More

    Susanne Smolej Wierl: Emotionaler Hunger

    Wir sind emotional hungrig und trösten uns ständig mit Essen, suchen Befriedigung in Momenten voller Langeweile, Frust oder Stress und bemerken gar nicht, was wir wirklich brauchen. Doch was genau ist eigentlich emotionaler Hunger? Susanne Smolej Wierl erklärt uns, was emotionaler Hunger ist und wie dieser überhaupt entsteht.

    Oftmals verspüren wir Lust auf etwas ganz bestimmtes, obwohl wir gerade erst gegessen haben und eigentlich satt sind. Diese Gelüste sind meist süß oder salzig, beide Geschmacksrichtungen gelten im Ayurveda als emotional beruhigend, entspannend und stabilisierend. Der Geschmack und die Textur geben uns ein kurzweiliges gutes Gefühl, wie Ruhe, Belohnung, Ankommen. Genau dadurch erkennen wir, es hat nichts mit physischem Hunger oder einem körperlichen Bedürfnis zu tun.

    Die Entstehung positiver Gefühle bei der Nahrungsaufnahme geht sehr weit zurück
    Schließ mal die Augen und gehe in Deiner Erinnerung zurück. Egal, wie die Umstände waren, als Du geboren wurdest, beobachte mal nur Deine körperliche Reaktion jetzt beim Durchlesen. Du kommst auf die Welt. In eine völlig andere, als Du sie bisher kanntest. Zum ersten Mal fühlst Du Dich irgendwie autonom, vielleicht getrennt, fremd, überfordert, alles neu – eine kleine Art von Stress. Du wirst eingewickelt, gehalten, da ist wieder Nähe zu einem anderen Körper, aber anders, als es Dir vertraut war. Trotzdem Nähe, eine Art von Geborgenheit, Sicherheit und Halt. Und dann kommt etwas in Deinen Mund. Süß, cremig, fettig verbunden mit der Sicherheit, der Nähe und dem Halt. Fast jedes mal wenn Du weinst, sei es aus Unsicherheit, ein Wehwehchen, niemanden zu sehen, etc…. der gleiche Vorgang. Der selbe Geschmack und mit ihm Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit, gehalten sein – unabhängig von wem. Während dieses Moments hält Dich jemand, ist Dir nah und es erfüllt Deinen Mund.

    Wir werden zwar älter, aber der Vorgang bleibt lange so. Solange wir nicht sagen können „Aua!“ „Ist hier noch jemand?“ „Ich habe Angst“ „Ich bin allein“ werden wir meist getröstet, indem wir etwas in den Mund gesteckt bekommen. Bei manchen zieht sich das fort. Wir fallen hin, es wird vielleicht gepustet, eine kurze Umarmung, wir werden wahrgenommen und bekommen zum Trost ein Eis. Wir haben Streit in der Familie und versöhnen uns bei einem Essen. Die Werbung hat das schon lange für sich erkannt und die Lebensmittelindustrie macht es noch cremiger, noch fetter, noch süßer – die Verknüpfung funktioniert auf Knopfdruck. Ein stressiger Tag und der Wunsch nach Entspannung? Ein Schokoladenriegel aus dem Kühlschrank hilft.

    Keiner von uns knabbert bei Stress oder Langeweile an einer Selleriestange oder Salatgurke
    Wer kennt das nicht? Stress und Schokolade? Liebeskummer und Eis? Langeweile und Chips? Ein ruhiger Moment der Belohnung mit Kuchen? Handeln wir in diesen Momenten wirklich für uns? Erfüllen wir unsere Bedürfnisse tatsächlich mit diesem kurzen Geschmackserlebnis? Wonach sehnen wir uns wirklich? Vielleicht doch eher Halt, Sicherheit und Nähe? Wie können wir uns das in solchen Momenten geben?

    Im Dialog mit unserem Inneren
    Unser Geist ist so konzipiert, dass wir immer eine Antwort bekommen. Schließ doch mal die Augen und spüre den Fragen nach:

    Wie fühlt sich für mich Halt an?
    Wo in mir sitzt dieses Gefühl?
    Welche Farbe hat es?
    Atme es größer und fülle Dich mit dieser Farbe.
    Wie fühlt sich Sicherheit für mich an?
    Wie kann ich mir selbst Sicherheit geben?
    Welche positive Affirmation schwingt in mir zu diesem Thema?

    Schreibe die positive Affirmation an Deinen Spiegel und Deinen Kühlschrank und fühle die Wirkung des Satzes jedes mal, wenn Du ihn Dir laut vorliest.

