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    Thomas Schmelzer: Wo finden wir die verlorene Nähe?

    „Sehnen wir uns nicht alle nach einem neuen Miteinander?“, unteranderem diese Frage beantwortet jetzt Thomas Schmelzer. Mir scheint, als wäre dies die nächste große Lernaufgabe, um uns eines Tages als eine „Menschheitsfamilie“ zu begreifen. Davon sind wir im Moment meilenweit entfernt. Aber vielleicht muss das auch so sein.

    Man kann nämlich das Maskentragen und die Separierung voneinander wie eine Metapher sehen, wie wir uns voneinander entfernt hatten. Vielleicht erging es Ihnen auch so: Nach anfänglichem Schock und Empörung ob der Maßnahmen realisierte ich, dass es an mir liegt, ob ich diese immer größer werdenden Abstände zu meinen Mitmenschen akzeptiere oder ob ich mich gerade wegen der Situation mehr und mehr um Herzenskontakte zu Freunden und Familie kümmern sollte. Und ja, diese sind viel intensiver geworden – manch andere Kontakte, denen es an Tiefe fehlte, fielen weg.

    Auch in der Medienwelt und der Social-Media-Filterblase spitzten sich die unschönen Entwicklungen zu, die es auch schon vorher gegeben hatte: Pauschalisierungen, Einseitigkeiten, emotional motivierte Ablehnungen. Ohne Reflexionsvermögen werden wir verleitet, von unserer Sicht der Welt so überzeugt zu sein, dass wir für andere Argumente gar nicht mehr zugänglich sind. Das umso mehr, je mehr wir in uns alten oder neu getriggerten Ängsten befinden, die eine freie Sicht auf die Meinungsvielfalt verhindern.

    Nun ist das aber auch eine Chance: Wie vor einer Geburt wird es nochmal richtig eng, richtig dunkel und scheinbar aussichtslos. Wenn wir aber unser Bestes geben, weiter dem Herzen folgen, werden wir uns vielleicht nach und nach in einer viel größeren Herzlichkeit begegnen, was wir dann noch viel mehr schätzen lernen, und hineinwachsen in ein neues Miteinander – für mich ein zukünftiger weiterer Leuchtpunkt unserer evolutiven Entwicklung. Wie nun gelingt uns dieses? Nun, da hilft uns die spirituelle Sichtweise. Uns daran zu erinnern, dass wir alle mit dem Einen – Gott/Göttin, Universum, Absolutes – verbunden sind, aus ihm kommen und im Herzen diese Stimme vernehmen können.

    Dass in einer Gruppe, wenn alle mit einer Vision verbunden sind, wahre Wunder geschehen können und das Ganze viel mehr ist als nur die Summe der Einzelnen – das Ergebnis von Schwarmintelligenz, oder spirituell formuliert, einem neuen morphogenetischen Feld, in das sich andere leicht einklinken können.

    Außen wie innen – oben wie unten: Je mehr wir uns selbst als einzigartiges Wesen mit spezifischen Gefühlen, Erfahrungen, Talenten und Möglichkeiten erfahren, erkennen und lieben, umso leichter fällt es uns, auch den anderen als ein solches einzigartiges Individuum zu schätzen. Mitgefühl ist hier die zu entwickelnde Qualität – jeder Mensch sehnt sich nach Glück, innerem Frieden, Liebe. Jeder hat dazu seine Strategien und Erfahrungen gesammelt. Dem anderen in der Essenz zu begegnen, fernab der Argumente oder Emotionen, einfach sein Wesen zu erfassen und zu fühlen – das kann man lernen und das geht bei jedem Menschen!

    Auch das Eingeständnis, nicht alles zu wissen, schon gar nicht, was medizinische oder politische Gegebenheiten betrifft, führt zu einer gewissen Entspannung und Loslösung von störenden Abneigungen. Selbst in der spirituellen Szene zeigt sich nun, wessen Geistes Kind jemand ist. Wird der andere diffamiert, weil er meine Weltsicht nicht teilt, oder herrscht ein gelassener, wohlwollender, entspannter Geist, der unterschiedliche Meinungen aushalten kann?

    Ich finde es eine tolle Übung, gerade jene Menschen zu würdigen und in ihrer Schönheit und Seelenkraft zu sehen, die mir nahestehen, aber eine völlig andere Meinung über die gegenwärtige Situation haben. Ich glaube sowieso, dass wir Menschen viel wacher, bewusster und liebevoller sind, als uns in den Medien widergespiegelt wird. Es mag ein Zeichen von Intelligenz sein, sich nicht von alltäglichen Themen vereinnahmen zu lassen – und doch hat es eben auch etwas zu bedeuten, wenn der eine oder die andere extrem getriggert wird und vielleicht erkennt, dass ein eigenes tiefes zu transformierendes Thema jetzt ansteht.

    Auf jeden Fall bleibe ich Optimist und träume davon, dass wir uns früher oder später als Menschheitsfamilie erkennen und Werte wie Mitgefühl, Kooperation, Kreativität, Liebe als höchstes Gut erkennen.

     

    Thomas Schmelzer beschäftigt sich seit 20 Jahren in TV, Web, Print und live mit bewusstseinsfördernden Themen. Er leitet das Onlinemagazin MYSTICA.TV, arbeitet als Redakteur und moderierte rund 30 Kongresse. Er interviewte mehr als 800 Persönlichkeiten der Szene, ist Regisseur der erfolgreichen Dokumentationen „Die Übersinnlichen“ und „Wiedergeburt“ und Autor seines ersten Buches „Die Stille in mir“. In seiner Arbeit geht es ihm um die Verbindung unterschiedlicher Denkweisen und um die Vermittlung hilfreichen Wissens für ein bewusstes, friedvolles Leben. www.thomasschmelzer.de · www.mystica.tv

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