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Glücklich allein

Einmal ganz für sich sein, sich treiben lassen, träumen, still werden, nach innen lauschen, sich nur auf sich selbst verlassen – allein sein macht glücklich, wenn Sie ganz in diesem verkannten Lebensgefühl aufgehen.

Es ist seltsam. Mich macht etwas glücklich, vor dem sich viele Menschen fürchten: das Alleinsein. Ganz für mich zu sein und dabei aufzutanken, dem eigenen Rhythmus zu folgen, mich treiben zu lassen und empfänglich für so manch inspirierenden Musenkuss zu sein – das finde ich herrlich. Ebenso das Wachsen an den Herausforderungen, die ich einfach meis­tern muss, weil niemand anderes selbstverständlich für mich da ist. Das mittlerweile recht stabile Vertrauen, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann … so vieles, was das Alleinsein mir gibt, möchte ich nicht mehr missen. Und gerade weil es vielen Menschen so ganz anders damit geht, habe ich begonnen, es tiefer zu erforschen. Und, was soll ich sagen? Es wurde mir noch wertvoller.

Wer alleine ist, lernt sich zu schätzen
So vieles schenkt uns das Alleinsein. Flexibilität steht für mich ziemlich weit oben auf der Liste. Dicht gefolgt von Kreativität. Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Erfinder, sie alle brauchen den Rückzug ins stille Kämmerlein oder in die Natur. Kreativität, in welchem Lebensbereich auch immer, benötigt das Für-sich-Sein, in dem nachgedacht, geträumt, ausprobiert, gespielt und kreiert werden kann. Viele finden erst im Alleinsein zu ihrer künstlerischen oder anders gelebten kreativen Ader. Oder das innere Wachstum: Die Gelegenheit, über sich hinauszuwachsen, ist selten so günstig wie in den Phasen, in denen das Leben uns von den anderen und den gewohnten Lebensentwürfen fernhält und uns auf uns selbst zurückwirft. Vor allem viele Frauen erleben wahre Wachstumsschübe, wenn sie nach einer Trennung auf sich gestellt sind. Das ist natürlich nicht immer leicht. Doch für so manche der Beginn eines freudigen Aufblühens. Im Alleinsein lässt sich nicht zuletzt erfahren, wie viel Klarheit und Weisheit in uns steckt. Gerade wenn wir dringend Antworten brauchen, kann es hilfreich sein, sich zeitweise aus allen Kontakten herauszunehmen und eben nicht mehr auf andere zu hören. Stattdessen: still werden, nach innen lauschen, warten, vertrauen. Früher oder später zeigt sich das, was jetzt weiterträgt. Eine andere Gabe ist, dass wir uns in Zeiten allein besonders gut selbst kennen- und bestenfalls auch schätzen lernen. Wer viel allein ist, ist ganz offensichtlich der Mensch, mit dem er auskommen und um den er sich kümmern muss. Die beste Gelegenheit, das zu entwickeln, was die Basis aller Heilung und aller echten Begegnung ist: Selbstliebe. Die ist kein Egoismus, denn wer sich selbst zum wahren Freund wird, kann es auch leichter für andere sein. Ob es die Heilung des Inneren Kindes ist, das alltägliche Üben des Mitgefühls für sich selbst in all seinen Stärken und Schwächen, Freuden und Ängsten – im Für-sich-Sein kann man zur Liebe seines Lebens werden.

Alleinsein verbindet
Natürlich, Austausch, Miteinander, Kommunikation, sie sind wesentlich. Sie machen unser Leben ganz entscheidend aus. Das Erstaunliche jedoch ist: Aus meiner Erfahrung macht häufiges Alleinsein umso wacher für die Verbundenheit mit anderen. Wer viel für sich ist, kann das Zusammensein mit Freunden oder Fremden bewusster erleben. Er kann mit der Zeit bemerken, wie viele kleine Begegnungen unweigerlich stattfinden. Sobald der Blick nicht mehr nur auf den (vielleicht gerade leeren) Platz des exklusiven Lebenspartners gerichtet ist, entdeckt man, dass sogar winzige Alltagsbegegnungen erfüllen können. Dem Gehirn ist es relativ egal, wer die guten Botenstoffe auslöst, die einem herzlichen Lächeln folgen, einem guten Witz oder einem Moment des gegenseitigen Verstehens. Und die davon ausgelöste positive Stimmung macht das Leben immer auch reicher an weiteren Begegnungen. Dabei bekommt sogar das Wort „Liebe“ eine neue, tiefer reichende Bedeutung: Liebe, das sind dann kleine Momente positiver Resonanz zwischen zwei Wesen. Es ist das Gefühl, das dann in uns schwingt. Liebe hat in diesem Sinne nichts mit der Vorstellung zu tun, dass wir mit jemandem für immer liebevoll verbunden sind. Liebe ist kein Dauerzustand mit einer auserwählten Person, sondern eine Schwingung in uns selbst, die aus den unterschiedlichsten Begegnungen erwachsen kann. Jeden Moment neu. Indem wir freundlich und offen in all den Interaktionen sind, die ohnehin passieren, indem wir sie wach und von Herzen gestalten, öffnen wir uns für die Frequenz der Liebe. Und sie ist es, die uns trägt. Unabhängig von unserer Familiensituation. Sie geht für mich weit über die Liebe zu anderen Menschen hinaus. Ich schätze die Nähe zur Natur und zu geistigen Kräften sehr, die ich im Alleinsein besonders intensiv erleben kann. Und ich empfinde es als beglü­ckend und nährend, durch das Gewühle einer Stadt zu gehen, allein, niemanden kennend, vielleicht nicht mal die Straßen – und mich mit einem Baum, einer Rosenhecke, einer um eine Ecke biegenden Katze oder dem Abendstern verbunden zu wissen. Für Alleinige kann die ganze Welt zum Du werden. Wir können den Fokus immer neu wechseln. Mit einer gewissen Offenheit leben wir dann weniger „eindimensional“ als Menschen, die immer die gleichen Nächs­ten um sich haben und auf sie ausgerichtet sind. Dann sind wir heute mit dem Mond verbunden, morgen mit einem See. Und taucht übermorgen jemand auf, der uns den Kopf verdreht, rückt die innere Verbindung zu Mond und See auch erst mal wieder in den Hintergrund …

 

Über die Autorin

Über die Autorin

Franziska Muri ist Kultur- und Geisteswissenschaftlerin, Coach für „The Work of Byron Katie“ und seit vielen Jahren als Lektorin in der Buchbranche tätig. Beruflich wie privat sind ihre Themen ganzheitliche Heilung und Spiritualität. Sie lebt allein, sie arbeitet allein – und sie liebt es. Meistens. Mit ihrem neuen Buch kommt Franziska Muri ihrem Herzensanliegen nach: den Ruf des Alleinseins zu verbessern und es „Solistinnen“ leichter zu machen. Sie ist Kulturwissenschaftlerin und seit vielen Jahren als Lektorin in der Buchbranche tätig. Mehr Informationen zur Autorin: www.franziskamuri.de

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