Temperament, da hätte sich Black Beauty noch eine Scheibe abschneiden können. Exakt zwei Jahre und einen Tag war dieses Pferd älter als ich selbst – ja genau: auch Widder. Es hätte niemals ein besseres Führungskräfte-Training geben können als dieses verrückte, trainings- und beratungsresistente Pferd. Zehn Jahre lernte ich auf mein Gefühl zu hören, dafür, was ich will, einzustehen und zu einer souveränen Führungskraft zu werden. Und je mehr ich mich durch die Pferde veränderte, desto mehr veränderte sich meine „andere Welt“ – jene, in der ich unter Menschen war. Denn auch dort wurde ich zu Führungskraft. Einfach so, weil mein Pferd mich dazu machte. Was ich in diesem Jahrzehnt mit diesem Pferd erlebte, war und ist eines der größten Geschenke meines Lebens. Selbst in seinem letzten Atemzug eröffnete er mir eine Dimension, die ich niemals hätte erahnen können.

    Er starb in meinem Schoß und ich konnte ihn fühlen, wie er seinen Körper verließ und ich konnte ihn weiter fühlen. Seine Seele ist bis heute an meiner Seite. Der Teil, der zu mir gehört, ist da. Er führte mich zum passendsten Moment in das Reich der Seelen. Denn ab diesem Zeitpunkt wusste ich: Diese Ebene, die wir jetzt haben, die will ich zu Lebzeiten mit meinem Pferd erreichen. So fühlt sich Einssein an. DAS will ich für mich, für die Pferde und für ihre Menschen. DAS ist das Paradies und mit weniger als dem Himmel gebe ich mich nicht zufrieden.

    Den ganzen Artikel findest du im ENGELmagazin Mai/ Juni 2022.

    Sonja Schmidt-Liebert ist eine Frau, deren Herz schon seit frühester Kindheit für die Pferde schlägt. Sie hat praktisch ihr ganzes Leben diesen Zauberwesen und ihrem Sein gewidmet. Sie lebt ihre Pferdeseele und das damit verbundene Sein seit 2022 ehrenamtlich im gemeinnützigen Verein SOULspirit ACADEMY. Dort lebt sie ihren großen Traum „Wir sind Herde“ in der Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen und Tiere, so wie der große Geist UNS gemeint hat. www.emotionaltouch.atwww.sonjaschmidtliebert.at

    Im April erscheint bei der Lotusherz Verlag GmbH das neue Buch von Sonja Schmidt-Liebert „Emotional Touch“; ISBN-Nummer: 978-3-947189-09-0

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