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    Tina Turner: Ich weiß, dass du dir deine Träume erfüllen kannst!

    Tina Turner ist von Natur aus eine Überlebenskünstlerin, und sie hatte Hilfe, womit sie weder Erfolg noch Geld meint, obwohl sie mit beidem gesegnet ist. Die Hilfe, die entscheidend für ihr Wohlbefinden, ihre Freude und Widerstandskraft war: ihr spirituelles Leben. Tina Turner erzählt, wie Ihr die Engel auf Ihrem Weg halfen.

     

    Ich bin von Natur aus eine Überlebenskünstlerin, und ich hatte Hilfe, womit ich weder Erfolg noch Geld meine, obwohl ich mit beidem gesegnet bin.  Die Hilfe, die entscheidend für mein Wohlbefinden, meine Freude und meine Widerstandskraft war, ist mein spirituelles Leben. Das ist eine große Behauptung, die leicht auszusprechen und schwer zu erklären ist.

    Ich wollte immer eine Lehrerin sein, glaubte jedoch, auf den Moment warten zu müssen, an dem ich etwas Wichtiges zu sagen habe, weil ich mir nicht sicher war, wie ich wahre Weisheit vermitteln kann. Jetzt ist diese Zeit gekommen. Während ich dies schreibe, befinden wir uns inmitten der schlimmsten Pandemie der vergangenen hundert Jahre. Durch diese Tragödie trauern viele von uns um einen geliebten Menschen, viele weitere haben traurigerweise ihre Existenzgrundlage verloren. Das Herz tut mir weh, während ich mit dir in dieser neuen, ungewissen Landschaft stehe. Selbst wenn du zu denjenigen gehören solltest, die von diesem Unglück nicht direkt betroffen sind, wissen wir doch alle, dass niemand durchs Leben kommt, ohne Widrigkeiten zu begegnen. Mehr denn je glaube ich, dass wir uns für Hoffnung entscheiden und unsere Schwierigkeiten dazu nutzen müssen, vorwärts und aufwärts zu gelangen.

    Wie habe ich es geschafft, so viele ernste Probleme zu überwinden? Ihr kennt die Liste vielleicht, und sie ist lang – eine unglückliche Kindheit, Verlassenwerden, Missbrauch in der Ehe, stagnierende Karriere, finanzieller Ruin, früher Tod von nahen Familienmitgliedern und verschiedene Krankheiten.

    Es gab so viele äußere Umstände und Kräfte, die ich nicht ändern oder beherrschen konnte, aber ich hatte eine Erkenntnis, die entscheidend für mein Leben war:
    Ich konnte die Art und Weise ändern, in der ich auf diese Herausforderungen reagierte. Die wertvollste Hilfe kommt von innen, und der Frieden tritt ein, wenn wir individuell daran arbeiten, unser besseres Selbst zu werden. Damit begann ich in meinen Dreißigern, als ich die transformierende Kraft der Spiritualität entdeckte. Spiritualität ist nicht an eine bestimmte Religion oder Philosophie gebunden.
    Sie ist auch nicht das exklusive Privileg von Priestern oder anderen Klerikern. Spiritualität ist unser persönliches Erwachen und unsere Beziehung zu Mutter Erde und zum Universum, durch die wir offener und positiver werden.
    In unserer komplexen Welt, die voller Widersprüche ist, finden wir selbst an den unwahrscheinlichsten Orten atemberaubende Schönheit. Zwischen dichten Gewitterwolken tauchen helle Regenbogen auf.

    Aus den unscheinbarsten Kokons schlüpfen fantastische Schmetterlinge. Und aus dem tiefsten, dicksten Schlamm ragen die herrlichsten Lotosblüten empor. Was meint ihr, weshalb das Leben sich so eingerichtet hat?
    Vielleicht sollen diese Regenbogen, Schmetterlinge und Lotosblüten uns daran erinnern, dass unsere Welt ein mystisches Kunstwerk ist, eine universelle Leinwand, auf die wir Tag für Tag mit den Pinselstrichen unserer Gedanken, Worte und Taten unsere Geschichten malen. Eines habe ich ganz ohne Zweifel gelernt – auf Widrigkeiten zu stoßen, wie ich es immer wieder erlebt habe, ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Über unseren Erfolg und unser Glück entscheidet, was wir daraus machen, wie wir es nutzen, um uns und unsere Zukunft zu gestalten.