    Wie kann ich mir selbst nah sein?
    In meine Mitte kommen?

    Lege Deine Hände auf Deinen Bauch, gehe mit Deiner ganzen Aufmerksamkeit dort hin und dehne Dich von Deiner Mitte aus in Deinen ganzen Körper aus.

    Das sind nur wenige Ansätze, die jedoch schon sehr hilfreich sind. Bei diesem Thema gelangen wir in Sitzungen dazu von der Regression in die Reinkarnation, von hypnosystemischer Arbeit in spirituelle Heilung. Für mich hat sich in der Praxis herausgestellt, dass es die persönlichen Antworten aus unserem Inneren ausmachen. Wenn ich sage, „atme doch mal Grün“, weil es als Farbe der Heilung gilt, für meinen Klienten die Farbe der Heilung aber gelb ist, kann grün für ihn nicht wirken. Zu dem Thema emotionaler Hunger, bzw. emotionales Essen kommen wir zu den unterschiedlichsten Auslösern, doch die dahinter stehenden Bedürfnisse sind sich sehr ähnlich. Wenn wir mit dieser Information nach Lösungen suchen, sie neu gestalten eröffnet sich ein ganz neuer Handlungsfreiraum. Wir sind dann nicht mehr Opfer unserer Emotionen und damit verbundenen Gelüsten, wir sind Beobachter und erkennen die eigentliche Botschaft. Erkennen, was wir wirklich benötigen, wonach wir uns sehnen und wie wir diese Sehnsucht nachhaltig stillen können.

    Ayurveda lehrte schon vor 1000en von Jahren den Zusammenhang von Geschmacksrichtungen und Emotionen
    Zu diesem Wissen kam ich in Verbindung mit meiner langen Schule des Ayurveda und der Hypnose. Genau die individuelle Betrachtungsweise des Ayurveda war es, was mich überzeugte, womit ich in Resonanz ging. Es geht um den Moment, um das Jetzt – verbunden mit dem, was uns prägt.

    Mit Ayurveda kam ich das erste Mal 1998 in Berührung, als ich noch Redakteurin für das Lifestylemagazin Leben&Wohnen auf TM3 war und eine Ayurvedasendung recherchierte. Damals habe ich schon bemerkt, wie schwierig es ist, dieses faszinierende System in 25 Minuten zu packen, doch das Ausmaß, was es bei mir bewirken würde, war noch nicht ersichtlich.

    Ayurveda ist so viel mehr, als nur Wellnessmassagen, Vata, Pitta und Kapha und indische Gewürze in der Küche. Mit einem breiten Verständnis für Ayurveda, verändert sich das Weltbild, verändern wir uns und können die Welt verändern. All das, was die Quantenphysik und die Spiritualität der neuen Zeit heute weiß und lehrt, wussten die Rishis (Seher) bereits vor tausenden von Jahren.

    Wir sind ein Mikrokosmos im Makrokosmos – beschreibt unser „Eingebettet sein“ in unsere Umwelt ganz gut. Wir sind allzeit verbunden, den Wirkungen und Energien um uns herum ausgesetzt, sind angepasst an die Natur unserer Heimat, an das Klima, wie jeder Apfel an einem Baum, sind wir Teil eines Systems. Daher vertragen wir auch saisonal und regional am Besten.

    Wenn wir uns mit Ayurveda beschäftigen, stellen wir bald fest, dass es eine Einstellung zum Leben bedeutet. Der Ayurveda lehrt uns ständig Verantwortung zu übernehmen, uns zu beobachten und kennen zu lernen, um mit einzuwirken für unser Wohlbefinden, für unsere Gesundheit, für unser emotionales Gleichgewicht und auch unser spirituelles Empfinden. Wir sind niemals Opfer irgendwelcher Umstände, dafür bedarf es einer Entscheidung. Wenn wir all dies für uns nutzen, in die tägliche Achtsamkeit und Beobachter Position gehen, bemerken wir, aus welchen Gründen wir essen und auch welche Geschmacksrichtungen an welche Emotionen gebunden sind.

    Dann bemerken wir auch, ob wir für unseren Körper und seine Fitness essen, oder gegen Stress. Nur funktioniert Stress wegessen schon aus natürlicher in uns angelegter Stressreaktion nicht.

