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    John Schlammes: Das Wunder der Balance

    John Schlammes zeigt uns die spirituelle Dimension des Ayurveda. Ayurveda ist vielen von uns bekannt und meistens verbinden wir mit dieser indischen Gesundheitslehre, erst einmal eine asiatisch angehauchte Ernährungsform und entspannende Ölmassagen. Dabei ist Ayurveda in seinem Kern so vielschichtig wie der Mensch selbst.

    Der Legende nach versammelten sich vor langer Zeit sogenannte Rishis (weise Männer, die über eine große Klarsichtigkeit verfügen) in den Gebirgen des Himalaya, um darüber zu diskutieren, wie die Menschen frei von Krankheit und Beschwerden werden können. Nach tiefer Meditation, Einheitserfahrung und intensiver Beobachtung der Natur, und deren Gesetzmäßigkeiten, wurde diese Weisheit, die kosmischen Bewusstseins entsprang, von den Herzen der Rishis intuitiv empfangen. Seit vielen Jahrhunderten wird dieses ganzheitliche Gesundheitssystem nun vom Lehrer zum Schüler übermittelt und wurde so bis in die heutige Zeit überliefert.
    Da Ayurveda auf unvergänglichen Naturgesetzen beruht, hat er nicht an Aktualität verloren, ganz im Gegenteil. Viele Menschen schwören mittlerweile auf den ganzheitlichen Behandlungsansatz, sowohl in der Gesundheitsprävention wie auch im Kurkontext. Mittlerweile ist Ayurveda weltweit bekannt und findet immer mehr Anhänger.
    Stressbedingte Störungen der inneren Balance nehmen zu. Gerade hier kann Ayurveda den Menschen in seiner Ganzheit abholen, nicht nur körperlich sondern auch auf der geistigen und der spirituellen Ebene. Ayurveda strebt stets Gesundheit im ganzheitlichen Sinn an. Diese ist Voraussetzung zum Erreichen von vier Lebenszielen. Dharma – die rechte Art zu leben, Artha – der materielle Wohlstand, Kama – sinnlicher Freuden, und Moksha – der Erleuchtung. Die drei ersten Ziele sind eher weltlicher Natur, während das letztgenannte die spirituelle Dimension des Ayurveda mit einbezieht.
    Was sind meine Lebensziele, wofür soll mein Leben stehen?
    Stellen Sie sich folgende Fragen:
    – Was ist der Sinn meines Lebens? Wofür bin ich hier und was sind meine Aufgaben in
    diesem Leben?
    – Was kann ich mit meinen Fähigkeiten und Talenten zu dieser Welt beitragen?
    – Welche Werte sind für mich essentiell? Wer und was ist mir wichtig in meinem Leben?
    – Was schenkt mir tiefe Zufriedenheit?
    Der ayurvedische Ansatz basiert auf drei Therapiesäulen: 
    – Der rationalen Therapie, welche eine zuträgliche Ernährung, einen ausgeglichenen Lebensstil, Kräuter und Gewürze, sowie Manualtherapie (Massagen und Ausleitungsverfahren) beinhaltet.
    –  Der geistigen Ebene, welche es uns durch eine Klärung des Geistes mittels Meditation und Yoga ermöglicht, in unserer Lebensführung die richtigen Entscheidungen zu treffen.
    – Um dem ganzheitlichen Ansatz des Ayurveda gerecht zu werden, wird auch eine dritte, spirituelle Ebene des Menschen mit einbezogen. Im Sanskrit wird diese Ebene Dayvavapashraya, wörtlich die „himmlische Therapie“, genannt. Diese beschreibt die subtile und spirituelle Heilkunde und besteht aus verschiedenen Methoden, um negative Einflüsse abzuwehren und positive zu fördern.
    In allen Kulturen dienen seit jeher Rituale dem Menschen, auf anderen Ebenen Unterstützung zu erhalten und so finden wir auch in der ayurvedischen Heilkunde viele Beispiele wie Achtsamkeit, Mantrarezitation, Edelsteine, Segensrituale, Feueropfer, Fasten, Verzicht, transzendentale Reflexion, Gottvertrauen und Pilgerreisen. Viele dieser Methoden sind fester Bestandteil indischer Kultur und Spiritualität. Wir können die Idee der Spiritualisierung des alltäglichen Lebens aber sehr gut an unsere Zeit und unseren Kulturkreis anpassen und so dem Leben mit tieferer Demut, Urvertrauen und Dankbarkeit begegnen.
    Stellen Sie sich täglich folgende Fragen:
    – Wofür bin ich in meinem Leben zutiefst dankbar, trotz Schwierigkeiten und Problemen?
    – Was kann ich für andere tun, auch wenn es mir selbst gerade nicht so gut geht?
    Wie im Innen, so im Außen – Mikrokosmos und Makrokosmos
    Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum bilden die fünf Elemente, aus denen der ganze Kosmos und somit auch wir, als nicht-getrennter Teil des Universums, zusammengesetzt ist. Der Mensch wird im Ayurveda als ein mikrokosmisches Abbild der Natur gesehen, weshalb die fünf Elemente, die in der Materie vorhanden sind, ebenfalls in jedem einzelnen Menschen gegeben sind. Auf der Ebene der Elemente ist alles mit allem verbunden und in einem ständigen, dynamischen Austausch. Auf der spirituellen Ebene ist es das Ziel des Ayurveda, jedem Menschen es zu ermöglichen, seinen Körper in eine vollkommene, harmonische Beziehung zum kosmischen Bewusstsein zu bringen.