    Je dicker der Schlamm, desto stärker der Lotos, der darin erblüht und sich aus dem Dreck erhebt, um sich zur Sonne zu strecken. Dasselbe gilt für uns Menschen. Ich weiß es, weil ich es geschafft habe. Und ich weiß, dass auch du es schaffen kannst.
    Vorläufig möchte ich dir nur sagen: Immer, wenn du den Eindruck hast, dass dein Lebenszustand in den niederen Welten versinkt, kannst du dich daraus erheben. Manchmal bedarf es dazu nur einer relativ simplen Anstrengung. Konzentrier dich auf etwas, mach Yoga, geh laufen, schwimmen oder ins Fitnessstudio, mach Atemübungen oder einen Spaziergang oder „schüttle es ab“. Und wie viele von uns schon im Kindergarten erfahren haben, wirkt es manchmal Wunder, eine Pause oder ein Schläfchen zu machen. Wenn diese Methoden nicht ausreichen, deinen Gemütszustand zu heben, kannst du andere Möglichkeiten erforschen, zum Beispiel Gebet, Chanten, Meditation oder die Beschäftigung mit einschlägigen Texten. Wähle den Weg, der für dich am besten passt.
    In meinem Fall schien bis zu meinem fünfunddreißigsten Lebensjahr nichts, was ich versuchte, eine entscheidende Verbesserung meines Lebenszustands zu bewirken. Nichts half mir, mich aus den niederen Welten zu erheben. In negativen Kreisläufen gefangen, litt ich schweigend vor mich hin und hatte keine Ahnung, wie ich jemals meine Träume verwirklichen konnte. Im Lauf der Zeit hatte ich Songwriter immer wieder sagen hören: „Schreib über etwas, was du kennst.“

    Diesen Rat befolgte ich, weshalb mein erster Versuch der 1973 verfasste Titel „Nutbush City Limits“ war, ein Lied über meinen Heimatort.
    Vor allem in Europa wurde es zum Hit. Das linderte unsere finanziellen Sorgen, und die Vorstellung, dass ich etwas Kreatives tun konnte, machte mich unheimlich glücklich. Zu Hause litten die Kinder und ich allerdings weiter unter Ikes heftigen Launen und Wutausbrüchen, denen wir uns hilflos ausgeliefert fühlten. Von diesen gewalttätigen Übergriffen war ich oft völlig erschöpft und außer mir. Es fiel mir immer schwerer, das vor den Menschen in meinem Umfeld zu vertuschen, denen meine Probleme keineswegs verborgen blieben. Eines Tages jedoch sagte unser Tontechniker unerwartet etwas völlig anderes zu mir: „Tina, du solltest es mal mit Chanten (Chanten = Singen spiritueller Lieder) versuchen. Das wird dir helfen, dein Leben zu ändern. Ich wusste nicht so genau, was Chanten überhaupt war, bat allerdings auch nicht um eine Erklärung. War das nicht was für Hippies?

    Einige Monate später jedoch kam mein jüngster Sohn Ronnie mit etwas nach Hause, was wie ein Rosenkranz aus lackierten braunen Holzperlen aussah. „Mutter“, sagte er aufgeregt, „das ist eine buddhistische Gebetskette! Wenn du „Nam-Myoho-Renge-Kyo“ chantest, kannst du alles bekommen, was du willst.“ Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was ich mit einer solchen Behauptung hätte anfangen sollen. Einige Wochen später brachte Ike eine heiter wirkende Frau mit nach Hause, um sie mir vorzustellen. Er kam ständig mit irgendwelchen Leuten an, die „Tina kennenlernen“ sollten. Und wie aus dem Nichts fing auch diese Frau plötzlich an, übers Chanten zu sprechen. Sie war Buddhistin.
    Offenbar versuchte das Universum mit aller Macht, mir eine wichtige Botschaft zu senden. Intuitiv war ich diesmal bereit, aufmerksamer zuzuhören.
    Ich sollte das mit dem Chanten mal ausprobieren, sagte ich mir. Und dann begann ich zu chanten. Durch den Buddhismus bekam ich Zugang zu einem direkten Weg nach oben, zu einer spirituellen Expressspur sozusagen. Das war das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo.