    Kämpfen, Flüchten oder Essen?
    Wenn wir nach unserer körperlichen Intelligenz gingen, nach unserer eigentlichen Stressprägung, würden wir in diesem Moment nämlich gar nichts essen, wir würden entweder in eine „Schockstarre“ gehen, da der Säbelzahntiger jeden Atemzug spüren kann, wir würden kämpfen oder um unser Leben rennen, weil eben dieser Tiger sehr schnell ist. Unser heutiger Stress ist unausgeglichen, es geht nicht mehr ums Überleben, wir haben keinen wirklichen Gegner und wissen daher gar nicht, wie wir jetzt reagieren sollen. Die Energie unserer Reaktion bedarf aber immer noch der selben Richtung. Wir sind ständig angespannt, ohne es noch wahrzunehmen, hetzen von A nach B, essen währenddessen, nehmen viel zu viele Eindrücke auf, machen zu Vieles gleichzeitig und damit alarmieren wir unablässig unser Nervensystem. Pausen oder Bewegung. Ruhe oder Aktion. Indem wir wieder hineinspüren, können wir unserem „Gegner“ zu unseren Gunsten gegenübertreten und für uns handeln.

    So verhält es sich auch mit emotionalem Stress. Schokolade kann uns keinen Moment der Nähe geben, da aktiviert eine schöne Erinnerung, an einen Moment der Nähe mehr neuronale Verknüpfungen und Ausschüttung von dementsprechenden Hormonen, wie Oxytocin. Es ist mehrfach bewiesen, dass eine intensive Vorstellung, eine bildhafte Erinnerung in unserem Körper die selben Reaktionen bewirkt, als wenn wir jetzt diesen Moment erleben würden. Das nutzen wir tatsächlich ständig, nur leider in die falsche Richtung. Wir sind es vielmehr gewohnt, in negative Erinnerungen zu gehen, da wir neulich, bei den Hottentotten in der Steinzeit aus Angst gehandelt und gelernt haben. Gefahr lauerte an jeder Ecke. So ist es jedoch heute nicht mehr. Wir können uns darin schulen, positives Denken und erfreuliche Erinnerungen im Übermaß zu erleben. Das lässt sich trainieren, wie einen Muskel. Indem wir es immer wieder tun, stellen wir fest: ups! Ich kann in jedem Moment glücklich sein. Mein Glücksmuskel ist gut trainiert.

    Wenn wir erkennen, was wir brauchen, können wir in gewissen Momenten auch eine/n Freund/in anrufen, uns verabreden oder mit uns selbst nah sein. Ein Spaziergang in der Natur gibt uns das Gefühl von Verbundenheit und Nähe und erfüllt uns zudem mit Ruhe.

    Wenn wir wieder beginnen uns mehr zu beob“achten“, uns z.B einen Erinnerungspunkt an den Kühlschrank kleben, uns bewusst in den jetzigen Moment holen und in uns fragen: „was brauche ich wirklich?“ „Wonach sehne ich mich wirklich?“ und „wie kann ich mir das geben?“ entfernen wir uns weg vom emotionalen Essen, hin zu mehr Selbstfürsorge, Selbstliebe und Wohlbefinden.

     

    Susanne Smolej Wierl arbeitet ist Ayurvedatherapeutin, Hypnosecoach und Medium und kann mit 20 Jahren Praxiserfahrung in Deutschland und Spanien, mittlerweile auch Schweiz, Österreich und England auf einen weiten Erfahrungsschatz zurückgreifen. Sie führt durch hypnotische Innenweltreisen und leitet intuitive Selbsthypnose an. Sie bietet alle Sitzungen online an und hat eine Praxis in Niederbayern und in der Nähe von München. Ihr Ratgeber „Du bist mehr“ mit Übungen, Alltagsritualen, spirituellen Impulsen und vielen leckeren glutenfreien und veganen Rezepten ist direkt bei Susanne Smolej Wierl oder bei Amazon erhältlich.

    Kontakt: susanne@psychic-life-coaching.de / www.psychic-life-coaching.de / m.facebook.com

    Engelwege

    Sandra Stelzner-Mürköster: Die Kraft des violetten Baumes

    Sandra Stelzner-Mürköster lädt Dich ein ihr zu folgen in eine wunderbare Welt, eine Welt in der Magie und Zauber ganz natürlich sind.

    Mein Tagebuch der Hoffnung

    Mein Tagebuch der Hoffnung von Karina Wagner

    Gemeinsam mit dem wundervollen Engelmagazin darf ich ein tägliches Tagebuch der Hoffnung mit dir teilen.

    Meist gelesen