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    Sind Engel immer geflügelte Wesen – oder auch einfach Lichtkreise?

    Wenn wir Kreise, Punkte oder Fäden sehen – sind das für uns meistens einfach nur Störungen des Auges oder Engelslichter? Üblicherweise denken wir beim Wort Engel meistens nur an geflügelte Wesen in Menschengestalt. Glaskörpertrübung oder Bewusstseinslicht? Eine mystische Geschichte über die nahe (f)liegendste Sache der Welt.

    Jill war sieben Jahre alt, als sie ein Bild zeichnete, womit sie ihrer Mutter die „Kreise“ zeigen wollte, die sie sah und die auf sie zukamen. Für die Mutter, Inge Hausmann, waren die Kreise ein Ausdruck der Fantasie ihrer Tochter – zumal der Gang zum Augenarzt nichts ergeben hat. Jill fürchtete sich anfangs vor ihren Kreisen. Dann aber erkannte sie, dass sie sich nicht zu fürchten braucht – denn es seien ihre Schutzengel, wie sie ihrer Mutter erklärte. Viele Jahre später – nach dem tragischen Unfalltod von Jill im Alter von 22 – hat Inge Hausmann Kontakt mit mir aufgenommen. Das Phänomen, das ich erforsche, die so genannten „Mouches volantes“, würde sie an die Zeichnung ihrer Tochter erinnern. Mouches volantes sind die subjektive visuelle Erscheinung von transparenten oder leuchtenden Punkten und Fäden, die sich mit dem Blick mitbewegen. Viele Menschen kennen sie, wenige achten darauf, einige stören sich daran. Augenärzte nennen sie „Mouches volantes“, fliegende Mücken. Es seien verklumpte Strukturen im Glaskörper, eine harmlose Alterserscheinung, solange sie nur vereinzelt auftauchen.

    Doch seit der Begegnung mit einem Emmentaler Einsiedler, der diese Punkte und Fäden als „Leuchtstruktur des Bewusstseins“ sieht und dieses Sehen als Meditation praktiziert, zweifle ich an der physiologischen Erklärung. Ich forschte und fand solche Formen in der Kunst und in Berichten von Schamanen, Mystikern, Yogis und anderen, die im Rahmen ihrer spirituellen und heilerischen Tätigkeit Formen der Bewusstseinsveränderung praktizieren. Diese Menschen haben die Leuchtstruktur sehr wahrscheinlich in ekstatischen Zuständen gesehen und im Rahmen ihrer jeweiligen Kultur interpretiert, z.B. als Geister, Samentropfen, Blüten oder andersweltliche Lichter. In unserer Kultur werden sie von manchen Menschen als Engel erlebt. Jill ist kein Einzelfall. Auch für andere Menschen, die mit mir Kontakt aufgenommen haben, sind diese Leuchtpunkte und Leuchtfäden Engel oder Botschaften von Engel.

    Üblicherweise denken wir beim Wort Engel an geflügelte Wesen in Menschengestalt. Doch bereits in den alten Kulturen des Nahen und Mittleren Ostens hatten Engel nicht nur eine tierische und menschliche Gestalt, sondern auch die eines Kreises. Etwa als geflügelte runde Scheibe bei den Ägyptern und Mesopotamiern, als rundes weißes Feuer in der zoroastrischen Bundahishn der Perser und als Räder voller Augen am Gotteswagen in den Visionen biblischer Propheten. Diese Räder gelten in der jüdisch-mystischen Kabbala als eigene Klasse von Engeln. In den christlichen Engelshierarchien werden sie teilweise mit den „Throni“ gleichgesetzt, einer der drei höchsten Engelschöre, die Gottes Licht am reinsten und direktesten weitergeben.

    Engel sind also nicht nur mit dem Himmel, dem Fliegen, dem Licht und dem Göttlichen assoziiert, sondern auch mit Formen wie Kreis, Scheibe, Rad, Punkt oder Kugel. Gut möglich, dass heutige wie frühere Seherinnen und Visionäre die Leuchtstruktur Mouches volantes – seien es vereinzelte Leuchtkugeln, seien es zu Kreisen gebogene Leuchtfäden mit aufgereihten Kugeln darin – als Vermittler des göttlichen Lichts gesehen und erlebt haben. Wenn wir heute unsere Mouches volantes erblicken, sehen wir vielleicht eine Trübung. Vielleicht sehen wir aber auch eine Schönheit, Klarheit und Leuchtkraft in den Kugeln und Fäden, die uns an das göttliche Licht, den Schutz, die Botschaft und Begleitung aus der spirituellen Welt erinnern. Und vielleicht können wir uns sogar so weit öffnen, um sie wie Jill und die Seherinnen und Seher früherer Zeiten als Engel zu erkennen.

    Der Name Floco Tausin ist ein Pseudonym. Der Autor promovierte an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern und befasst sich in Theorie und Praxis mit der Erforschung subjektiver visueller Phänomene im Zusammenhang mit veränderten Bewusstseinszuständen und Bewusstseinsentwicklung. 2004 veröffentlichte er die mystische Geschichte „Mouches Volantes“ über die Lehre des im Schweizer Emmental lebenden Sehers Nestor und die spirituelle Bedeutung der Mouches volantes.
    floco.tausin@mouches-volantes.com

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