Daniela Hutter: Ich aber auch!

„Ich beanspruche des Recht, so zu sein, wie ich bin“, schreibt Daniela Hutter eine Leserin ihres Newsletters. Sie antwortet ihr darauf auf einen Ihrer Beiträge. Kurz vorher wurde die Autorin und Kolumnistin  auf Social Media von einer Frau aufgefordert: „Wenn du nicht …, dann entferne mich bitte aus deiner Freundesliste.“

Meine Meinung zu einem bestimmten Thema hatte ihr offensichtlich missfallen.

Nun gut. Beim ersten Drüberschauen kann ich die Sache (vielleicht) nachvollziehen. Es gibt Menschen, die sind der einen Meinung, und es gibt Menschen, die sind anderer Meinung. Und die einen wollen mit den anderen nichts (mehr) zu tun haben. Sie sollen in deren Timeline (und damit in deren virtuellen Leben) nicht mehr auftauchen.
Aber ich habe mir den zweiten Blick angewöhnt. Und dieser Blick hinterfragt immer: Was zeigt mir eine Situation noch? Und diese Sache zeigt schon allerhand. Distanz ist erwünscht, Trennung geschieht, weil die Meinung nicht passt. Und genau da haken sich meine Gedanken ein, denn ist das nicht das Dilemma, in dem wir uns befinden? Ist das nicht das Problem unserer Gesellschaft, dass das Miteinander mehr und mehr verschwindet, weil wir andere Meinungen nicht mehr akzeptieren und respektieren wollen?
Eigentlich wünschen wir uns alle Individualität. Jeder möchte „so sein dürfen, wie er ist.“ Jeder möchte seine eigene Meinung haben dürfen, jeder möchte sein eigenes Leben nach eigenen Maßstäben leben dürfen. Aber andere Meinung passen da offensichtlich immer weniger in das eigene Denk- und Lebensmodell. Und was nicht passt, muss weg.

Die Botschaft an mich ist: Verschwinde aus meinem Leben, wenigstens dem virtuellen! Und nicht selten verhält es sich im „richtigen Leben“ ähnlich. Wie oft höre ich gerade in der spirituellen Szene, dass Freundschaften beendet werden, weil „es“ nicht mehr passt. Und das „es“ beschreibt dann nur, dass die ehemaligen Freunde nicht derselben Meinung waren, dass die gemeinsame Haltung zum Leben fehlt. Gut es gibt Dinge, da muss und sollte man nicht lange darüber diskutieren. Rassismus beispielsweise gehört dazu. Da sollte es im Grundsätzlichen wirklich keine zwei Meinungen geben. Dennoch sollte man in Einzelfällen auch bei diesem Thema darüber nachdenken dürfen, ob ein Vorwurf gerechtfertigt ist oder nicht. Ich stelle fest: Die Welt redet viel von Harmonie, wird aber immer unversöhnlicher: Veganer und Vegetarier bauen ihre Fronten auf gegen Fleischesser und umgekehrt, Autofahrer gegen Radfahrer, Impfbefürworter gegen Impfgegner, Klimaretter gegen Klimawandel- Leugner usw. Früher gab es einen großen kalten Krieg. Heute gibt es viele kleine kalte Kriege.

Energie hat kein Mascherl, soll heißen: Solche feindseligen Handlungsmuster und Steuerungsmechanismen gewinnen sehr schnell an Eigendynamik. Einmal in die Welt gesetzt, sind sie kaum mehr zu bremsen. Was steckt dahinter? Ich denke, es ist vor allem der Mangel an Respekt für das Anderssein. Und meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt: Je größer der Mangel an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl bei einem Menschen, desto größer ist auch dieser Mangel an Respekt für das Anderssein. Schwache Menschen sind unsicher und fühlen sich deshalb vom Anderssein in ihrem Selbstverständnis bedroht. Ich bin überzeugt, dass dies auch einer der Gründe für den wachsenden Rassismus in der Gesellschaft ist. „Ich beanspruche des Recht so zu sein, wie ich bin, und das zu tun, was ich will, schrieb mir die Leserin. Und eigentlich kann ich ihr auch zustimmen. Auch ich möchte so leben und tue es auch. Und ich mag mich auch nicht mit allen Menschen umgeben, die aus meiner Sicht unvertretbare Haltungen wie Rassismus einnehmen. Doch ab wann werde ich mit meiner Weltanschauung zu dogmatisch? Ich mach zum Beispiel keine Kompromisse, wenn es um den Schutz von Tieren und den Schutz der Natur geht. Aber wie viel von meiner Meinung darf ich von anderen einfordern? Wenn ich mit meinen Gedanken festsitze, dann hilft es mir, die Betrachtungsebene und die Perspektive zu wechseln. Und plötzlich zeigt sich mir dann auch ein neues Bild.

Kein Platz und kein Pardon fürs Andersein – das hat eine traurige Tradition in der Geschichte. Doch die Zeiten ändern sich. Und wir alle, spirituelle Menschen besonders, haben den Auftrag, uns weiterzuentwickeln. Die Schlüssel zu einem neuen Wir können Achtsamkeit und Wertschätzung für das Anderssein und die andere Meinung sein. Vermutlich ist es unsere nächste Aufgabe, zu lernen, wie man den Freiraum des anderen mit dem eigenen Freiraum verbindet. Zu lernen, dass das Recht auf die eigene Individualität das Recht der Anderen auf ihre Individualität bedingt. Heißt: Du darfst so sein, wie du willst! Ich aber auch! Oder wie es schon in der Bibel steht: Alles nun, was  irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso! (Matthäus 7,12)

Daniela Hutter, geboren 1966, ist Unternehmerin, Reiki Meisterin und Engelenergetikerin. Zu den Themen spirituelle Entfaltung, weibliches Bewusstsein, Glück und Engel bietet sie Coachings, Seminare und spirituelle Reisen an. Sie schreibt regelmäßig Blogs sowie Kolumnen für das Engelmagazin. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in St. Johann/Tirol.

Engelwege

Beatrice Weise-Kühn: Mondgöttin

Sei gegrüßt du wundervolle Mondschwester. Wir befinden uns in einer Zeitqualität des Erwachens. Das wahrnehmen und fühlen ...

Meist gelesen