    Übung:
    –Nehme ich die fünf Elemente – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum – in meinem Alltag
    bewusst wahr?
    – Inwiefern sind diese mir in meinem Innern bewusst? Wo kann ich sie im Außen
    wahrnehmen?
    – Über welche Sinne nehme ich sie vordergründig wahr?
    – Kann ich mich auf eine Interaktion von Innen und Außen einlassen und so ein Empfinden
    von All-Einheit erfahren?
    Agni – der Gott des Feuers – und die transformative Kraft, die dem Feuer innewohnt
    In den altvedischen Zeremonien gab es unzählige Rituale – viele davon drehen sich um die Verehrung von Agni, den Gott des Feuers. Agni Hotra ist ein Feuerritual, welches zum Sonnenauf- und Untergang durchgeführt wird, um so bestimmte Energien zu erzeugen und Naturkräfte in Harmonie zu bringen.
    Alles, was wir wahr- und aufnehmen, muss in uns verdaut und verarbeitet werden – Emotionen, Eindrücke, Gespräche und Nahrung. Agni manifestiert sich in allen lebenden Wesen als das Verdauungsfeuer. Dieses spielt im Ayurveda eine zentrale Rolle in der Entstehung und dem Erhalt von Gesundheit. Ein Leitsatz der Gesundheitslehre lautet: „Du bist, was du verdaust.“ Doch nicht nur Nahrung sollte bestmöglich verdaut werden, auch geistige Eindrücke, so wie alles, was wir über unsere fünf Sinne wahrnehmen. Sind unsere Sinne und unser Geist überlastet, können stressbedingte Störungen auftreten und es wird dann Zeit, gegenzusteuern. Meditation und Achtsamkeit sind der Schlüssel zur geistigen und sinnlichen Ausgeglichenheit. Über Atemübungen, vor allem die Praxis von Pranayama (Atemübungen zum Aktivieren und Ausbalancieren der Lebensenergien), können wir unsere leeren Akkus gezielt wieder aufladen.
    Alles ist Energie – drei feinstoffliche Quellen der Energie
    1. Ojas – feinstoffliche Energie, die wir über die Nahrung aufnehmen.
    2. Tejas – feinstoffliche Energie, die wir über das Sonnenlicht aufnehmen.
    3. Prana – feinstoffliche Energie, die wir über den Atem aufnehmen.
    Wir sollten versuchen, unseren Energiehaushalt stabil zu halten, d. h. so wenig wie möglich Energie unnütz zu verbrauchen und dabei unser Energiereservoir und den Energiefluss in einem ausbalancierten Zustand zu halten.
    Übung: Stellen Sie sich folgende Fragen:
    – Wie gut ist die Qualität der Nahrung,
    die ich täglich zu mir nehme?
    – Verbringe ich ausreichend genug Zeit
    in der Sonne und im Freien?
    – Wie bewusst bin ich mir meiner Atmung?
    Nehme ich mir Zeit, regelmäßig bewusst und tief zu atmen oder bestimmte Atemübungen zu praktizieren?
    Sattva, Rajas, Tamas – die drei Qualitäten unseres Geistes
    Ein ausgeglichener und ruhiger Geist ist die Grundlage einer gesunden Lebensführung. Der Ayurveda beschreibt drei mögliche Zustande unseres Geistes:
    – Tamas – von Trägheit, Schwere und Antriebslosigkeit geprägt
    – Rajas – Gefangen im Spannungsfeld von Anhaftung und Abneigung
    – Sattva – von Klarheit und Weisheit durchdrungen
    Unser Ziel ist es immer, Klarheit (sattva) auf unserer geistigen Ebene zu schaffen und dabei Spannung und Dumpfheit weitestgehend zu reduzieren. Hier kommen wieder die Atemübungen des Yoga und meditative Praktiken ins Spiel.
    Buddhi – in tiefem Vertrauen, die richtigen Entscheidungen treffen.
    Wenn wir innerlich klar sind, also die geistige Qualität von sattva stark ausgeprägt ist, treffen wir in unserem Leben auch die richtigen Entscheidungen. Der Sanskrit Begriff buddhi (abgeleitet von Buddha) ist eine weitere geistige Qualität ins uns, die wir mit Unterscheidungsvermögen, aber auch mit Intuition beschreiben können. Ist buddhi gut ausgeprägt, können wir aus einem großen und tiefen Vertrauen in den Fluss des Lebens heraus die Entscheidungen in unserem Leben treffen, die für uns und für andere gut und wegweisend sind.
    Dies erreichen wir mittels einer von Achtsamkeit geprägten Lebensweise. Meditation und andere spirituelle Praktiken und Rituale zeigen uns den Weg zu Urvertrauen und Zuversicht. Die Herstellung von Balance im ganzheitlichen Sinn (Körper, Geist und Seele) ist die Grundlage eines reichen und erfüllten Lebens, in Einklang mit meinen Lebenszielen, meinen gelebten Werten und dem ganzen Universum.
    John Schlammes ist Yogalehrer und Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberater. Er leitet seit 15 Jahren sein eigenes Zentrum für Yoga und Ayurveda in Luxemburg. Individuelle Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberatungen sind vor Ort in Luxemburg und auch online möglich.
    www.ayurveda-johnschlammes.com

    Engelwege

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