    Nam-Myoho-Renge-Kyo – es ist schier unglaublich, wie sehr sich mein Leben von dem Zeitpunkt, als ich diese Worte zum ersten Mal hörte, bis zum heutigen Tag gewandelt hat. Wenn ich diese Reise nicht selbst unternommen hätte, würde sie mir vielleicht wie ein Märchen vorkommen. Aber das ist genau, was ich getan habe – ich habe meine Träume, meine eigene Vision eines Märchens, wahr werden lassen.

    Was für Träume du auch haben magst, ich weiß,  dass du sie ebenfalls wahr machen kannst.  Ich wünsche dir, dass du Erfolg hast und deine eigene Vorstellung von Glück verwirklichst, aber wie die aussieht, weißt nur du. Was immer du auch von diesen Seiten mitnimmst, so hoffe ich, dass die Geschichte meiner Selbstverwirklichung deine Träume beflügeln wird, jetzt und in Zukunft.
    Wenn ich davon spreche, dass Träume wahr werden, meine ich damit nicht die Wünsche in unserem äußerlichen Leben. Materielle Belohnungen sind eine schöne Sache, und ich bin zutiefst dankbar für all die wunderbaren Dinge, die ich jetzt besitze. Ich habe hart gearbeitet, dahin zu kommen, wo ich heute bin. Aber das ist nicht die Verwandlung, von der ich spreche. Was sich für mich verändert und was mich befähigt hat, die sichtbaren Annehmlichkeiten zu erwerben, die ich genieße, war von unendlich größerer Bedeutung. Es waren tiefe innere Veränderungen, die sich durch meine spirituelle Praxis ergeben haben, die Praxis, zu chanten, zu lernen und anderen zu helfen.
    Als ich das Geschenk, das Nam-Myoho-Renge-Kyo für mich ist, zum ersten Mal bekam, war das der Beginn eines neuen Lebens, und zwar auf so vielfältige Weise, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Dank des spirituellen Erwachens, das ich dadurch erfuhr, habe ich genügend Klarheit und Kraft gewonnen, zahllose wichtige Veränderungen in meinem Leben vorzunehmen.

    Angefangen hat alles während mehrerer Begegnungen mit Menschen, die mir eindrücklich den Rat gaben, zu chanten. Glücklicherweise habe ich auf die Botschaft gehört, die mich so intensiv zu erreichen versuchte. Ich fing an, indem ich jeden Tag ein wenig praktizierte; manchmal wiederholte ich einfach ein paarmal „Nam-Myoho-Renge-Kyo“. Als ich dann erst fünf und später fünfzehn Minuten täglich chantete, bemerkte ich scheinbar nebensächlich-zufällige, aber dennoch auffällige Verbesserungen und Veränderungen in meinem Alltag. Zum Beispiel entdeckte ich einen Vorrat von meinem Lieblings-Make-up, das es nicht mehr zu kaufen gab, und beim Autofahren hatte ich den Eindruck, ständig grüne Welle zu haben.
    Stück für Stück half mir meine buddhistische Praxis, meinen Platz im Universum neu zu gestalten. Bald dehnte ich das Chanten auf eine halbe, wenn nicht gar eine ganze Stunde aus. Allmählich hatte ich das Gefühl, den richtigen Rhythmus zu finden und auf der tiefsten Ebene in Einklang mit dem Leben zu sein. Je mehr ich praktizierte, desto mehr spürte ich, wie mein wahres Selbst, die mir angeborene Buddha-Natur, erwachte. Mein Lebenszustand verbesserte sich ständig. Mit der Zeit wurde ich innerlich so stark, dass mir selbst Konflikte wie ein Spiel vorkamen, wie eine Art karmische Prüfung. Inmitten von Chaos hatte ich das Gefühl, wie neugeboren zu sein.

    Je heller mein inneres Licht leuchtete, desto mehr verbesserten sich die Umstände in meinem Leben, und Träume begannen wahr zu werden. Diesen inneren Veränderungen folgten andere erfreuliche Entwicklungen, wodurch ein positiver Kreislauf in Gang kam, der sich mit der Zeit ausdehnte. Das erste deutliche Beispiel dafür war besonders eindrucksvoll. Ich hatte immer in einem Film mitspielen wollen und bekam völlig unerwartet das Angebot, eine wichtige Rolle in der Verfilmung der Rockoper „Tommy“ zu übernehmen, neben Elton John, Ann-Margret, Roger Daltrey, Eric Clapton und Jack Nicholson. Da ich bekanntlich schon in meiner Jugend begeistert ins Kino gegangen bin, war das wirklich ein wahr gewordener Traum.

    Langsam, aber stetig erweiterte ich im Lauf der nächsten Jahre meine buddhistische Praxis. Dadurch wurde ich immer stärker – so stark, dass ich im Sommer 1976 endlich den Mut aufbrachte, Ike zu verlassen und der kranken häuslichen Situation zu entkommen, in der ich so lange gefangen gewesen war. Ich genoss es sehr, ungehindert gemeinsam mit anderen aufgeschlossenen Menschen die buddhistische Lehre zu studieren und zu praktizieren. Was für eine Erleichterung und ein Vergnügen das doch war!
    Tief bewegt dachte ich: Nam-Myoho-Renge-Kyo ist wie ein Lobgesang von Engeln.
    Nam-Myoho-Renge-Kyo – manche sagen, es sei wie ein Lied. In der Tradition der Sōka Gakkai bringt man uns bei, wie man es singen soll. Als ich zu meinem ersten Treffen kam und hörte, wie eine Gruppe es gemeinsam in rhythmischer Einheit praktizierte, war die Energie so schön und stark, dass ich mich ganz von Güte umgeben fühlte und das Gefühl einer freudigen Ewigkeit empfand. Tief bewegt dachte ich: Nam-Myoho-Renge-Kyo ist wie ein Lobgesang von Engeln.

    Wir alle wollen glücklich sein. Die Suche nach Glück ist ein zentraler Instinkt, der über alle Überzeugungen und Kulturen hinausgeht. Alles, was wir sagen oder tun, wurzelt letztlich in der freilich oft unbewussten Überzeugung, dass unser Handeln zu Glück führen wird.
    Das eigentliche Kunststück besteht darin, das Glück andauern zu lassen. Glück ist ein Gefühl, und wie alle Gefühle kann es so schnell verschwinden, wie es sich eingestellt hat.
    Wahres und bleibendes Glück ist schwer zu erreichen, darüber weiß ich nur zu gut Bescheid. Ich wollte dir hier nur erzählen, auf welch wunderbare Weise das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo mir geholfen hat, glücklich und stark zu werden – wie es meinen Lebenszustand auf eine andere Ebene gehoben hat und wie es dasselbe für dich tun kann.

    Die Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo
    Wörtlich bedeutet Nam-Myoho-Renge-Kyo: „Hingabe an das mystische Gesetz des Lotos-Sutras.“ Die Bedeutung dieses Satzes erschließt sich, wenn man seine Elemente einzeln betrachtet: Nam bedeutet zu vertrauen oder sich etwas zu widmen. Myoho bedeutet „mystisches Gesetz“, wobei myo auf die mystische Natur allen Lebens verweist und ho auf dessen wahrnehmbare Manifestationen. Damit drückt Myoho die fundamentale Lebenskraft des Universums aus. Renge bedeutet „Lotosblume“ und bezieht sich auf Ursache und Wirkung, da die Lotospflanze zugleich Blüte und Frucht hervorbringt. Kyo schließlich hat eine vielschichtige Bedeutung. Es bezieht sich auf die Lehren Buddhas und auf die Klangschwingung der Stimme. Anschaulicher kann Nam-Myoho-Renge-Kyo so gedeutet werden: „Ich vertraue auf das universelle Mystische Gesetz von Ursache und Wirkung durch den Klang der Buddha-Weisheit.“

     

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